Versöhnung vor hohem Besuch

von Redaktion

Dutzende Traktoren und andere landwirtschaftliche Maschinen werden aufgefahren, wenn Markus Söder in den Landkreis Mühldorf kommt. Das erwartet den Bayerischen Ministerpräsidenten. Und das sagt sein Ex-Minister Huber.

Mühldorf/Ampfing – Nachdem es im Landkreis Mühldorf nach den letzten Bauernprotesten ruhiger geworden ist, werden sich am heutigen Samstag wieder viele Landwirte versammeln. Sie kommen zur Frühjahrsschau der Firma Gruber Landtechnik nach Ampfing. Und mit ihnen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Geht es nach dem Bauernverband, muss Söder nicht mit Trillerpfeifen und Blockaden oder gar Attacken rechnen, wie zuletzt Politiker der Grünen. Söder erwartet ein wohlwollender Empfang, die Traktoren werden wohl nur auf dem Ausstellungsgelände stehen.

Trillerpfeifen werden wohl schweigen

Bauernverband-Obmann Ulrich Niederschweiberer sieht Söders Besuch als „Zeichen der Wertschätzung“. Deshalb werde es keine Proteste geben. „Wir wollen hören, was er zu sagen hat“, um Hintergründe zur bayerischen Politik und den „Positionen gegenüber dem Bund“ kennenzulernen.

Zwei Forderungen werden die Mühldorfer dem Ministerpräsidenten dennoch überreichen: Die Streichung des Schlusstermins für das Walzverbot von Feldern, wie es im Bienenvolksbegehren festgesetzt ist. Und die Aufhebung der Fünfjahresfrist, nach der Grünstreifen zum Gewässerschutz automatisch kein Ackerland mehr sein dürfen.

Niederschweiberer beruft sich auf den „Zukunftsvertrag“, den der Freistaat im vergangenen Herbst unterzeichnet hat. In ihm seien politische Maßnahmen und finanzielle Förderungen für die Zukunft der Landwirtschaft vereinbart.

Denn die muss jetzt gestaltet werden. Das sagt Dr. Marcel Huber. Der langjährige CSU-Minister aus Ampfing hat unlängst die Aufgabe übernommen, den sogenannten Praktikerrat der Staatsregierung zu moderieren. Der soll Vorschläge für die Weiterentwicklung der EU-Agrar-Politik nach dem Jahr 2028 entwickeln.

Die politischen Rahmenbedingungen, um die es dabei geht, sind für Huber das eine. Darüber hinaus weist er vor allem auf die gesellschaftliche Dimension hin. „Es geht um eine Botschaft: Landwirtschaft und die Versorgung mit Nahrungsmitteln sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

Huber stellt eine zunehmende Entfremdung zwischen Produzenten und Kunden fest, er spricht von einer „Aufgeheiztheit, die über die Jahre gewachsen“ sei. Dazu gehören aus seiner Sicht „gravierende Vorurteile“ gegenüber Bauern, die Felder mit Pestiziden belasten, Tiere nicht artgerecht halten oder Subventionen kassieren würden. „Wir müssen ein anderes Bild wecken von Landwirtschaft und etwas von der Entfremdung zurücknehmen.“

Nach seinen Angaben sind die Produktionskosten in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten stärker gestiegen als die Einnahmen. Die Lohnzuwächse der Bauern würden denen der Restbevölkerung hinterherhinken. Gleichzeitig wüchsen die Anforderungen an Tierhaltung und Pflanzenschutz genauso, wie der bürokratische Aufwand.

Damit nimmt Huber neben der Politik die Verbraucher in die Pflicht, die er Kunden nennt: „Wir brauchen die Bereitschaft, Waren zu kaufen, die unseren hohen Anforderungen an Tierhaltung und Bodenbewirtschaftung entsprechen. Und dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen.“ Stattdessen orientierten sich viele Kunden an den niedrigeren Preisen, wie sie Discounter anbieten könnten. Bauern stünden mit ihren Produkten im Wettbewerb mit dem Welthandel, sollten aber so produzieren, dass sie die in Deutschland gewünschten hohen Standards erfüllen. „Das funktioniert nicht“, sagt Huber.

Zur Wertschätzung der Landwirtschaft durch die Verbraucher kommt für Huber die finanzielle Anerkennung der gesamten bäuerlichen Arbeit vor allem durch die EU. Während sich derzeit Zuschüsse weitgehend an der Größe der Betriebe orientierten, würden Umweltleistungen nicht honoriert.

Huber führt als Beispiele für diese Umweltleistungen die Schaffung von Biotopen, den Tourismus oder die Almwirtschaft an. Ohne Bauern, die ihr Vieh auf die Berge treiben, würden Almen verbuschen und zuwachsen, sagt Huber. „Der damit verbundene Mehraufwand für die Bauern muss einkommenswirksam sein. Die Einkommen der Landwirte dürfen nicht nur am Produkt hängen, sondern müssen die Dienstleistung berücksichtigen.“

Söder heute
bei Gruber-Schau

Seine Argumente für mehr Anerkennung der Landwirtschaft stellt der ehemalige Minister in einen größeren Zusammenhang. Die vergangenen Jahre haben aus seiner Sicht gezeigt, wie wichtig die Eigenständigkeit der Versorgung für Deutschland ist: „Die eigene Bevölkerung ernähren zu können, ist eine existenzielle und strategische Aufgabe eines Landes.“

Ministerpräsident Markus Söder spricht am heutigen Samstag um 15 Uhr auf der Frühjahrssonderschau der Firma Gruber Landtechnik in Ampfing.

Informationen zum Praktikerrat

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