Zweigleisiger Bahnausbau

von Redaktion

Nach der A94 ist es der zweite große Traum in der Region: der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing samt Elektrifizierung. Projektleiter Andreas Pawlik sagt, wann die ersten Bagger anrollen werden. Doch es gibt noch einen Stolperstein.

Mühldorf – Andreas Pawlik ist zuversichtlich – immer noch: „2035 ist die Strecke durchgängig zweigleisig und elektrifiziert.“ Pawlik muss das sagen und daran glauben: Er ist seit 1. April 2022 Projektleiter für den 150 Kilometer langen Ausbau der Bahnstrecke von München über Mühldorf bis Freilassing, kurz: ABS38.

Weidenbach setzt
den Schluss-Stein

Er sagt das, auch wenn es noch auf keinem der 16 Abschnitte Baurecht gibt. Damit soll es aber bald vorbei sein, führt Pawlik in einem Informationsgespräch aus. Spätestens Ende 2025 sind, so Pawlik, alle 16 Bauabschnitte im Genehmigungsverfahren. „Ende 2027, Anfang 2028 können wir dann im ersten Abschnitt bauen. Wo wir Baurecht haben, bauen wir dann auch.“ Der letzte Abschnitt wird wohl der rund um Weidenbach sein. Der soll 2035 fertig sein. Dann soll die Strecke endlich durchgängig zweigleisig und elektrifiziert sein.

Dabei ist es aus Sicht von Pawlik positiv, dass der Bundestag Ende 2023 das „Maßnahmenvorbereitungsgesetz“ aufgehoben hat. „Wir sind jetzt wieder im normalen Planfeststellungsverfahren“, freut sich Pawlik. „Das bringt einen Gewinn an Sicherheit.“ Der gesamte Ablauf sei bekannt und vertraut. „Wir haben Erfahrungswerte, auch über die Dauer.“

Noch ein Punkt stimmt Pawlik zuversichtlich: die Kommunikation mit den Gemeinden und der Bevölkerung. „Wir haben selbst in schwierigen Abschnitten gute und konstruktive Gespräche. Man kann so große Projekte nicht unbesehen in einer Region durchdrücken. Das würde nicht funktionieren. Der Start des Planrechts-Verfahrens ist nicht das Ende der Diskussion. Wir wollen dort, wo wir einen Dissens haben, einen Konsens finden.“

Das geschehe in vielen, auch personalintensiven Austauschformaten vor Ort sowie am Bahnhof Mühldorf mit dem Infostand und dem Technologiepark zum Lärmschutz. „Wir stellen uns auch den strittigen Themen“, so Pawlik.

Keine Angst vor einem Rückschlag

Pawlik glaubt nicht, dass der abschlägige Bürgerbescheid der Mehringer Bürger zu Windrädern im Staatsforst auch auf die Akzeptanz des Bahnausbaus ausstrahlen werde. „Ein Rückschlag wäre bitter, aber ich sehe ihn nicht.“

Der Projektleiter rechnet nicht mit großen Klagen, wenn das Eisenbahnbundesamt abschließend Baurecht erteilt habe. Die Bevölkerung wisse: „Das Rückgrat des Wohlstands der Region ist die Eisenbahn.“ Der Ausbau sei einfach dringend nötig. „Mühldorf ist der meistbefahrene Gefahrgut-Bahnhof in Süddeutschland.“

Damit die Pläne aufgehen, ist Pawlik auch an anderer Stelle aktiv: „Wir gehen schon jetzt aktiv auf Baufirmen zu.“ Die bräuchten ebenfalls drei bis vier Jahre Vorlauf; zudem gebe es „in den nächsten zehn Jahren“ eine „starke Übersättigung“ bei Infrastrukturprojekten: „Da müssen auch wir kämpfen, dass wir die richtigen Firmen finden.“ Idealerweise sollen dies mittelständische aus der Region sein.

Baufirmen aus
der Region gesucht

Bis zum Jahresende werde das Projektteam auf insgesamt 180 Mitarbeiter anwachsen. Sobald alle Pläne feststehen, könnten auch die Kosten aktualisiert werden. Die geschätzten Gesamtkosten von 3,2 Milliarden Euro stammen noch aus dem Jahr 1998.

Wo die aktualisierten Kosten liegen könnten, möchte Pawlik nicht sagen. Auch die Frage, ob der Ausbau dann doch noch an der Finanzierung scheitern könnte, lässt er offen, betont aber: Die Politik unterstütze das Projekt und habe die Dringlichkeit erkannt. „Wir sind im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans.“

Der aktuelle Stand der Planungen

Artikel 3 von 11