Ein Mühldorfer Gesamtkunstwerk

von Redaktion

Orélie zeigt Zauberkünste und mehr in der Sammlung Peter Schmidt

Waldkraiburg – Sie ist weit mehr als eine Zauberkünstlerin: Orélie vereint Magie mit Poesie, Musik und Entertainment. Und sie ist ein waschechtes Mühldorfer Kindl. Doch ihr Ruf bei Privatfeiern oder Magic Dinners reicht inzwischen weit über die Grenzen unseres Landkreises hinaus. Diesmal jedoch gab sie ein begeisterndes Heimspiel in der Sammlung Peter Schmidt, von Museumsleiter Andreas Seifinger als „Gesamtkunstwerk“ begrüßt.

Die Sache mit den väterlichen Gefühlen

Charmant, mit französischem Akzent natürlich, gab sie mit Blick auf die Bilder rundherum zu verstehen: „Ich traf neulich Carl Spitzweg und gab ihm zu verstehen: ‚Ich male gerade auch, und zwar den ‚Armen Poeten‘.“ Und zum Publikum gewandt, mit einer Gabel im Mund: „Ihr müsst nun erkennen, welches Goethe- oder Schillergedicht ich gerade vortrage.“

Solche und ähnliche „Konversationen“ sorgten von Anfang an für lockere, humorvolle Stimmung, die durch Ausleihen unterschriebener Geldscheine von Besuchern und stattdessen zurückgegebener Schuldscheine noch verstärkt wurde. Das Geld tauchte schließlich in einer halbierten Zitrone unbeschädigt wieder auf.

Natürlich fehlten auch nicht verblüffende Spielkartentricks. Orèlie erzählte zwischendurch von ihrem Papa, der nicht wollte, dass sie Zauberin, sondern Schneidern wird. Sie aber fängt an, von Paris zu träumen. Schnell wendet sie sich wieder ihrem Kumpel Piere, einem Tisch, zu, unterhält sich mit ihm und verstaut ihre Träume in einem Karton, „damit sie nicht entfliehen können“, schwärmt von Kleidern aus Seide, die sie kreieren will, fängt dabei an, Garn in winzige Stücke zu zerreißen und hält dann doch wieder einen Endlosfaden in der Hand.

Schlagfertig und witzig angelt sie sich zwischendurch mit umwerfendem, aber resolutem Charme immer wieder Personen aus dem Publikum, die sich zum Beispiel ein Wort aus einem Buch merken sollen, was Orélie natürlich errät. Trotz des gestrengen Herrn Papa, der mit Gefühlen nicht umgehen konnte, von denen sie aber zu viele unterschiedliche besitzt, schafft sie es, mit französischem Esprit für die Freiheit der Tische zu kämpfen. Sie stimmt gekonnt ihr Lied vom Fliegen an und siehe da: Der Tisch vor ihr beginnt zu schweben! Bei ihrem Besuch im Louvre taucht auch die verschwundene Spielkarte in der Hand von Mona Lisa wieder auf. Dabei entwickelt Orélie die These, „dass wir Mädels den Jungs überlegen sind“, geht auf ein Bild der Sammlung zu und meint: „Mit dir wollte ich gerne ein Bier trinken.“

Schließlich stellt sie einen Kasten auf, aus dem ein Besucher, den sie kurz und bündig Salvadore Dali tauft, einen Gegenstand erfühlen soll. Der spürt etwas kuschelig Weiches, jedoch kommt eine Klobürste zum Vorschein. Für sein Mitwirken spendiert sie einen Piccolo mit der befehlenden Bemerkung: „Trinkt ihn aber nicht auf einmal aus!“

Eigentlich heißt
sie ja Annette

Der verblüffendste Zaubertrick aber war ein komplettes Magnet-Puzzle, in das sie nach und nach drei weitere Teile einfügt und das Ganze trotzdem wieder in den Ursprungsrahmen passt. Gesamtkunstwerk Orélie bewies in diesen eineinhalb Stunden nach lang anhaltendem Beifall, dass sie nicht nur eine humorvolle Magierin ist, sondern vor allem eine charmante Wortakrobatin. Ihr Schlusssatz: „I bin natürlich ned die Orèlie aus Avignon, sondern d‘ Annette aus Muidorf!“

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