Mühldorf – Eine außergewöhnliche Gedenkveranstaltung fand am Bunkerbogen im Mühldorfer Hart statt, bei der Terry Swartzberg von der Organisation „Jews engaged with society“ („Juden gesellschaftlich engagiert“) im Rahmen des Projekts „Faces to the names“ den Opfern der Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus gedachte.
Terry Swartzberg, der eine Kippa trug, war gemeinsam mit seinem technischen Assistenten Kamil Plonka angereist, um das Andenken der Tausenden zu ehren, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten und oftmals dabei ihr Leben verloren.
Stadtarchivar Edwin Hamberger, Korbinian Engelmann vom Geschichtsmuseum, Stefan Wolf vom Ruperti-Gymnasium und Günter Schodlok vom Verein „Für das Erinnern“ waren ebenfalls zugegen. Terry Swartzberg äußerte sich ausdrücklich dankbar für die Unterstützung dieses „Dreamteams“. Swartzberg berichtete über seine Erfahrungen mit dem öffentlichen Tragen einer Kippa in Deutschland. Die Kippa ist die traditionelle Kopfbedeckung der Juden. Er bezeichnete dies als Trotzreaktion gegen Antisemitismus und als Beweis der Sicherheit in Deutschland. „Ich bin in Deutschland noch nie antisemitisch beleidigt worden.“
Swartzberg betonte die Bedeutung des Erinnerns an das Leid der Zwangsarbeiter und sprach sich dafür aus, dass ihr Leid nicht in Vergessenheit gerate und nicht umsonst gewesen sein soll. Ein Kaddisch, ein traditionelles jüdisches Gebet, wurde als Hymne an das Leben rezitiert.
Stefan Wolf trug ein Gebet vor, das der sechs Millionen Juden gedachte, die während der Herrschaft der Nationalsozialisten ermordet wurden, und mahnte, dass so eine Zeit nie wiederkehren soll.
Lorenz Pichlmeier, Eigentümer des Waldgrundstücks, auf dem sich der Bunkerbogen befindet, unterstrich die Bedeutung des Ortes als Gedenkstätte und erinnerte daran, dass es hierbei um die Menschen gehe, die an diesem Ort ihr Leben ließen.
Die Veranstaltung fand ihren Abschluss in einem ergreifenden Moment, als mit einem Beamer Schwarz-Weiß-Bilder und Zeichnungen der im Waldlager gequälten Menschen an den Bunkerbogen projiziert wurden. Es waren Kinder und Erwachsene zu sehen sowie die Zeichnung eines KZ-Aufsehers.
Tief berührt verließen die Anwesenden in der nun hereingebrochenen Nacht diesen Ort des Grauens, der zugleich ein Ort des Gedenkens ist. Hans Rath