Andalusische Weihnacht

von Redaktion

Ricardo Volkert gastiert mit Flamenco im Haberkasten

Mühldorf – Schon oft war Ricardo Volkert mit verschiedenen Ensembles in der Region unterwegs. Am Samstag gastierte er zusammen mit den Flamencosängerinnen und -tänzerinnen „La Picarona“ Heike Kluska, Carmen Lopez und Roberta Ragonese „Pajarita“ sowie Simón „El Quintero“ an Gitarre, Mundharmonika und Percussionistrumenten und Jost-H. Hecker mit seinem Violoncello zum ersten Mal im Mühldorfer Haberkasten. „Dieses Haus atmet Geschichte. Als Künstler muss man einfach einmal mal hier gewesen sein“, zeigte sich der Künstler zum Schluss der zweieinhalbstündigen Vorstellung begeistert.

Südländische Folklore reißt Zuschauer mit

Die Flamencotruppe brachte gleich zu Beginn südländische Folklore in den Saal, als sie wie Straßenmusiker von der Hintertüre, zwischen den Tischen hindurch, zur Bühne zogen. Dort gab es zwar Mikrofone und diverse Instrumente und Hilfsmittel zum Musizieren und Tanzen. Doch kann die Combo auch ohne Verstärker, wie sie zur Begeisterung des Publikums mehrfach bewies. Die Zuschauer erfuhren im Laufe des Abends nicht nur so einiges über den Flamenco. So hat fast jede Stadt in Andalusien ihre eigenen Gesänge und Tänze entwickelt: Sevilla, Granada, Malaga und nicht zuletzt Almeria, das der gebürtige Freisinger als seine zweite Heimat bezeichnete. Dort hatte er beim Konzertgitarristen José Fernández Campos, „Pepe Richoly“, klassische Gitarre studiert. Am bekanntesten sei zweifellos die Sevillana, ein Paartanz, der bei den andalusischen Festen und Feierlichkeiten rund um das Wiegenfest oft zum Einsatz kommt.

Ricardo Volkert brachte den Zuschauern auch andalusische Weihnachtstraditionen nahe. Gefeiert wird dort nämlich von „Nochebuena“, das auch in Spanien auf den 24. Dezember fällt, bis zum Festtag des heiligen Antonius am 17. Januar, an dem Tiere geweiht werden. Die Weihnachtsgeschichte des Neuen Testaments sei den Menschen im äußersten Süden Spaniens seit jeher zu dünn gewesen. Daher entwickelten sich etwa seit dem 13. Jahrhundert detailreiche Gesänge, in denen die Geburt Christi facettenreicher überliefert wurde.

Viele der Lieder hatten nachdenkliche Texte: „Es geht um das Denken! Man sieht zwar das kleine Kind, sieht aber auch schon die Dornenkrone, die es einmal tragen wird“, erklärte der Musiker. Auch wenn die Inhalte oft so düster wie die Nächte um Weihnachten sind, mangelte es der Vorstellung „Feliz Navidad“ im Haberkasten zu keinem Zeitpunkt an Heiterkeit und südländischem Temperament.

Ausdrucksstark
und schwungvoll

Neben den Instrumentalen haben daran vor allem auch die drei Sängerinnen und Tänzerinnen großen Anteil. Ausdrucksstark gestikulierend bringen sie Schwung auf die Bühne. Mit wunderschön bestickten Seidentüchern, in enge, lange Kleider gehüllt und Kastagnetten in den Händen. Im Haberkasten schwappte dieser direkt ins Publikum über, das dank eingängiger Refrains, obschon des Spanischen meist gar nicht mächtig, bei einigen der Lieder selbst mitgesungen hat.

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