Zwischen der Institution und dem eigenen Glauben trennen

von Redaktion

Großer Zulauf zu Impuls und Diskussion „Die Kirche brennt“ – Aufbauend handeln statt miesmachen

Kirchdorf – Die Kirche an sich ist zumindest im Landkreis kein Auslaufmodell und wird offenbar noch gebraucht. Das verdeutlichte die große Resonanz auf einen Impuls mit Diskussion mit dem Titel „Die Kirche brennt“ des Münchner Jesuiten, Theologen und Publizisten Dr. Andreas R. Batlogg im Kirchdorfer Pfarrheim. Fast 140 Besucher, doppelt so viele wie erwartet, hörten gut zwei Stunden lang einen anspruchsvollen Impuls.

Stoff gibt es genug, sei es der Zustand der Kirche mit vielen Austritten bis hin zum Vertrauensverlust. Dabei vertrat Pater Batlogg offizielle Positionen und empfahl für eine Verbesserung, eigene Erlebnisse mitzuteilen. Wichtig sei es, zwischen der Kirche als Institution und dem eigenen Glauben zu trennen. Eingeladen hatten die Pfarreien Reichertsheim, Ramsau, Haag, Kirchdorf und Oberndorf der Pfarrverbände Haag und Kirchdorf in Zusammenarbeit mit dem Kreisbildungswerk Mühldorf. Der Oberndorfer Pfarrgemeinderatsvorsitzende Wilhelm Kürzeder begrüßte und Pfarrer Pawel Idkowiak moderierte die anschließende Diskussion. Mit dabei waren auch Pater Jan Domaratzki und die Reichertsheimer Pfarrgemeinderatsvorsitzende Veronika Fluhrer.

„Should I stay or should I go“, soll ich bleiben oder soll ich gehen?, fragte Batlogg eingangs mit dem Lied der englischen Band The Clash und mit Blick auf die Institution Kirche. Dazu führte er vieles auf, was derzeit „nicht gut läuft“, etwa der Missbrauch und die Debatte der katholischen Kirche zu dessen Aufarbeitung mit dem Synodalen Weg. Allerdings lehnt auch der Papst dieses Gesprächsforum ab, da diese deutsche Initiative als Konkurrenz zur Bischofskonferenz gesehen wird. Immerhin, folgerte Pater Batlogg, spiele der Zölibat nicht die entscheidende Rolle, denn in der evangelischen Kirche gebe es auch Missbrauch. Aus all dem folge, dass Priester zunehmend „unter Generalverdacht“ stünden, das Vertrauensverhältnis leide. Er denke immer wieder, dass bei der Glaubwürdigkeit „der Tiefpunkt erreicht ist, aber dann geht es noch tiefer“. Papst Franziskus sei als Reformer angetreten, jetzt werde er als Bremser wahrgenommen.

Doch es gebe auch positive Dinge, die unbedingt erwähnt gehörten. Etwa die Hilfswerke, „da passiert viel Gutes“. Vor allem sei der eigene Glaube von der Institution Kirche zu trennen. In Japan und Korea habe das Christentum auch ohne Bischöfe gut bestehen können. Das eigene Erleben sei beim Glauben in der Regel positiv besetzt, wie Wortmeldungen der Zuhörer zeigten. Auch bedeute Evangelium die Weitergabe von guten Nachrichten: Man solle „gut voneinander denken, aufbauend handeln“ und „den Terror der Miesmacherei überwinden“. Die Kirche biete zudem „Räume der Stille“. Diakon Andreas Klein sprach von ermutigenden Worten in schwierigen Situationen oder der einfachen Anwesenheit. Es sei zu fühlen, wie wertvoll und hilfreich das sei.

Die Corona-Krise habe vieles verschlimmert, so Pater Batlogg. Eine Wortmeldung, dass die Kirchen zusperrten, „als die Menschen sie am meisten brauchten“, beantwortete er mit Details aus offiziellen Nachrichten und der daraus folgenden Errungenschaft der digitalen Übertragung von Gottesdiensten. Ja, es seien Fehler gemacht worden, die man aufarbeiten müsse, doch seien alle erstmals vor einer solchen Situation gestanden. Auch solle man, als Antwort auf eine Frage des Haager Pfarrers Pawel Idkowiak zur personellen Besetzung der Kirchenverwaltungen in der Stadt und auf dem Land, sich angesichts der großen Probleme „nicht um Strukturen herumbalgen“.

Batlogg bedauerte das teils feindselige Klima durch mangelnde Gesprächsbereitschaft. Andererseits lehnte er die Beantwortung der Frage der Initiative „Maria 2.0“: „Glauben Sie an Gott?“ ab. Diese Gruppe möchte das Frauenbild von Maria neu definieren und mit heutigen Werten besetzen.

Froh zeigte er sich über die Einigkeit der katholischen Bischofskonferenz, die „völkischen Nationalismus mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar“ und die AfD für Christen nicht wählbar sieht. Der Pater sieht „die Menschenwürde gefährdet“, zudem stehe „Remigration für Deportation und Vertreibung“. Eine Besucherin fragte, ob sie nun ausgeschlossen werde, allein, weil sie mit einigen Ansichten dieser Partei sympathisiere.

Der Referent lobte die Einigkeit der Bischöfe zu diesem Beschluss. Unerwidert blieb auch der Hinweis der Besucherin, dass die Kirche „kein Wort zu den Grünen“ verliere, auch nicht zur Regierung, „die wollen die Gesellschaft verändern“. Das betreffe die Abtreibung oder das Geschlecht frei zu wählen. „Die wollen ja ganz andere Menschen!“, wandte eine Besucherin ein.

„Sprechen Sie den Dekan oder den Kardinal an, wenn sie da sind“, empfahl Pater Batlogg. Karl-Heinz Günster

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