Mühldorf – Nachdem der Starkregen gegen 19 Uhr am Samstag aufgehört hatte, setzten die Schausteller sämtliche Hebel in Bewegung, um die Fahrgeschäfte wieder auf Vordermann zu bringen. „Durch die starken Böen peitschte es den Regen seitlich in den Autoscooter. Da war alles nass. Das musste erst einmal getrocknet werden“, sagt Timo Kollmann, der den Autoscooter betreibt.
Der 25-jährige Schausteller sagt: „So ein Unwetter hab ich noch nicht erlebt!“ War die Fahrbahn getrocknet, tropfte es aus den Fahrzeugen, wieder mussten die Helfer mit Wasserschiebern ran, um den Boden zu trocknen. „Viele Fahrzeuge waren mit Wasser vollgelaufen, Step by Step landete auch das auf der Fahrbahn.“ Bis 20 Uhr aber hatten seine Leute das Fahrgeschäft wieder im Griff, freute sich Kollmann dann doch noch über ein gutes Geschäft am Samstagabend.
Keine Gefahr
von Stromschlägen
Der Autoscooter läuft über Strom: „Oben Plus-Pol und unten der Minuspol. Selbst bei Nässe herrscht da keine Gefahr für die Fahrgäste“, klärt Kollmann auf, der nun wieder auf besseres Wetter hofft.
Sorgen, dass man im Falle eines Unwetters oder unvorhergesehenen Stromausfalls in Mühldorfs höchstem Fahrgeschäft, dem „Around the world XL“ in 60 Metern Höhe stecken bleiben könnte, zerstreut der Besitzer des Fahrgeschäftes, Daniel De Voer.
Am Montagmorgen sitzt er in dichten Regenklamotten im Kassenhäuschen, immer wieder mit einen neugierigen Blick auf die Wetter-App auf seinem Tablet. Regenwolken. Niederschlag den ganzen Tag über. Schulterzucken beim Holländer. Es hilft ja nichts.
„Natürlich haben wir am Samstag auch das Wetter verfolgt, Wetter-Apps gecheckt. 20 Minuten, bevor es mit dem Unwetter losging, haben wir das Fahrgeschäft außer Betrieb genommen. Da wollten wir kein Risiko eingehen.“ Dem Sturm sah er gelassen entgegen.
Denn sein hoher Turm steht stabil auf einem großflächigen Kreuz. 80 Tonnen wiegt das Karussell. Das wirft ein Sturm nicht so leicht um, meint der 32-Jährige. Auch bei einem möglichen Stromausfall muss niemanden bange werden. „Stromausfall hatten wir am Samstag keinen. Und wenn, dann verfügt das Fahrgeschäft über einen Bremsmechanismus.“
Die Gondeln können damit sicher abgesenkt werden. Komplett mechanisch. Volksfestmanager Walter Gruber ergänzt: Und sollte selbst das nicht funktionieren, gebe es immer einen Plan B, den das Sicherheitskonzept vorsieht. Eine Drehleiter, die auch in solch schwindelnden Höhen vorstoßen könne.
Doch so weit will man nicht denken. Man hofft auf Wetterbesserung und dass die Leute wieder in Scharen auf das Volksfest strömen. Besonders an die Senioren habe man in diesem Jahr gedacht, indem man auf kürzere Wege setzt.
Erstmals findet der Seniorennachmittag im Spatenzelt statt. Senioren, die nicht so gut zu Fuß sind, können bis fast vor dem Eingang gefahren werden. Die Busparkplätze sind in kurzer Distanz. Am Stadtsaal stehen außerdem Behindertenparkplätze zur Verfügung, sagt Gruber.
Für die Polizei hätten die Unwetter und der Regen vor allem am Samstagabend eine besorgniserregende Situation gebracht, sagt der Dienststellenleiter der Polizei in Mühldorf, Josef Bernhart.
Es habe sich jedoch gezeigt, dass die im Sicherheitskonzept der Kreisstadt Mühldorf zum Szenario „Unwetter“ im Vorfeld festgelegten und mit allen „Blaulichtorganisationen“ abgestimmten Maßnahmen gegriffen hätten. „Jegliche Gefahren für Besucher, Betreiber, Mitarbeiter und Einsatzkräfte konnten vermieden werden“, zieht der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Mühldorf ein positives Fazit verbunden mit dem Dank an die Verantwortlichen der Kreisstadt Mühldorf, der Veranstaltungsleitung, dem Bauhof, der Feuerwehr Mühldorf, dem BRK Mühldorf sowie dem THW für die koordinierte Zusammenarbeit.
Gutes
Sicherheitskonzept
Diese lobt auch zwei Tage nach dem Unwetter Volksfest-Organisator Walter Gruber. Weil man frühzeitig den Platz evakuiert und die Besucher sicher in den Zelten untergebracht hatte, sei niemand zu Schaden gekommen.
Der Sturm hatte zunächst zwar auch dem 50-Jährigen Sorgenfalten auf die Stirn getrieben, doch die Zelte hielten den orkanartigen Böen stand. „Die Zelte sind mit Erdnägeln von über einem Meter Länge im Boden fixiert. Da sollte nichts fehlen!“ Wichtig sei gewesen, dass die Zelte während des Unwetters auch geschlossen blieben, damit nichts in die Zelte fahren und Unheil anrichten konnte.