Waldkraiburg – Keinen politischen Anspruch, keine Message: Das versprach Comedian Lukas Boborzi gleich zu Beginn des Abends den Zuhörerinnen und Zuhörern im Haus der Kultur in Waldkraiburg. Er führte als Moderator durch die Stand-up- Comedyshow und machte schnell klar: „Comedy ist ein Energiespiel, wenn von euch viel kommt, kommt auch viel zurück.” Mit Alex Profant bat er den ersten von drei Comedians auf die Bühne, die ein voneinander unabhängiges Programm präsentierten.
Der Valentinstag spaltet Gesellschaft
„Nicht die AfD spaltet, der Valentinstag spaltet”, verkündete der. Nämlich zwischen Singles und Unglücklichen. Eine Sichtweise, die den Abend dominierte: Paarbeziehungen sind vor allem eines – anstrengend. Zumindest von gesellschaftlichen Gepflogenheiten will sich Profant als moderner Mann nichts vorschreiben lassen: „Frauen verdienen es das ganze Jahr über, Blumen zu bekommen”, betonte er und erhielt dafür reichlich Applaus.
Im Gegensatz zur „arrogantesten Stadt” München: „Wie heißt du und was arbeitest du?”, seien dort die Fragen, um zu entscheiden, ob ein näheres Kennenlernen oder eine Beziehung überhaupt Sinn ergäben. Anders sei das in Berlin, da stehe der Beruf nicht so im Zentrum: „Wie heißt du? Was, du hast Arbeit?”, nannte er für die Hauptstadt als typische erste Fragen. In seiner derben Erzählweise blieb er dem Thema Dating treu, hielt sich im Gegensatz zu den anderen Comedians jedoch zurück, über seine eigenen Beziehungen zu plaudern.
Comedian Michi Rako sprang kurzfristig für Julz Giuliani ein und berichtete von seinem „Einbayerungsprozess”. Schnell habe der Kroate, der seit acht Jahren in Deutschland lebt, verstanden, dass BRD für „Bayern und Rest Deutschland” stehe. Der Lehrerin beim Einbürgerungstest habe diese Antwort allerdings nicht zugesagt – sie kam ja auch aus Thüringen.
Überrascht sei er gewesen, als er zum ersten Mal in Frankfurt war und in einer Bäckerei selbstbewusst gesagt hat: „Servus, ich hätt gern drei Semmeln bittschön”, aber jegliche Reaktion ausblieb. Dabei habe er doch gedacht, so spreche man in ganz Deutschland. Eine Pointe, die außer ihn wohl niemanden überraschte, der schon mal über den Weißwurstäquator hinausgeschaut hat. Auch der CSD, die Abkürzung für Christopher Street Day, war ihm zunächst kein Begriff. „Ich dachte, das klingt nach einer Mischung aus CDU und CSU, also bin ich im Anzug gekommen, als mich Freunde gefragt haben.”
Mit Menschen in Lederkleidung oder mit Hundemaske habe er wahrlich nicht gerechnet. Durch die Perspektive eines Zugereisten war sein Auftritt eine erfrischende Abwechslung gegenüber den übrigen Beziehungsthemen.
Deutlich wurde jedoch, dass er sich nicht mit seinem Auftrittsort Waldkraiburg, in dem gut 28 Prozent der Einwohner einen ausländischen Pass besitzen, auseinandergesetzt hatte: Er freute sich sichtlich, als auf seine Frage „Kommt hier jemand vom Balkan?“ Hände nach oben gingen – das sei ihm in München erst ein einziges mal passiert.
Comedian Mathias Albus machte schnell klar, dass er von veganer Ernährung wenig hält: „Wenn ich ein Buch herausgeben würde „101 Rezepte mit Tofu”, dann hätte das nur eine Seite”, erzählt er.
Auf der würde er dringend vom Verzehr abraten. Auch dass es in München zu viele Fahrradfahrer gibt, stört ihn. „Ich bin schon fast froh über jeden, der ohne Helm fährt – lass Gott sie aussortieren.”
Nach diesem Einstieg mit eher konservativen Ansichten, zeigte er sich in Sachen Familie zwiegespalten. Auf die Frage seiner geliebten Tochter, woher Kinder kommen, wollte er neulich am liebsten antworten: „Kinder gibt es, wenn zwei Menschen sich wahnsinnig lieb haben und finden, ihr Leben ist perfekt – und dann wollen sie daran etwas ändern.” Das Publikum ließ er wissen, dass er keine Angst vor dem Tod habe, aber davor, uncool zu sterben. „Stellt euch mal vor, es fällt ein Baum auf mich und ich hätte einfach nur einen Schritt zur Seite gehen müssen, um das zu verhindern – aber irgendwie bin ich stehen geblieben, als wäre ich und nicht der Baum die Pflanze. Wie sollen meine Kinder darauf reagieren?”, fragt er. „Schnief, oh, wir haben ihm doch immer gesagt, er soll sich mehr bewegen?”
Mit Geschichten wie diesen gelang es Albus, Bilder im Kopf entstehen zu lassen und überraschende Wendungen zu präsentieren. Das Publikum quittierte dies mit tosendem Applaus.
„Wenn es euch gefallen hat, sagt es Leuten, die ihr mögt, ansonsten sagt es Leuten, die ihr nicht mögt”, verabschiedete sich Boborzi stellvertretend für alle vier. Kurz darauf kam er für eine Zugabe noch einmal auf die Bühne. Diese drehte sich allerdings allein ums Masturbieren und regte neben lautem Gelächter Einzelner, andere eher zum Kopfschütteln an.
Veranstaltung bietet noch Luft nach oben
Ihr Versprechen, keinen politischen Anspruch zu haben, konnten die Comedians einhalten. Thematisch war an diesem Abend allerdings noch Luft nach oben: Während es im Programm heißt, dass alle Themen des Lebens und darüber hinaus verarbeitet werden, lag der Fokus auf (gescheiterten) Beziehungen. Ein durchaus kurzweiliger Abend über Belanglosigkeiten und Alltagsgeschehen, „zum Totlachen” ist allerdings zu viel versprochen.