Polling – Fragt man in Polling nach Herbert Sellmann, dann kommt oftmals die Antwort: „Meinst Du den Pfälzer?“ Unter dieser Bezeichnung ist er im Dorf besser bekannt. Schließlich stammt Herbert Sellmann ja auch aus der Pfalz. Geboren und aufgewachsen in Kandel, nach der vierten Klasse der Umzug nach Germersheim, dort die Schule abgeschlossen und anschließend eine Ausbildung zum Lebensmittelkaufmann gemacht – so beschreibt sich kurz sein erster Lebensabschnitt, der mit der Geburt am 7. März 1944 begann.
Nach seiner Ausbildung ging es für ihn in den Außendienst im Lebensmittel Großhandel, der Vertrieb und der Kontakt mit den Kunden sollten ihn sein ganzes Berufsleben begleiten. Erst recht, als er 1983 den Wechsel in die Weinbranche vollzog. Hier blühte er so richtig auf und eignete sich im Laufe der Jahre ein fundiertes Fachwissen an, mit dem er heute noch beeindruckt.
In dieser Zeit des Handelsreisenden als Weinvertreter lernte er auch seine Edith kennen, die er 1990 heiratete und mit der er seit dem Jahr 2007 in Polling lebt. Zwei Jahre später, 2009, ging es für den „Exil-Pfälzer“, wie er auch mal genannt wird, in den Ruhestand.
Als Zugereister integrierte er sich von heute auf morgen im Dorfleben, schloss sich dem Gartenbauverein und der KSK/RK Polling an und brachte sich nicht nur im gesellschaftlichen Leben ein, sondern auch entsprechende Ideen mit.
Eine davon hat bis heute Bestand. Mit dem damaligen Vorstand der KSK/RK Polling, Willi Mittermeier, initiierte er ein Jahr nach seinem Zuzug das erste Pfälzer Weinfest. Ein Fest, das nicht nur den Namen trug, sondern mit echten Pfälzer Spezialitäten, die er direkt aus seiner ehemaligen Heimat nach Polling holte, aufwartete: Weine rot und weiß sowie Flammkuchen und Pfälzer Saumagen sorgten für kulinarische Originalität, die auch heute noch hochgeschätzt wird.
Seitdem steht er Jahr für Jahr, mit Ausnahme der Corona-Zeit, im Pavillon und kredenzt den Gästen seinen legendären „Winzerschoppen“, bei dem er hauptsächlich mit Mineralwasser spart, um den guten Wein nicht zu verfälschen, wie er sagt.
Eigentlich hätte man meinen können, er genießt seinen Ruhestand. Doch weit gefehlt, als ihn 2015 das Pfälzer Weingut Raabe kontaktierte, um mit ihm neue Märkte zu erschließen, war er sofort dabei. Und so tourt er heute noch, wenn auch deutlich weniger, mit seinem kleinen Firmenauto durch die Lande und bietet den Kunden den Wein feil.
Es liegt ihm halt im Blut, und so verwunderte es nicht, dass er auch an seinem runden Geburtstag seinen Gratulanten, unter anderem dem Zweiten Bürgermeister Andreas Maierhofer, die Frage stellte: „Rot oder weiß“? robert wagner