Traunstein/Schwindegg – Ein psychisch kranker 53-Jähriger aus Schwindegg muss sich derzeit vor der Siebten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Christina Braune wegen versuchter schwerer Brandstiftung in seinem Elternhaus und wegen weiterer Delikte verantworten. Bestraft werden kann der krankheitsbedingt schuldunfähige Mann nicht. Es geht ausschließlich um Unterbringung in einer psychiatrischen Fachklinik.
Laut Antragsschrift von Staatsanwältin Lena Scheibl richtete der 53-Jährige am 19. Juli 2023 in einem Mehrparteienhaus einen Sachschaden von rund 300 Euro an. Er trat so wuchtig gegen die Haustüre, dass der Schlosskasten herausbrach.
Beim nächsten Vorwurf ging es um sein Elternhaus. Er drosch am 21. Juli 2023 gegen 22.40 Uhr mit einem zackig geschliffenen Beil die Terrassentür und ein Rollo ein. Dann warf er einen Benzinkanister mit Otto-Kraftstoff und brennender Lunte einige Meter in das Wohnzimmer. Der Bewohner bekam den Behälter zu fassen und schaffte ihn geistesgegenwärtig ins Freie. Der Kanister brannte draußen aus. Der Geschädigte trug eine leichte Rauchvergiftung, eine Schürfwunde am Bein und eine Brandblase am Oberarm davon. Größere Brandbeschädigungen entstanden nicht.
Anschließend verschwand der 53-Jährige. Er soll nachts alkoholisiert und in nicht fahrtüchtigem Zustand mit seinem Mercedes auf der Bahnhofstraße in Schwindegg unterwegs gewesen sein. Er fuhr wohl damals zu einem Familienmitglied, das den Angetrunkenen zurückchauffierte. Beamte der Zentralen Ergänzungsdienste Traunstein trafen den Beschuldigten gegen 23.40 Uhr auf dem Beifahrersitz des Mercedes in der eigenen Hauseinfahrt an. Er war aggressiv und stieß Beleidigungen aus. Als dem Aufgebrachten die vorläufige Festnahme erklärt werden sollte, reagierte der Beschuldigte mit Widerstand – einschließlich Wurf einer Glasflasche in Richtung der Polizisten. Alle konnten rechtzeitig ausweichen. Mühldorfer Kollegen kümmerten sich anschließend um den Mann.
Eine Blutprobe bei dem 53-Jährigen ergab gegen 1.28 Uhr immer noch um die 1,46 Promille. Bei Durchsuchung seiner Wohnung entdeckten Ermittler verbotene Waffen wie einen Elektroschocker, ein Nun-Chaku, also ein Würgeholz, sowie einen selbst gebastelten Molotowcocktail. Im Schlafzimmer hatte der Mann eine Marihuanapflanze.
Die Siebte Strafkammer mit Vorsitzender Richterin Christina Braune hörte zahlreiche Polizeizeugen an. Ein Brandsachverständiger berichtete von erheblicher Gefährlichkeit des Brandangriffs, auch wegen der Holzdecke in dem Raum. Es hätte zu einer schlagartigen Verbrennung des Benzins mit massiven Folgen kommen können.
Der Beschuldigte, dem als Verteidigerin Gabriele Sachse aus Rosenheim zur Seite steht, räumte die Vorwürfe teils ein – zumindest, soweit er sich erinnern könne. Ein psychiatrischer Sachverständiger wird noch Stellung zur Krankheit des 53-Jährigen beziehen. Der Prozess wird am 15. und 20. März, jeweils um 9.15 Uhr, fortgesetzt. kd