Mühldorf – Wenn der Kabarettist Michael Altinger in den Haberkasten nach Mühldorf kommt, bleibt kein Platz mehr frei und kein Auge trocken. So auch aktuell bei seinem „Altingers Brettlboden“. Die Tickets waren nahezu komplett ausverkauft. Für den Kabarettisten und Autor sind seine Auftritte in Mühldorf fast schon wie ein Heimspiel, denn seit mehr als zehn Jahren zählen seine Bühnenshows zu den absoluten Highlights in der Region. Altinger liebt Mühldorf und schwärmte dabei auch vom guten Essen wie dem „Lodrontoast“, den es nur hier gibt.
Pistorius und der
Straßenverkehr
Bei seinem „Brettlboden“ sorgte nicht nur der beliebte Kabarettist selbst für ordentlich Spaß und Unterhaltung, sondern auch seine Gäste. Drei großartige Künstler begeisterten das Publikum mit einigen Auszügen aus ihrem eigenen aktuellen Programm. Altinger führte hierbei mit viel Witz und Charme durch den Abend. Musikalisch wurde er von Gitarrist Andreas „Andy“ Rother begleitet, der auch bei weiteren gemeinsamen Projekten für den perfekten Sound sorgt.
In Altingers Show drehte sich alles um die typischen Alltagsprobleme. Diese nahm er ordentlich auf die Schippe. Respekt zollte er jedoch den Handwerkern, denn diese heißt es zu ehren und zu schätzen. Schließlich ist es heutzutage sehr schwer, noch einen Handwerker zu finden. Wenn man mal einen sieht, fährt er mit seinem Auto an einem vorbei. Auch Kinder und Jugendliche bekamen ihr Fett weg, denn laut Pisa-Studie sind sie nicht gerade die Cleversten hier in Deutschland. „47 Prozent der Lehrer in Bayern arbeiten Teilzeit. Das sind mehr als zwei Drittel. Ihr seht, auch ich wurde von einem Teilzeitlehrer unterrichtet“, haut Altinger raus und spricht neben Themen wie Kinder, Jugend, Schule auch übers Älterwerden. „Ich habe noch nicht viele Krankheiten, aber ich rede viel darüber“, so der Comedian, der das Alter lustig ausschmückt.
Selbst das Thema „Sicherheit“ bekam Platz in seiner Show. So zitierte er Pistorius, der vor nicht allzu langer Zeit sagte: „Wir müssen kriegstüchtig werden.“ Altinger weiß, wie man sich am besten darauf vorbereitet: im Straßenverkehr. Die Verkehrsrowdys zeigen, wie es geht.
Für weitere lustige Unterhaltung sorgte Altingers erster Gast des Abends. Christl Sittenauer. Die Powerfrau, die über eine beachtliche berufliche Laufbahn verfügt, ist nicht nur eine geniale Kabarettistin, sondern auch im Improvisieren unschlagbar. Sie unterhielt das Publikum mit amüsanten Auszügen aus ihrem Bühnenprogramm „Frauen sind keine Menschen“. Auch bei ihr ging es um ganz alltägliche Themen wie „warum haben Herrenfahrräder eine Stange in der Mitte und Damenfahrräder nicht?“ Die Antwort ist einfach: Die zusätzliche Mittelstange gibt dem Rad mehr Stabilität. Und schon gab es einen Rattenschwanz an Fragen wie „Brauchen Frauen denn keine Stabilität?“ Doch nicht nur das Radl wurde bei Sittenauer ordentlich auseinandergenommen, sondern auch die typischen Männer- und Frauen-Klischees. „Es gibt eine Statistik, die besagt, dass Frauen 76 Tage ihres Lebens damit verbringen, Gegenstände in ihrer Handtasche zu suchen“, sagte die Kabarettistin. „Männer hingegen verbringen sieben Jahre ihres Lebens auf dem Klo“, setzte sie amüsiert fort.
Sittenauer schaffte es, aus den ganz alltäglichen Dingen wie einer Handtasche oder dem Playmobilspielen mit ihrem kleinen Sohn Josef, vergnügliche Geschichten zu kreieren. So stellte ihr kleiner Sohn klar, dass Frauen keine Menschen sind. Der kleine Racker war die perfekte Inspiration für seine Mama und prompt hatte sie den Namen für ihr neues Bühnenprogramm gefunden.
Als zweiter Gast kam Liedermacher Stefan Noelle auf die Bühne. Er begeistert die Besucher nicht nur mit seinem Humor, sondern auch musikalisch. Dabei schaffte er es, aus den einfachsten alltäglichen Dingen wie einer Waschmaschine, einem Spiegel oder Mon Cherie einen frechen Song zu kreieren, der ordentlich für Spaß und Unterhaltung sorgte. „Wenn die Dinge des Alltags sprechen könnten. Was würden sie dann zu uns sagen?“, fragt Noelle und gibt in seinen Liedern darauf amüsante Antworten. Der Musiker liebt es lieber leise, selbstironisch, fein und langsam und so brauchte er alleine elf Jahre, nur für seinen „Waschmaschinen-Song“.
Auch Michael Altingers musikalische Seite durfte man erleben. Alles schön gewürzt mit lustigen frechen Texten. Bei ihm ging es schließlich weiter mit dem dem Thema „Altwerden“. Dabei wurde ihm klar: „Alt bist du erst, wenn du jünger bist als dein Arzt. Während dein junger Arzt Surfurlaub in der Karibik macht, machst du als Kassenpatient eine Radltour entlang der Donau“.
Als letzter Höhepunkt eines unterhaltsamen Abends kam Kabarettist und Musiker C. Heiland mit seinem Omnichord auf die Bühne. Ein äußerst seltenes und außergewöhnliches Musikinstrument, dem Heiland sagenhafte Melodien entlockte. In seinem Programm heißt es „Wahre Schönheit kommt von außen“. Er haute einen Witz nach dem anderen raus, sodass die Lachmuskeln ordentlich strapaziert wurden. Passend zu seinem Programm gab er auch Schönheitstipps. So zum Beispiel, dass Gurkenscheiben die Haut straffer machen als Microneedling.
Job als Autor von
Glückskeks-Texten
Natürlich war auch bei ihm der ganz alltägliche Wahnsinn Thema. So erzählt er aus seinem Ehealltag, seinen Jobs als Glückskeks-Autor und Baumarkt-Maskottchen im Biberkostüm und vielem mehr. Dabei zählte vor allem auch die Musik zu seiner großen Leidenschaft. Diese brachte er mit seinem meisterhaften Witz perfekt auf die Bühne.
Nach etwa zweieinhalb Stunden Spaß und Unterhaltung neigte sich „Altingers Brettlboden“ dem Ende. Die Künstler wurden mit tosendem Applaus und strahlenden Gesichtern verabschiedet.