Haarige Angelegenheit

von Redaktion

Die Diskussion über die Zukunft der Innenstadt Mühldorf ist bekanntlich sehr einseitig: Es geht immer nur ums Parken. Dabei gibt es viel bedeutendere Themen im Herzen der Stadt, die den ganz großen gesellschaftlichen Wandel widerspiegeln.

So muss man sich zum Beispiel sehr wundern, dass der Mühldorfer Mensch nicht die meiste Zeit barfuß herumläuft. Denn von einst sage und schreibe sieben Schuhgeschäften am Stadtplatz – wir erinnern uns an die großen Namen Marxbauer, Thalhammer – ist zum Glück der Krinner geblieben.

Den Platz, den die Schuhhändler freigemacht haben, kann man nun leider nicht für Parkhäuser nutzen. Einfach zu klein für die großen Kleinstadt-SUVs. Da passt keiner rein.

Dass der großflächige Auszug der Schuhhändler nach dem Abschied der Reisebüros und Metzger nicht zu ruinösem Leerstand am Stadtplatz geführt hat, liegt an einer neueren Entwicklung: den Barbershops. An dieser Stelle eine Zahl für den Stadtplatz und die Seitengassen zu nennen, wäre fahrlässig. Denn wahrscheinlich hat sie sich über Nacht schon wieder erhöht.

Wo früher Fernreisen lockten oder Stöckelschuhe oder Leberkassemmeln, blicken heute sehr bärtige und sehr scharf gescheitelte Männlichkeitsmodels von den Schaufensterplakaten auf den Gehsteig. Allüberall wird an Haupthaar und Bart herumgeschnippelt, als wären die Menschen früher alle zottelig herumgelaufen. Hier und dort werden Nasen- und Ohrenhaare fachmännisch abgeflämmt, Nackenpartien ausrasiert und Haupthaar eingegelt. Und manchmal gibt es einen Whisky dazu – wow!

Die oft beschworene Zeitenwende ist da. Denn wen trifft der Verlust der Schuhgeschäfte? Genau. Frauen. Die haben bekanntlich mehr Schuhe im Schrank als Haare in den Ohren und lieben den Schuhladen mehr als den Barbershop. Männer, wir haben endlich die Verkaufsflächen erobert.

Bleibt den Damen nur der Rückzug zur Donata ins Venezia. Doch da droht schon die nächste Übernahme. Man hat Männer gesehen, die perfekt frisiert den Whisky zurückgewiesen und bei Donata einen Spritz bestellt haben. Mädels, wir kommen.

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