Ruhiger erster Bahnstreiktag am Linienstern Mühldorf

von Redaktion

Lokführer kämpfen für kürzere Arbeitszeiten – Beeinträchtigungen für Fahrgäste dauern noch bis Samstag an

Mühldorf – Mit voller Wucht hat der Streik die Region nicht getroffen. Das ließ sich am Nachmittag des gestrigen ersten Streiktags sagen. Eine Mitarbeiterin der Service-Hotline der Südostbayernbahn (SOB) teilte am Telefon mit, dass am Nachmittag die Züge von Mühldorf nach München nahezu im Stundentakt fahren. Lediglich die Verbindung um 12.31 Uhr sei ausgefallen. Auch in umgekehrter Richtung fahren Züge von München nach Mühldorf fast im Stundentakt.

Klaus Zinsberger, Mitarbeiter beim Kundendialog der SOB am Mühldorfer Bahnhof, spricht vom Notfallfahrplan für die Dauer des Streiks: Von 4.30 bis 7.30 Uhr seien sechs Züge nach München ausgefallen, nachmittags war einer der geplanten Züge nicht am Start.

SOB-Chef Matthias Krause hatte schon am Vortag darauf hingewiesen, dass die SOB versuchen werde, jede Stunde einen Zug nach München zu fahren. Die sogenannten Taktverstärker, die im Berufsverkehr zusätzlich eingesetzt werden, würden aber wohl ausfallen.

Auf den Nebenstrecken sah es am ersten Streiktag nicht ganz so gut aus. Maximal alle zwei Stunden war dort ein Zug unterwegs, die Fahrplan-Apps und Internetseiten weisen einige Löcher auf. Insgesamt machten sich weniger Menschen als üblich auf den Weg zum Bahnhof Mühldorf. Im Buch- und Zeitungsladen sagt eine Verkäuferin: „Heute sind deutlich weniger Kunden bei uns. Ich habe nur einige Zeitungen verkauft. Der Chef zahlt heute drauf.“

Eine Mutter war mit zwei kleinen Kindern nach Chieming unterwegs, eines davon fährt zur Kur. Sie sagte: „Der Zug nach Rosenheim um 11.43 Uhr ist ausgefallen. Jetzt warte ich auf den nächsten, der um 12.27 Uhr fährt. Laut meiner Nachfrage bei der Auskunft soll der kommen.“ Die junge Frau hatte Glück – der angekündigte Zug nach Rosenheim fuhr auf Gleis 1 pünktlich ab.

Vor dem Bahnhof wartete ein einsames Taxi. Der angesprochene Taxifahrer sagte: „Ich habe bisher vom Streik nichts bemerkt und heute Morgen schon einige Fahrten gehabt.“

In der Bäckerei beklagte die Verkäuferin den rapiden Kundenrückgang, sie habe heute deutlich weniger Brot und Gebäck verkauft als sonst.

Ein Lokführer bestieg den Zug nach Rosenheim. Warum er arbeitet? „Ich bin nicht bei der GDL, sondern bei der EVG. Wir streiken nicht und tun unseren Dienst.“ Die Eisenbahner- und Verkehrsgesellschaft EVG ist die größte Gewerkschaft des Eisenbahn- und Transportwesens in Deutschland und steht in Konkurrenz zur GDL.

SOB-Chef Krause hatte vor dem Streik betont, dass die Planung für das Unternehmen deshalb so schwierig sei, weil die Geschäftsführung natürlich nicht wisse, welcher Lokführer oder Fahrdienstleister bei welcher Gewerkschaft organisiert sei. Krause sagte aber auch, dass nach Schichtbeginn am Morgen mit großer Genauigkeit zu sagen sei, welche Züge fahren und welche nicht. Markus Honervogt/Hans Rath

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