Waldkaiburg – Bereits zehn Jahre nach der Gemeindegründung ließen sich die ersten Banater Schwaben in Waldkraiburg nieder. Kürzlich lud ihr Kreisverband in die Blackbox des Hauses der Kultur zu seiner 50-Jahr-Feier ein. Und alle waren sie gekommen. Nicht nur zahlreiche Landsleute, benachbarte Heimatvereine und Gäste, sondern auch der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber, Bürgermeister Robert Pötzsch, Altbürgermeister Siegfried Klika, Landrat Max Heimerl, sein Stellvertreter Richard Fischer, Altlandrat Georg Huber und Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer konnte Vorsitzender Georg Ledig begrüßen.
Erhaltenswerte Traditionen
Einen ersten Höhepunkt bot der historische Rückblick von Georg Braun. Er beschrieb sehr anschaulich nicht nur die ehemaligen elf deutschen Volksgruppen im heutigen Rumänien, schilderte das Banat als fast quadratisches Gebiet zwischen Donau, Theiss und den Karpaten, hob hervor, dass die Bezeichnung „Ban“ ursprünglich so viel wie Markgraf bedeutete und berichtete von den drei großen Schwabenzügen, die ab 1722, dann unter Kaiserin Maria Theresia und beim dritten mit 45000 Siedlern großteils auf der Donau in den „Ulmer Schachteln“ ins Land kamen und es kultivierten. Sehr anschaulich, teils mit Filmeinspielungen, schilderte Braun aber auch, dass die Banater ab 1941 die einzige politisch zugelassene Organisation in Rumänien war, dass 33000 von ihnen zur Zwangsarbeit nach Russland kamen, ab 1970 ihre Rechte immer stärker beschnitten wurden und gerade nach der brutalen Ceaucescu-Diktatur 1989 erste Freikäufe durch Bundeskanzler Kohl erfolgten. Brauns Fazit aus seinem ausführlichen Vortrag: „Die Banater Schwaben haben aus diesem Armenhaus der Habsburger Monarchie eine Kornkammer mit der Hauptstadt Temeswar gemacht.“ In der anschließenden Gesprächsrunde ging Leiter Georg Ledig vom Banater Kulturwerk Bayern auf die Pflege des Brauchtums ein. Er unterstrich, wie wichtig nicht nur die Jugendgruppen im Verband seien, die Fahrten in die alte Heimat, und verwies auf die heutigen deutschen Unternehmen im Banat als größte Arbeitgeber. Der „zuagroaste Berliner“, Bürgermeister Robert Pötzsch, betonte, wie bedeutend die über 15 Landsmannschaften für die Entwicklung der jungen Stadt Waldkraiburg gewesen sind: „Diese Traditionen, gerade auch die der Banater, müssen wir weiterhin bewahren.“
Stephan Mayer gab als Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen zu bedenken, dass nach 1945 über 450000 Aussiedler nach Deutschland kamen und es wieder mit aufgebaut haben. Peter-Dietmar Leber schilderte, wie das Herauskaufen, zu dem kein Vertrag existierte, unter Kanzler Brandt begann, und man mit Koffern voller Geld unterwegs gewesen sei.
Urbayer Max Heimerl gestand, er sei beim Vortrag ein Staunender und Lernender gewesen, „beeindruckt von der Prägung unseres Landes durch die Banater.“ Dem stimmte auch Max Schirmer von der Peter-und- Max-Aicher-Gruppe zu.
Georg Leber betonte zum Abschluss, die Traditionen wie das Kirchweihfest auch weiterhin hochzuhalten, und er sprach sicher für die gesamte Runde, als er zu bedenken gab: „Heimat ist dort, wo ich mich nicht erklären muss!“ fis