Natürlich habe ich sie darauf vorbereitet. Schon in der Sternsingerprobe habe ich meinen Ministranten und Ministrantinnen klar gemacht, dass sie als singende Segensboten unserer Pfarrei vermutlich nicht an jeder
Haustür willkommen sind. Das liegt in der Natur der Sache. Dennoch versetzen dann Äußerungen wie „Euch brauchen wir wirklich nicht!“ oder „Ihr habt uns gerade noch gefehlt!“ einem Zehnjährigen erst einmal einen Stich.
Die Kinder erzählen mir bei der Rückkehr ins Pfarrhaus von viel Freude, aber auch von diesen Erfahrungen. Ungeachtet dessen machen sie sich am nächsten Tag wieder auf den Weg. Sie tun es, weil sie selbst davon überzeugt sind, mit dieser Aktion benachteiligten Kindern helfen zu können. Die negativen Reaktionen sind ohnehin nur wenige und ich meine, das Ganze ist auch eine gute Übung für das ganze Leben. Auch da gehen leider nicht alle Türen auf. Nicht alle guten Ideen und alle Gefühle, die unsere jungen Menschen für andere entwickeln, werden einmal erwidert werden. Auch damit muss man im Leben zurechtkommen. Ablehnung, die man gemeinsam klar und ehrlich reflektieren kann, macht innerlich nur stärker. Wer seine Nase aus dem Fenster streckt, dem wird immer der Wind entgegen wehen.
Die Alternative wäre, untätig daheim sitzen zu bleiben. Die Umhänge und Kronen der Sternsinger sind bis nächstes Jahr weggeräumt. Dann ziehen die Kinder und Jugendlichen wieder los und ich werde sie erneut dazu ermutigen. Wenn es solche motivierten jungen Menschen auf unserer Welt nicht gäbe, würden sie uns tatsächlich fehlen!