Mühldorf – In der Nacht vor Silvester hatte der Mühldorfer Josef Spandl im Bad Probleme mit seinem Dialyse-Zugang. Obwohl der Port abgerissen war und Blut heraussickerte, legte er sich wieder schlafen. Am nächsten Tag bemerkte seine Tochter Monika Lechertshuber die Bescherung und brachte ihren Vater am 31. Dezember sofort in die Notaufnahme am „InnKlinikum“ Mühldorf.
Macht das Herz
eine Operation mit?
„In der Notaufnahme wurde der Port vorläufig repariert, denn mein Vater musste am 2. Januar wieder zur Dialyse“, berichtet sie. „Aber es war klar, dass er einen neuen Port brauchte. Deshalb wurde er in die Gefäßchirurgie am ‚InnKlinikum‘ Altötting gebracht.“ Dort sollte der Zugang in einer Operation erneuert werden.
Als sie am Nachmittag in die Altöttinger Klinik kam, wurde Monika Lechertshuber, die für solche Fälle eine Vorsorgevollmacht von ihrem Vater hat, von der Narkoseärztin nach dessen medizinischer Vorgeschichte befragt. Vor allem die Herzfunktion spielt bei operativen Eingriffen in diesem hohen Alter eine wichtige Rolle. Im Mai steht Spandls 92. Geburtstag an. Weil Josef Spandl erst im Mai 2023 zur Untersuchung in der Kardiologie am Klinikum Mühldorf war, dachten Vater und Tochter, dass die Frage nach seinem Herzen schnell und einfach abzuklären sei.
„Da hieß es, dass das Krankenhaus Altötting nicht auf die Befunde von Mühldorf zugreifen kann“, erinnert sich Lechertshuber. „Stattdessen sollte ich den Befund besorgen und faxen oder persönlich in die Klinik bringen.“ Im Herbst war Spandls Herz auch noch bei einem niedergelassenen Kardiologen durchgecheckt worden. Diesen aktuelleren Befund hatte er noch bei sich zu Hause und den legte seine Tochter schließlich in der Klinik vor. Die Operation verlief ohne Probleme, schon am darauffolgenden Tag konnte der Mühldorfer das Krankenhaus wieder verlassen. Vater und Tochter sind mit der Behandlung zufrieden.
Kein Zugriff zwischen den Landkreisen
Was sie verwundert, ist allerdings die Tatsache, dass die eine Klinik in Altötting keinen Zugriff auf die Patientenakten in der Schwesterklinik in Mühldorf hat: „Wie kann das sein? Das ‚InnKlinikum‘ Altötting-Mühldorf ist doch eine Einheit, die Krankenhäuser der beiden Landkreise gehören doch seit Jahren zusammen.“
„Der digitale Zugriff auf Patientendaten ist derzeit bedingt durch die Fusion nur eingeschränkt möglich“, erläutert Klinik-Pressesprecher Mike Schmitzer auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Die Klinikstandorte Mühldorf und Haag haben dasselbe Krankenhausinformationssystem und deshalb einen gemeinsamen Zugriff auf die Patientendaten.
Ebenso ist es bei den Klinikstandorten Altötting und Burghausen, diese arbeiten aber mit einem anderen Krankenhausinformationssystem. „Durch die unterschiedlichen Systeme ist ein landkreisübergreifender Zugriff noch nicht möglich.“
Möglich sei jedoch eine telefonische Datenübermittlung beziehungsweise eine schriftliche Übermittlung über den sicheren Fax-Server der Häuser. „Bei telefonischer Übermittlung bringt der persönliche Austausch der behandelnden Ärzte gegebenenfalls auch Vorteile für den Patienten“, so Schmitzer. „Warum im vorliegenden Fall der Telefonkontakt nicht geklappt hat, können wir leider nicht nachvollziehen. Wir bedauern das Kommunikationsproblem.“
Der gegenseitige Zugriff auf die Patientenakten sei eines der zahlreichen vorrangigen Projekte, die derzeit im „InnKlinikum“ vorangetrieben werden. „Für unsere Notaufnahmen haben wir diese digitale Zugriffsmöglichkeit auf Patientendaten bereits geschaffen“, versichert der Pressesprecher.
Internationale Ausschreibung nötig
„Die vollständige Zusammenführung der beiden unterschiedlichen Krankenhausinformationssysteme wird aber leider noch einige Zeit in Anspruch nehmen, denn hierfür sind beispielsweise internationale Ausschreibungen nötig.“ Dieses Projekt sei schon frühzeitig nach der Fusion im Jahr 2020 eingeleitet worden, trotzdem: „Es ist ein sehr zeit- und auch kostenintensiver Prozess.“