St. Wolfgang – Mit dem Appell, sich gegenseitig die Hand zu reichen und auch an das Positive zu denken, startete St. Wolfgang mit dem Neujahrsempfang von Gemeinde und Kirche in das Jahr 2024. Etwa 100 Vertreter aus Ortsvereinen, Lokalpolitik und Kirche kamen dazu ins Foyer der Goldachhalle, musikalisch begleitet von der St. Wolfganger Blechblaskapelle.
In seiner Neujahrsansprache blickte Bürgermeister Ullrich Gaigl mit Sorge auf das Weltgeschehen.
Er befürchte, die Kriege lösen einen Flächenbrand aus, und auch der Klimawandel schlage mit Trockenheit im Sommer und Schneemassen sowie Starkregen jetzt im Winter durch. In all diesen Krisen sei zudem der Umgangston rauer geworden, sei es auf Social Media oder als negative Schlagzeilen. Aktuell zeigten das die Bauern-Proteste. Demonstrationen seien wichtig, so der Rathauschef, aber man müsse „aufpassen, dass es nicht zu radikal wird“.
Damit meinte er unter anderem den symbolischen Galgen, an dem eine Ampel hing. Dabei nahm er aber die Bauern in Schutz. „Inzwischen haben sich viele an die Demonstration angehängt, die mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben und einen Keil in die Gesellschaft treiben wollen“, kritisierte er und stellte klar: „Wir sind nicht braun, wir sind bunt!“
Durch die Rede zog sich die Ansicht, dass man sich gegenseitig die Hand reichen sowie für ein gutes Miteinander sorgen solle. Das sei auch im Fokus gewesen, als vor Weihnachten knapp 50 Geflüchtete unter anderem aus der Türkei, dem Jemen oder dem Kongo, in St. Wolfgang angekommen sind. Gaigls Wunsch für 2024: „Das Positive in den Vordergrund rücken.“ Das sei Aufgabe von allen. Einen großen Teil tragen dazu die Ehrenamtlichen aus Ortsvereinen und Kirche bei. Deren Veranstaltungen seien prägend für das Gemeindeleben.
2023 war ein „nicht ganz einfaches Jahr“, erinnerte sich auch Pfarrerin Ruth Nun von der evangelischen Kirchengemeinde. Auch sie sprach vom rauen Umgangston und dass die Emotionen schnell überkochten. Deshalb setzte sie das neue Jahr unter die Überschrift: „Alles, was ihr tut, geschehe aus Liebe.“ Dieser Spruch aus dem ersten Korintherbrief sei die diesjährige Jahreslosung. Sie bat die Anwesenden: „Lassen sie es uns versuchen.“ „Wir haben in diesem Schaltjahr einen Tag mehr Zeit, um das zu verwirklichen“, schloss sich der neue Pfarrer, Martin Ringhof, diesem Vorhaben an. Seit einem Monat und einer Woche hat er sich einen ersten Eindruck von St. Wolfgang verschaffen und fand: „Hier sind Dinge noch da, eine Mentalität, die andernorts verloren gegangen sind.“
Genauso betonte Landrat Martin Bayerstorfer: „Wir haben einen Tag mehr Zeit, etwas Gutes zu tun.“ Weil die Ehrenamtlichen aus den Ortsvereinen und der Kirche genau das tun, bedankte er sich bei diesen für ihre Vorbildfunktion und wollte sie mit seinen Worten motivieren, sich weiterhin in der Gemeinschaft einzusetzen. Auch er wolle das Positive in den Vordergrund stellen und appellierte an die Anwesenden, nicht den Mut zu verlieren und positiv in die Zukunft zu schauen. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Heidi Kern schloss den Neujahrsempfang mit einem gleichermaßen humorvollen, wie nachdenklich stimmenden Jahresrückblick auf das Welt- und Gemeindegeschehen. Schwere globale Themen wie das Leid von Geflüchteten und Kindern in Kriegszeiten kontrastierte sie mit heiteren Anekdoten aus St. Wolfgang. Die Zeit ohne Pfarrer habe den Pfarrverband geprägt, so Kern. Umso erfreulicher sei nun, dass Pfarrer Ringhof seit Dezember für St. Wolfgang zuständig sei. Mit Blick auf die Demonstrationen der Bauern, die damit ihr Recht auf Meinungsäußerung nutzen, überlegte sie, ob man seine Meinung noch uneingeschränkt äußern dürfte, wenn rechte Kräfte in der Politik stärker würden. In Bezug darauf stellte sie abschließend die Frage: „Wie wird es weitergehen in diesem Jahr?“