„Ein Königreich auf Zeit“

von Redaktion

Diese Woche steht Mühldorf im Zeichen des Gedenkens an die KZ-Opfer im Landkreis. Am Schluss steht am Freitag, 22. März, ein „Schabbat für alle“, für den der Jude Terry Swartzberg einen besonderen Wunsch hat.

Mühldorf – „Die Menschen sollen mit Leichtigkeit nach Hause gehen“, das wünscht sich Terry Swartzberg am Ende der Gedenkwoche an die KZ-Opfer im Landkreis. Dazu soll am Freitag, 22. März, ab 18 Uhr ein „Schabbat für alle“ im Gemeindehaus der evangelischen Erlöserkirche Mühldorf beitragen. Er soll „ein gebührender Abschluss einer bewegenden Woche sein“, so Swartzberg, soll Danke sagen und Freude verbreiten.

„Wir wollen diese bewegende Woche gebührend abschließen“, sagt Swartzberg, der diesen Schabbat organisiert hat. Er steht am Ende einer Woche, die mit verschiedenen Veranstaltungen an die mehr als 8000 Opfer des KZ-Außenlagers Mühldorf erinnert (siehe Kasten), bietet Gelegenheit, gemeinsam jüdisches Leben zu erleben.

„Juden sind
nicht nur Opfer“

Terry Swartzberg arbeitet für „Jews engaged with society“, eine Organisation, die mit „Faces for the names“ Opfer des Holocaust mit Namen und Gesichtern sichtbar macht. Hierfür werden zum Beispiel Fotos an die Fassaden der Häuser projiziert, in denen die Opfer vormals gelebt und gelitten haben. „Juden sind nicht nur Opfer“, so Swartzberg. „Es ist eine freudige, schöne und wachsende Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die gemeinsam das Leben feiert.“ Allwöchentlich freitags mit dem Schabbat-Fest, an dem alle zusammenkommen, das Handy ausschalten, gemeinsam essen und feiern. „Das ist eine Auszeit aus der Welt, ein Königreich auf Zeit.“

Diese positive Brücke in das Heute soll sich auch im Gemeindehaus der Mühldorfer Erlöserkirche bilden. „Wir – Juden, Christen und Moslems – sind alle abrahamitische Religionen. Wir glauben an den gleichen Gott, teilen einen Glauben“, so Swartzberg. Daher auch die Wahl für diesen Veranstaltungsort.

Pfarrerin Anita Leonhardt: „Als Terry Swartzberg bei uns wegen einer Räumlichkeit anfragte, hat der Kirchenvorstand sofort zugesagt. Wir wollen interreligiöse Begegnungen fördern.“

Swartzberg ist voll des Lobes für Mühldorf. Alle würden hier „toll“ zusammenarbeiten: Edwin Hamberger vom Stadtarchiv, Korbinian Engelmann vom Geschichtsmuseum, Franz Langstein vom „Verein für das Erinnern“, Stefan Wolf vom Ruperti-Gymnasium und Pfarrerin Anita Leonhardt von der Evangelischen Kirche. „Ich habe schon viele Veranstaltungen gemacht, in Dachau, Mauthausen oder Mittelbau-Dora. Eins kann ich sagen: Mühldorf ist vorbildlich.“

Beim Schabbat sind alle eingeladen, mitzufeiern und beizutragen: „Wer mag, kann gerne vegetarisches Essen zum Teilen mitbringen.“ Auch die Big Band des Gymnasiums Mühldorf werde spielen. Es ist viel geboten, damit Swartzbergs Wunsch in Erfüllung geht: „Die Leute sollen mit Leichtigkeit nach Hause gehen.“

Gegen Hass und Rassismus

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