Der Applaus kann nicht warten

von Redaktion

47. Jugendkonzert des Fördervereins „Musikfreunde Mühldorf“ begeistert

Mühldorf – Das Konzert begann ja schon lustig: mit einer Gehorsamsverweigerung. Christine Enghofer, Vorsitzende der „Musikfreunde Mühldorf“, empfahl beim 47. Jugendkonzert des Fördervereins, nicht nach jedem der 32 Stücke, sondern erst am Ende aller musikalische Darbietungen zu applaudieren. Sie hatte, so gut es gemeint war, die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der Wirt war das Publikum, das gar nicht anders konnte, als zu klatschen.

Antonius Poxleitner (14) und Lilli Höfer (13) waren so vielversprechend am Werk mit ihren fabelhaft gespielten Stücken „Der Elefant“ und „Der Wolf“, dass sie spontan mit Beifall bedacht werden mussten. So blieb es dann die ganzen zwei Stunden des superben Abends.

Freude und Erleichterung

Verdient hat den Applaus jede Interpretin, jeder Interpret – schon allein ihrer Courage wegen, sich öffentlich zu präsentieren. Aber auch aufgrund des gelungenen Auftritts, in einigen Fällen der meisterhaften Darbietung von sage und schreibe 32 Stücken von dreimal Bach bis Freudenstein.

Die Spannbreite der Könnens-Beweise fleißiger Einstudierung wohlbekannter und völlig unbekannter Kompositionen für Klavier, Kontrabass, Saxophon, Violoncello, Harfe, Flöte und Klarinette war so groß wie die ausgewählten Genres und deren Urheber. Wer hat je von Tonschöpfern wie Friedrich Burgmüller, Anne Terzibaschitsch oder Evelyn Huber gehört? Wer von den Anwesenden wusste schon, dass man es zweimal mit der musikalischen Nachwuchs-Elite der Region zu tun haben würde?

Nicht nur bei der Eröffnung durch Poxleitner und Höfer, sondern auch nach der Pause, durch den tüchtigen Kontrabassisten Ianto Hien (14) aus Burghausen, der mit seinem Pianisten Maximilian Höfer (15) aus Palling, Bertold Hummels Sonatina op. 69 b hinreißend spielte. Beide Duos sind zum ersten Preis beim Regionalwettbwerb „Jugend musiziert“ 2024 mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb zu beglückwünschen. Sonder-Applaus! Für den verdienten Beifall bedankten sich die Aktiven jedes Mal mit tiefer Verbeugung, um dann entweder auf den Schoß der Mama zu stürmen oder erst einmal kräftig durchzuatmen und der Röte im Gesicht zu trotzen. Oder auch, so die ganz Großen (im doppelten Sinn), erleichtert ihren Sitzplatz wieder einzunehmen.

Dazu zählten die am Flügel brillierenden Geschwister Weinzierl aus Tüßling: Theresa (17) mit zwei Bagatellen Tscherepnins und Aaron Coplands „The Cat and The Mouse“ sowie Simon Weinzierl (18), der bewundernswert vom Allegro aus J. S. Bachs „Italienischem Konzert“ zu Schumanns Fantasiestück „Aufschwung“ zu wechseln verstand.

Eva Lasetzky (13) aus Waldkraiburg erwies sich sowohl bei Teilen aus Pierre Rodes Violinkonzert Nr. 7 in a-Moll als auch bei Debussys Klavierstück „Doctor Gradus ad parnassum“ als souverän und hochmusikalisch.

Sie trauten sich alle aufs Podium. Sie stellten sich, manche erstmals, manche schon mit Auftritts-Erfahrung, nach vorne, um ihr musikalisches Können zu beweisen: die siebenjährige Theresa Oberloher aus Landshut ebenso wie der achtjährige Jakob Schuhmacher aus Mühldorf mit grasgrünem Kinder-Kontrabass, die zehnjährige Katharina Schuhmacher, die sanft ihr Cello strich und erst „Lebewohl“ sagte, um sich dann an die Tarantella zu wagen, Jakub Gunawan (10), der vor seinem zaghaften „Wilden Reiter“ „Seifenblasen“ aufsteigen ließ. Claudia Köhler (15), die bei G. F. Händels Sarabande einfach nochmal von vorne begann. Andreas Spitlbauer (16), der mit großem Ernst seiner Klarinette „Four Short Pieces“ von Howard Ferguson entlockte.

Dass Musizieren im Alleingang und mehr noch zu zweit, Freude macht – dafür gab es zwei Belege: Simon Heilmaier (11) und die Geschwister Anika (11) und Lara Gutschera (13). War Simon solo für seine fein empfundene Beethoven-“Elise“ und eine lupenreine Cerny-Etüde zu loben, begleitete er überlegen das Saxophon der Magdalena Wichterey (11).

Die beiden Gutscheras legten sich, abgesehen von ihren Allein-Gängen – Lara rhythmisch vage mit Burgmüllers „La Cloche des matines“ und einem zupackenden Presto aus der Sonatine op. 13/1 von Kabalewski, Anika zuvor mit Debussy und Wilhelm Friedemann Bach – wie selbstverständlich für das Rondo in F-Dur von Johann Christian Bach am Klavier zu vier Händen.

Huch! Das alles war ein Mammut-Programm, gemeistert aufgrund hervorragender Vorarbeit und musikalischen Großeinsatzes von Eva Barbarino und im Beisein weiterer Lehrkräfte der Mitwirkenden.

Der in Reihe eins gerne mal sein Smartphone für ein Foto seiner ihm zur Talent-Förderung Anvertrauten zückende Kontrabass-King Claus Freudenstein, Erfinder des Minikontrabasses, ließ es sich, wie einige andere von ihnen, nicht nehmen, beim beim „Podium junger Instrumentalisten“ persönlich teilzunehmen.

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