Das „Ally Pally“ hat es ihnen angetan

von Redaktion

Darter würden die Stimmung bei der WM in London einmal gerne miterleben

Waldkraiburg – Für die Queen reisen Christian Dressler und Stefan Lotse garantiert nicht nach Großbritannien. Wegen der Dart-Weltmeisterschaft würden sie sich aber sehr gerne in den Flieger setzen. „Bei diesem verrückten Spektakel einmal persönlich als Zuschauer anwesend zu sein, wäre schon traumhaft“, schwärmt Dressler, Vorsitzender des Dart-Clubs Horizont. Die WM, die am vergangenen Montag im legendären Londoner „Ally Pally“ – die Abkürzung für Alexandra Palace – zu Ende ging, verfolgte der 46-Jährige gebannt am Fernseher. Er hat sich die für ihn magische Veranstaltung sogar aufgenommen.

Corona bremst auch
die Pfeilwerfer aus

Mit einem Irokesenschnitt, wie ihn der frisch gebackene Dart-Weltmeister Peter Wright trägt, haben Dressler und sein Stellvertreter Stefan Lotse nichts am Hut. Ihre Haarpracht kommt ganz normal daher, der Spielbetrieb in der Kneipe Horizont jedoch nicht. Corona bremste in den vergangenen zwei Jahren dieses Vergnügen ziemlich aus. Dart im Internet und am Fernseher zu verfolgen sei das eine, doch fehle einfach das echte Spiel vor Ort sowie das gesellige Miteinander in der Kneipe.

Was Dressler zudem beklagt: „Uns sind sogar Mitglieder abgesprungen, weil wir ja nicht mehr richtig spielen und trainieren können.“ Darunter würde auch das Niveau der Spiele leiden.

Rund 45 Frauen und Männer nehmen aber dennoch die Pfeile in die Hand, zumindest dann, wenn es die Corona-Regeln gestatten. Im Vereinslokal wird nicht Steel-Dart, wie bei der Weltmeisterschaft, sondern E-Dart auf elektronischen Dart-Automaten gespielt. Der Waldkraiburger Dart-Club spielt eine Frühjahrsliga und eine Herbstliga aus. Im September durften sich die Pfeilewerfer einige Wochen austoben. Dann war wieder Schicht im Schacht. „Der Ligabetrieb steht leider still“, bedauert Stefan Lotse, der seit 1. Januar neuer Wirt in der Horizont-Kneipe ist. Der 38-Jährige erklärt: „Ich weiß natürlich um die Problematik, in dieser Zeit eine Kneipe zu übernehmen. Aber der bisherige Wirt hat aufgehört, und ich wollte meine Dart-Freunde nicht im Regen stehen lassen.“

Wer ins Lokal will, muss natürlich die 2G-Regel beachten. „Sonst geht gar nix“, unterstreicht Lotse. Er weist nicht ohne Stolz auf die vielen Pokale hin, die in der Kneipe in Regalen und Vitrinen funkeln. „Wir haben im Laufe der Jahre bei Meisterschaften und Turnieren schon jede Menge Siege eingefahren“, verkündet Christian Dressler.

Der Sprung vom lockeren Wirtshaussport zum „echten“ Sport ist gar nicht so weit. Was es dazu unbedingt braucht, sei Ehrgeiz. Und den hätten viele Clubmitglieder. Dressler spielt in der A-Liga. Bei normalem Liga-Betrieb kommen schnell mal zehn bis zwölf Stunden Dart pro Woche zusammen. „Andere sind fußballverrückt, und wir lieben halt den Dart-Sport“, so einfach ist diese „Sucht“ für Dressler zu erklären. Schade findet der Vorsitzende, dass sein Club so gut wie keine Jugendarbeit leisten kann. „Dafür fehlt uns ein Vereinsheim. Und in Kneipen dürfen Jugendliche unter 18 Jahren nicht spielen.“ Lotse ist es noch wichtig, deutlich zu machen, dass nicht nur Vereinsmitglieder, sondern jeder Gast auf die elektronischen Dart-Automaten zielen kann.

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