Mühldorf – „Fürchtet euch“, mit diesem Programm versucht Holger Paetz, Gäste anzulocken. Das ist im Haberkasten nicht ganz gelungen. Rund das Doppelte an Zuschauern hätte der Saal fassen können. Und: Die Predigt hat sich gewaschen, wie der furchteinflößende Titel bereits verspricht. CSU, FDP und die AFD bekommen eins auf die Mütze. Was keiner hören will, sagt Paetz trotzdem.
Furcht soll ein
guter Ratgeber sein
Endlich wieder einmal ein Kabarettist, der die Finger in die Wunden legt und sagt, was keiner hören will: Die Grünen bekommen Lob, während dem synthetischen Sprit die Luft genommen wird, und Paetz hat nichts gegen Gendern: „Sprache verändert sich eben.“ Hingegen bekommen Markus Söder und Hubert Aiwanger ihr Fett weg. Söders Auftritt in Passau und die Bezeichnung der Ampel als Kiffer-Connection nimmt Paetz auseinander. Während andere den Deppen in sich klein halten, sehe Söder dies wahrscheinlich anders.
Der Kabarettist erläutert, wie die einzelnen Parteien die Frage „Wer ist Schuld am Klimawandel?“ beantworten: „Die FDP forscht.“ Die AFD schnürt derweil Willkommenspakete für deutsche Babys.
Immer schön am
Mainstream vorbei
Paetz geht auf die CSU mit ihrer Maskenaffäre ein und meint, dass „BSW“ wie eine Tierkrankheit klinge. Und dann kommt ihm die Idee: Die Raucher sind es. Aber zum Glück leben sie ja nicht so lange. Problem gelöst.
Nächstes Thema: Alles werde schlechter. Franz Beckenbauer habe seine Kariere mit Dosenkicken begonnen. Diese Erfolgsgeschichten seien nun nicht mehr möglich, seit die Grünen den Dosenpfand eingeführt haben. Das Publikum kichert, lacht, applaudiert. Der Muskelkater in den Lachmuskeln ist garantiert.
„Wahrlich, ich sage euch“ – so hebt der Kabarettist stets wichtige Informationen hervor. Putin, Nawalny, Trump, Frank-Walter Steinmeier, Margot Käßmann, Klimakleber, Bauernproteste. Nichts und niemand ist vor ihm sicher. Oft reimt der Künstler. Er rappt auch. Das wirkt jedoch etwas gekünstelt. „Warum bin ich so ein Trampel? Schuld ist nur die Ampel“, bringt das Publikum jedoch zum Grölen.
Nach der Pause geht es weniger politisch weiter. Paetz beschreibt eine Floßfahrt auf der Isar, die alles andere als romantisch ist. Zum Glück wird schließlich dem Nebenmann schlecht, und um diesen habe der Mann der Kirche sich schließlich zu kümmern.
Kindermund tut
Wahrheit kund
Auch dieser Humor begeistert das Publikum. Um dem lächerlichen Argument der deutschen Leitkultur doch noch etwas Positives abzugewinnen, liest Paetz ein Gedicht von Berthold Brecht, die „Kinderhymne“ – eine alternative Nationalhymne: „Und nicht über und nicht unter andern Völkern wolln wir sein.“