Mühldorf – Zahlreiche Eltern sind sauer auf das Landratsamt Mühldorf. Und sie lassen ihrem Unmut auf den sozialen Medien freien Lauf. Der Grund: Seit Dienstag, 16. Januar, überschlagen sich die Warnungen vor einem Wetterchaos am gestrigen Mittwoch und heutigen Donnerstag. Zahlreiche Landkreise haben rasch reagiert und für die Schulen Distanzunterricht angeordnet. Anders die Mühldorfer, so die Eltern.
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erst gegen 19 Uhr
Gegen 19 Uhr erreichte am Dienstag die OVB-Heimatzeitungen die Pressemitteilung des Landratsamtes, dass am gestrigen Mittwoch der Präsenzunterricht durch Distanzunterricht ersetzt wird, sprich alle Schüler zu Hause bleiben sollen. Etwa zur gleichen Zeit hat das Landratsamt die Mitteilung auch in den sozialen Medien und auf seiner Homepage veröffentlicht.
Zu diesem Zeitpunkt machten sich aber Eltern von Schulkindern schon Gedanken, wie der Mittwoch aussehen wird. Zumal bereits klar war, dass die Landkreise Landshut, Erding und Traunstein bereits auf Distanzunterricht umgestellt hatten, sprich die Kinder nicht in die Schule gehen mussten.
Schulamt hat
sein Ziel erreicht
Gleichzeitig wurde kritisiert, dass das Landratsamt zwar eine Warnung vor Glatteis herausgab, in der vor „Gefahr für Leib und Leben durch plötzlich überfrierende Nässe oder schlagartig gefrierenden Regen“ gewarnt wurde, eine Entscheidung für die Schulen aber noch nicht getroffen worden ist.
„Unverständlich“ nannte das ein Nutzer bei Facebook. Er konnte nicht verstehen, dass „alle umliegenden Landkreise die Entscheidung jetzt treffen, damit Eltern planen können“ und fragte den Landkreis: „Wann wollt ihr es dann beurteilen?“
Das Landratsamt und das Schulamt sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Unser Ziel ist es grundsätzlich, die Schülerinnen und Schüler, ihre Eltern sowie die Lehrerinnen und Lehrer frühestmöglich, vor allem aber noch am Vorabend, zu informieren. Dieses Ziel haben wir erreicht“, sagt Gabriele Rottmüller, Leiterin des Schulamts Mühldorf.
Rottmüller beschreibt das Prozedere: „Die Abstimmung, ob Distanzunterricht angeordnet wird, fällt das Schulamt erst nach intensiven Gesprächen mit vielen Stellen. Zentrale Ansprechpartner sind unter anderem die Koordinierungsgruppe Witterung am Landratsamt Mühldorf, die Straßenmeisterei und die Schulämter der Nachbarlandkreise.“ Natürlich würden auch die aktuellen Berichte des Deutschen Wetterdienstes und unter Umständen noch weitere Prognosen für den Landkreis abgewartet. „Ist die Lage nicht eindeutig, gestaltet sich die Entscheidungsfindung deshalb in der Regel – wie auch am Dienstag – sehr zeitintensiv.“
Das Landratsamt ergänzt, dass die Entscheidung für den Distanzunterricht „am Dienstagabend gegen 18.20 Uhr durch das Schulamt Mühldorf fiel.“ Das musste aber zunächst das Kultusministerium und anschließend die Schulen sowie die Pressestelle des Landratsamts und Mitarbeiter des Katastrophenschutzes über den Ausfall des Präsenzunterrichts in Kenntnis setzen. Katastrophenschutz und Pressestelle informierten in der Folge, gemäß dem „Sonderplan Unterrichtsausfall“, die Öffentlichkeit.
Die Pressestelle des Landratsamtes listet auf, dass dies „Mitteilungen über die Warn-Apps Nina und KatWarn (19.03 Uhr – zeitgleich mit den Landkreisen Altötting und Berchtesgadener Land), über die Social-Media-Kanäle des Landkreises (Facebook, Instagram, BayernFunk), per E-Mail an die lokalen Medien (19.02 Uhr) sowie eine Meldung auf der Webseite des Landkreises“ beinhaltet. Die überregionalen Radiostationen erhalten die Information gesondert über ein Portal des Kultusministeriums.
Aber für manche Eltern stellte sich ein weiteres Problem: Wenn sie ein Schulkind und ein Kindergartenkind haben, mussten sie auf zwei Schienen fahren. Das Schulkind musste zu Hause versorgt und betreut werden, während das Kindergartenkind in den Kindergarten musste. Der war nämlich offen.
Das hat aber andere Gründe, wie Werner Kurzlechner, Pressesprecher der Stadt Mühldorf, erläutert: „Die amtliche Schließung der Schulen erklärt sich aus der Schulpflicht.“ Kurzlechner hebt hervor, dass die Betonung auf „Pflicht“ liegt. Eine Kindergartenpflicht gibt es nämlich nicht.
Es sei „die freie Entscheidung der Eltern, ob sie ihre Kinder in die Betreuungseinrichtungen bringen oder nicht“, so Kurzlechner. Das Angebot bestand auch am gestrigen eisigen Mittwoch. „Ob die Eltern es wegen oder trotz der Wetterlage annehmen oder nicht, bleibt ihnen selbst überlassen.“
Es gibt keine Kindergartenpflicht
Das bestätigt Stephanie Till, Pressesprecherin der Stadt Waldkraiburg, für die städtischen Kindertagesstätten: „Die Kita Farbenfroh und die Kita Kunterbunt waren geöffnet. Den Eltern wurde freigestellt, die Kinder zur Betreuung zu bringen oder nicht.“
Thomas Menzel, Geschäftsstellenleiter bei der Stadt Neumarkt-St. Veit, wo die Kitas ebenfalls geöffnet waren und der selbst davon betroffen war, ergänzte: „Da muss man sich als Eltern dann etwas einfallen lassen.“