Martin Frank ist zurück auf der Bühne

von Redaktion

100-minütiges Programm lässt die Sorgen vergessen – Stadtsaal zweimal ausverkauft

Mühldorf – Nachdem zahlreiche Auftritte coronabedingt abgesagt werden mussten, kam der Kabarettist Martin Frank jetzt im Mühldorfer Stadtsaal zu einer Doppelveranstaltung auf die Bühne. Beide Termine des Programms „Einer für alle – alle für Keinen“ waren ausverkauft. Die auch für Kulturschaffende schwierige Corona-Zeit war großes Thema des 100-minütigen Abends.

Ein erstes Opfer des 29-jährigen Entertainers waren Fahrer eines Renault Twingo, laut Frank eine „überdachte Gehhilfe“. Trotzdem haben eben solche ihm einen Arbeitsplatz streitig gemacht, auf den er sich – wieder auf den Hof der Familie zurückgezogen – beworben hat. Weil die täglich vorgelegten Stellenannoncen der Oma nichts genützt haben, musste er mangels geregelter Arbeit die Haushaltsführung übernehmen.

Finger weg als Verkaufshilfe

Immerhin weiß er bereits, wie man eine ranzige Scheibe Leberkäse an den Mann oder die Frau bringt: Die mundgerechten und mit Petersilie oder Brennnessel garnierten – „den Unterschied kennt eh keiner“ – Stücke mit einem Schild mit der Aufschrift „Finger weg“ versehen. Der junge Küchenchef fand erstaunlich, dass sich die Deutschen wegen Corona im Supermarkt um Klopapier und Hefe streiten. Die Holländer dagegen kauften während der Pandemie Haschisch, die Italiener und Franzosen Rotwein und Kondome.

Neben seinen Qualitäten im Haushalt oder der Küche bewies Frank zudem, dass er ein ausgebildeter Opernsänger ist, mit der Arie des neureichen Schweinezüchters Koloman Zsupan aus dem „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß: „Ja das Schreiben und das Lesen.“

Viel Hausarbeit hat Frank jetzt – durch den coronabedingten Lockdown noch verstärkt – zu verrichten. Dauernd hat er die Fenster geputzt, er hat einen regelrechten „Fensterputz-Arm“. Seine Fenster waren so sauber, dass sich die Spatzen regelmäßig Schädel-Hirn-Traumata zuzogen, als sie dagegen donnerten, wie der Kabarettist erklärte.

Die Corona-Pandemie habe aber neben ihm vielen Menschen zugesetzt. Gegen den Corona-Blues empfahl er deshalb das Suchen neuer Perspektiven: Veganer sollten zum Schlachtschüsselessen gehen und Pfarrgemeinderäte eine Erotikmesse besuchen.

Der Alltag war in diesen Zeiten manchmal schwer. Als er sich von einem Freund und dessen Partnerin bekochen lassen will, so erzählte er, endete das darin, dass sie im Februar auf der Terrasse saßen, alle drei mit FFP-Maske, die Freundin zusätzlich mit Taucherbrille.

Aber nicht nur um das Essen ging es in seinem Bühnenprogramm. Auch beim Trinken hat es der Kabarettist nicht immer leicht. Ein Problem für ihn ist, dass er kein Bier mag, obwohl er nur 50 Meter Luftlinie von der Hutthurmer Brauerei entfernt wohnt. „Bei Ostwind habe ich automatisch 1,5 Promille“, kommentierte er. Er kritisierte zudem, für Bier gebe es Tausende von Liedern – für sein bevorzugtes Getränk Kaba kein einziges. Darum sang er die „Ode an den Kaba“.

Auch das Thema Kirche durfte beim Auftritt des gelernten Organisten nicht fehlen. Er kritisiert die mangelnde Disziplin so mancher Gottesdienst-Besucher: „Der Pfarrer wandelt sich die Seele aus dem Leib und der eine schläft, der andere bohrt in der Nase.“ An Allerheiligen werden auf dem Friedhof die einzelnen Grabgestecke durchgehechelt und das Gesteck kritisiert oder die Kleider sind Thema: „Wer ist denn das in dem edlen schwarzen Kleid? Das ist ja der Pfarrer!“

Die Datenschutzgrundverordnung, Veganer und Alpakas haltende Landwirte sind weitere Zielscheiben seines Spotts.

Der famose
Freistaat Bayern

In seiner Zugabe teilte er mit, dass er während des Lockdowns Vater geworden sei – Vater eines Buches mit Kollegin Franziska Wanninger. „Der famose Freistaat. Bayern verstehen für Anfänger und Fortgeschrittene“ soll in die bayerische Lebensart einführen. Beispielsweise mit der Info: Für eine Beleidigung kann man in Bayern jedes Tier verwenden, von der Henne bis zum Rindvieh. Für ein Lob gibt es allerdings nur eines, nämlich den Hund.

Die Geschichten vom morgendlichen Schwimmen im Hallenbad und dem richtigen Gießen des Friedhofsgrabs rundeten den Abend ab, an dem man die vorherrschenden Krisen kurz vergessen konnte. Mit Frank stand ein junger Stern des bayerischen Kabaretthimmels auf der Bühne in Mühldorf, der noch für viel Furore sorgen wird. hra

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