Lohkirchen – Vitus Maier hat alles so gemacht, wie es die Impfkampagne derzeit vorsieht. „Im März 2021 hatte ich mich mit Corona infiziert und galt danach als genesen“, erzählt der 65-Jährige aus Lohkirchen. „Im August habe ich mich impfen lassen und war damit vollständig geimpft.“ Auf seinem EU-Impfzertifikat von August sind zwei von zwei Impfungen vermerkt – oder wie es im Behördendeutsch heißt 2/2.
Komplizierte Flut
von Dokumenten
„Am zweiten Weihnachtsfeiertag hab ich mir die Auffrischungsimpfung im Impfzentrum Mühldorf geben lassen“, berichtet er weiter. Mit dem Booster wollte er sich die für 2G-plus nötigen Schnelltests künftig sparen und für einen eventuellen Auslandsurlaub vorbereitet sein. Im Impfzentrum wurde Maiers zweiter Piks als „Auffrischung“ dokumentiert – was einer dritten Impfung entspricht. Allerdings steht auf dem danach ausgestellten EU-Zertifikat wieder nur 2/2. Das fiel ihm aber nicht auf: „Ich war ja der festen Annahme, dass ich jetzt mit Drittgeimpften gleichgestellt bin – und meine Brille hatte ich auch nicht dabei.“
Tags drauf ging er in die Apotheke, um sich die Immunkarte in Scheckkartengröße zu bestellen. „Damit ich nicht immer meine gesammelten Impfausdrucke dabei haben muss“, so Maier. In der Apotheke gab es aber ein Problem bei der Eingabe seiner Impfdaten in das EDV-System. „Es war nicht möglich, mich als geboostert zu registrieren“, stellt der Lohkirchener enttäuscht fest. „Mit ‚genesen, geimpft und aufgefrischt‘ bin ich für die Software nur zweifach geimpft. Damit konnte die Plastikkarte nicht für mich ausgestellt werden.“ Er ist sauer: „Seit einem Vierteljahr hat es Deutschland nicht auf die Reihe bekommen, mir und anderen Genesenen diesen Nachweis zu ermöglichen.“
Die Apotheken kennen das Problem
Das bestätigt auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen auch eine Mitarbeiterin der Johannes-Apotheke in Neumarkt-St.Veit: „Nachdem der erste Kunde mit diesem Anliegen bei uns an der EDV-Eingabe gescheitert ist, haben wir nachgeforscht. Uns wurde mitgeteilt, dass diese Softwarelücke innerhalb von zwei Wochen behoben sein sollte.“ Das war Anfang Dezember. Immer wieder kämen Kunden mit ihren Nachweisen für „genesen, geimpft, geboostert“ und immer wieder breche das Programm ab. Die Apotheke hofft, dass das System bald endlich rund laufen wird.
Was Vitus Maier jetzt tun kann? „Statt der handlichen blauen Karte, wie sie dreifach geimpfte Freunde von mir schon haben, muss ich immer den ganzen Papierkrieg von der Genesung bis zur Auffrischungsimpfung dabei haben, wenn ich mich als 2G+ ausweisen will.“ Zu der Software-Misere kommt nämlich auch noch, dass er kein Smartphone besitzt, das ihm zumindest eine kleine technische Erleichterung bringen würde.