Wunsch nach mehr Zeit

von Redaktion

Pfarrer Pawel Idkowiak seit zehn Jahren in Haag

Haag – Vor zehn Jahren kam Pfarrer Pawel Idkowiak nach Haag und wollte eigentlich nur zehn Jahre bleiben. Nun aber wünscht er noch viel Zeit in der Marktgemeinde – trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Ein Gespräch über leere Kirchenbänke und die Kraft der Seelsorge.

„Alles ist anders“, stellt Pfarrer Idkowiak im Rückblick fest. Gegen die aktuellen Krisen von Kirchenaustritt und Energiekosten bis zu schwächelnden Gottesdienstbesuchen habe er „kein fertiges Konzept“. Es habe sich ja auch die Gesellschaft geändert, betont er.

Mit Freude verweist Idkowiak demgegenüber auf sein persönliches Resümeé bei den Haagern: „Ich werde gemocht, auch wenn man es nicht jedem recht machen kann.“ Auf die Frage, ob er nicht bis zur Rente dableiben wolle, meint er: „Ob ich wie mein Vorgänger 23 Jahre hier sein werde, kann ich nicht sagen, aber ich sehe in Haag eine gute Perspektive.“

Auf seiner Erfolgsliste stehen einige gelungene Maßnahmen wie die neue Orgel, die Neuausstattung des Pfarrbüros und der „erfreuliche Einzug des Pfarrhofs in die Villa Jäger am Marktplatz“. Umgesetzt hat er neue Formen der Sakramentenspendung. Seit der Pandemie können seine Gottesdienste per Internet miterlebt werden. Das brachte einen Wermutstropfen mit: „Seit Corona haben sich die Gottesdienstbesuche nicht mehr erholt, das ist enttäuschend.“

Realistischer als manch Kommunalpolitiker beurteilt der Haager Pfarrer den seit Jahrzehnten debattierten, aber nicht realisierten Umzug des Pfarrheims in den Zehentstadel: „Das ist ein bisschen aussichtslos.“ Der Pfarrverband laufe dagegen „mit gutem Team“ bestens. Der Geistliche ist für fünf Pfarreien der Umgebung von Oberndorf bis Reichertsheim zuständig.

Auf der Erfolgsliste steht ferner die Gründung des Kita-Verbundes. Dabei sei er durch Verwaltungsleiterinnen von so mancher Organisationsarbeit für Kindergärten und Pfarrkirchenstiftung befreit worden. Freude bereiteten ihm die Ausflüge nach Italien, Frankreich und Polen: „Da konnte ich meine Heimat zeigen.“ Auch in seinen Privaträumen könne er über Abwechslung nicht klagen durch das Zusammenleben mit der Familie Dombai und einem rührigen Kleinkind.

Mehr Zeit wünscht sich der Haager Pfarrer für sein Hobby. Er interessiert sich für Kunstgeschichte und sammelt sakrale Werke. Einen besonderen Schatz erwarb er aus dem Nachlass eines Chiemseemalers, der ein Madonnengemälde von Filippo Lippi in Florenz kopiert hatte.

Sein Hauptanliegen bleibt aber die Seelsorge. Er werde sich künftig noch mehr Zeit für die persönliche Begegnung nehmen: „Das ist immer eine Bereicherung. Im Menschen begegnet uns Gott.“

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