Obertaufkirchen – Am Karfreitag des vergangenen Jahres wurde in Obertaufkirchen nach vielen Jahren das große restaurierte Heilige Grab im Altarraum wieder aufgebaut. Dieser Brauch, Heilige Gräber in Kirchen aufzustellen, hat eine Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht und in der Barockzeit zu großer Blüte kam.
Einer der wesentlichen Gründe für diese Tradition liegt in der Sehnsucht der Menschen, die Wirkungsstätten von Jesus zu besuchen. Aufgrund der für viele unüberwindbaren Entfernung war dies jedoch kaum möglich. Daher wurde versucht, den Gläubigen das Heilgeschehen in Kirchen und Klöstern mit Nachbildungen nahezubringen.
Die biblischen Zeugnisse stimmen darin überein, dass Jesus nach seiner Kreuzigung in einem Grab beigesetzt wurde. Dieses Grab gehörte dem Ratsherren Josef von Arimatäa, der es vermutlich für sich und seine Familie erworben hatte. Im Johannesevangelium ist erwähnt, dass es sich in der Nähe der Kreuzigung in einem Garten befand. Die vier Evangelien erzählen, dass es ein neues Grab war, in dem noch niemand bestattet worden war.
Gemäß dem ortsüblichen Brauchtum handelte es sich um ein Felsengrab, eine aus dem Fels geschlagene Grabhöhle. In dieser befand sich eine Felsbank, auf welche der in Leinentücher gehüllte Leichnam gelegt wurde. Dann wurde sie von einem größeren Stein verschlossen.
Die alte Tradition durfte auch in Obertaufkirchen wieder aufleben und kann das Geheimnis von Sterben und Auferstehen Jesu wieder ganz anschaulich und erfahrbar machen. Daher sind die Gläubigen eingeladen, die Heiligen Gräber am Karfreitagnachmittag in der Kirche in Obertaufkirchen zu besuchen.
Eine besondere Feier unter Mitgestaltung des Kirchenchores Obertaufkirchen/Schwindegg wird es am Karfreitag um 19 Uhr am großen Heiligen Grab in Obertaufkirchen geben. Das Thema lautet: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes – Meditation, Gebet, Gesang und Stille.“