Melancholisch-witziger Abend

von Redaktion

Dota trifft Mascha Kaléko und nimmt das Publikum mit auf eine Reise

Mühldorf – Ausverkauft war der Haberkasten kürzlich beim Auftritt von Dota. Die Berliner Künstlerin erfüllte mit ihrer Band den Raum und das Publikum mit vertonten Gedichten von Mascha Kaléko. Zeitlos zeigen sich die Werke aus dem Anfang und der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Die Musik beschreibt stets die Stimmung der Texte: Melancholie und Tiefgang, kombiniert mit viel Charme und Witz. Zwischen den vertonten Stücken liest Bandleaderin Dota Kehr auch immer wieder eines der Gedichte vor: „Ich war schon sechs, als ich noch immer dachte, dass, wenn die Kriege aus sind, Frieden sei.“

„Leben wir, weil
wir nicht sterben“

Keine Miene verzieht die Künstlerin dabei. Eindrucksvoll. So lösen die Texte wohl genau die Emotionen aus, welche die Dichterin zu erzeugen beabsichtigte. Diese Differenz zwischen emotionalen Texten und emotionsarmem Vortrag machen den Abend aus. Und dieses Zusammenspiel passt super.

Aktuell sind die Texte, lediglich Begriffe wie „Page“ oder „Stenograph“ erinnern, dass die Texte aus einer anderen Zeit stammen. Die 1907 in Polen geborene deutsch-russisch-jüdische Künstlerin Kaléko emigierte während der NS-Zeit von Deutschland in die USA.

Ein Blick in ihre Gedichte lohnt sich. Die Texte sind auch ohne die musikalische Überarbeitung der Band eindrucksvoll.

Dota singt: „Ich freue mich vor allem, dass ich bin“, und dann wieder: „Leben wir, weil wir nicht sterben.“ Ein Schlaflied für die kleine Schwester wirkt musikalisch wie textlich wie im Traum, dann kommt ein Dialog zwischen einem Frosch und einem Vogel.

Die Band besingt das Liebesleben in der Großstadt und warnt vor den Gefahren der Ausgrenzung. Ein System in der Themenwahl lässt sich nicht erkennen. Aber auch der stete Umschwung der Stimmung zeichnet die einzelnen Texte aus. Was humorvoll startet, endet traurig – die Ankunft im Nirgendland schließt also mit dem Bimmeln von Kuhglocken. So dramatisch der Text, er bringt das Publikum zum Lachen. Dieses ist gefangen vom ersten Augenblick.

Nach der Pause spielt Dota auch Stücke mit eigenen Texten. Viele im Publikum singen textsicher mit. Shitstorms und Tastenhandys sind Thema. Die Fee aus einer Kindersendung würde Dota gerne die Welt rufen lassen, um die globalen Probleme lösen zu lassen.

Wenke Wollny mit Gesang, Klarinette und Saxofon sowie Antonia Hausmann an der Posaune begleiten die eigentlich vier-köpfige Band. Ohne die beiden Musikerinnen der Band „Karl die Große“ würden die Vertonungen von Kaléko gar nicht funktionieren.

Besonders Hausmann dominiert mit der Posaune immer wieder einmal. Mit Dämpfer und Plunger zeigt sie, wie facettenreich das Instrument klingen kann. Und bringt so das Publikum zum Schmunzeln.

Die beiden stellen auch ihre eigenen Lieder vor. Sie thematisieren unter anderem die Frage, wann und ob man überhaupt irgendwann bereit zum Sterben ist. Für Begeisterung sorgt Dotas Loblied auf den Bademeister und die Bademeisterin: Die beiden Bläserinnen treten in Sportkleidung, Handtuch und Badelatschen auf.

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