Waldkraiburg – Pfarrer Lars Schmidt begrüßte Faten Mukarker in der Martin-Luther- Kirche zu einem Vortrag. Einen ersten Eindruck von ihr bekamen Besucher bereits, als sie vor Beginn Olivenholz-Schnitzereien aus ihrer Heimat Beit Jala in der Nähe von Bethlehem anbot, über deren Bedeutung sie später aufklärte.
„Was wiegt eine Schneeflocke?“, begann sie ihren Vortrag, „fast nichts! Doch als nach Millionen von Flocken eine weitere auf den Ast fiel, brach der ab!“ So könne eine einzige fehlende Stimme Frieden unmöglich machen.
1956 verließen ihre Eltern mit dem Sohn und der zwei Monate alten Faten die Heimat Israel, ließen sich in Bonn nieder und sie wuchs dort nach strengen arabischen Gepflogenheiten auf, man kehrte schließlich mit dem Auto zurück nach Bethlehem und sie wurde sogar verheiratet – jedoch sehr glücklich, was zwei Söhne und die Töchter Ursula und Monika beweisen.
„Beim Grauen, das seit dem 7. Oktober 2023 in Gaza tobt, muss man unterscheiden: Das Vorgehen der Hamas ist schärfstens zu verurteilen, doch was Netanjahu mit der Zivilbevölkerung macht, ist mehr als unmenschlich. Es ist ein Teufelskreis aus Rache und Vergeltung.“ Faten Mukarker lebt nun seit 56 Jahren unter israelischer Besatzung im Westjordanland. Schon 1967 nach dem Sechs-Tage-Krieg – sie war damals 11 Jahre alt – meinte ihre Mutter: „Wir haben die Heimat verloren.“ 1993 wurden zwar erstmals selbstverwaltete Gebiete, ganze drei Prozent der Westbank, per Handschlag von Premierminister Rabin und Jassir Arafat festgelegt als Vorstufe zu einem eigenen Staat Palästina und Tausende jubelten in Tel Avif diesem Beschluss zu. „Auch Ihre Außenministerin Annalena Baerbock setzte sich erst kürzlich wieder für eine Zwei-Staaten-Lösung ein, denn nur so kann Friede einkehren“, so Frau Mukarker. Doch die Ermordung durch einen israelischen Juden zerstörte damals die aufkeimenden Hoffnungen.
Nach wie vor steht im Westjordanland den Palästinensern nur Regenwasser zur Verfügung oder sie müssen Wasser teuer zurückkaufen, während die Israelis Swimmingpools füllen. Mauern werden gebaut zum Schutz vor den Palästinensern. „Die Olivenbäume in unserem Garten wurden deshalb gefällt, obwohl wir vom Verkauf des Olivenöls lebten. Diese Tatsachen sollen etwas Verständnis wecken für die Repressalien, denen Palästinenser ausgesetzt sind, obwohl ihnen nach dem UN-Teilungsplan 1947 eigenes Land zugesprochen worden war“, so Mukarker.
Immer wieder aber auch ihr Hinweis und die Bitte: „Nur das Bemühen um ein friedliches Miteinander kann Abhilfe schaffen!“ Sie brachte ihre persönlichen Eindrücke von den Arbeits- und Lebensbedingungen ruhig, aber mit fester Stimme und sachlich vor, zwar zurückhaltend, aber gerade dadurch umso packender. Etwas unverständlich deshalb der lautstarke Vorwurf zweier Besucher der Veranstaltung, der Vortrag sei von Einseitigkeit geprägt gewesen.
Pfarrer Lars Schmidt gab abschließend zu bedenken: „Frau Mukarker will Brücken bauen. Es müssen zwar nicht alle einer Meinung sein, aber Friede ist sicher ihr und unser aller Ziel.“fis