Ungewohnte Reife im Orff-Saal

von Redaktion

„Gelius Trio“ spielt Musik von vier französischen Komponisten

Töging – Es war schon etwas ungewöhnlich im Töginger Carl-Orff-Saal, als drei „g‘standene Männer“ sich mit Geige und Cello zum Flügel auf der schön geschmückten Bühne begaben. Meist sind es nämlich junge Künstler, deren Jugendpreisgewinne noch gar nicht lange ihre Zimmer schmücken, die im Orffsaal auftreten. Doch diese bewährten Mitglieder weltberühmter Symphoniker, sogar Konzertmeister darunter, steigerten durchaus die Erwartungshaltung. Ungewöhnlich war weiterhin: Die jungen Musiker geben vor dem Spiel zu den Vortragsstücken meist Erklärungen ab, diese Künstler erklärten durch ihr Spiel.

Sie begannen mit dem „Trio in d-Moll“ des impressionistischen Komponisten Gabriel Fauré. Mit großem Musikgefühl und Perfektion an den Instrumenten vermittelten sie den Zuhörern die Stimmung und Atmosphäre eines Augenblickes, wobei es dem Hörer überlassen bleibt, welche Vorstellungen diese Klänge in seiner Fantasie auslösen. Stellenweise klingt es, als würden Geige und Cello völlig eigene Melodien spielen, die zusammen mit dem Klavier eine große Spannung aufbauen, deren Auflösung sich lange verzögert. Man erkannte, dass die Künstler ihr Instrument mit einer schier unglaublichen Technik beherrschen und dabei mit großem Gefühl zusammenhielten. Die Melodien waren selbst kaum zu erkennen, sie malten Klangbilder.

Auf durchaus erkennbare Melodien legte Claude Debussy noch in seinem viersätzigen „G-Dur-Trio“ Wert. Dieses Werk des großen Komponisten mit Klangbildern forderte von den Instrumentalisten höchstes Niveau, das sie „locker“ erreichten. Die Streichinstrumente erhielten bei diesem Stück, wie auch später bei den anderen Komponisten, öfter Gelegenheit, sich solistisch auszuzeichnen. Mit ihrem Können erzeugten sie dabei Klänge, wie man sie zwar in der Natur hört, aber im Instrument nie erwartet hätte.

Mit dem Trio c-Moll von Eduardo Lalo, einem Komponisten zwischen Impressionismus und Romantik, kamen wieder Melodien von der Bühne. Volkstümliche Weisen, einfache Lieder, ja Tänze, die weicher und harmonischer klangen. Diese leichte Mischung der Musikart wurde bei diesem Kammerkonzert recht positiv bewertet.

Mit dem Stück „Ein Morgen im Frühling“ der französischen Komponistin Lili Boulanger entstanden wieder Klangbilder im Saal, die wohl nur durch raffinierteste Technik und vollendete Perfektion an Instrumenten erzeugt werden können. Mit ihrer Fantasie erlebten die Besucher dabei Stimmungen in der Natur, am Wasser, hörten Tierlaute, spürten Witterungen, erlebten Spannendes und Ruhiges, Dialoge, Monologe – was sich jeder vorstellen mochte. Der Applaus am Schluss war lang und dankbar, weshalb die „Herren“ noch Astor Piazzollas „La muerte del angel“ zugaben. karlheinz jaensch

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