Waldkraiburg – Drei der Waldkraiburger Grundschulen, das Waldbad und das Haus des Buches – sie alle tragen die Handschrift von Dr. Josef Kriegisch. 18 Jahre war er Bürgermeister, stellte wichtige Weichen, trieb die Stadtentwicklung entschieden voran. Am 24. März 1984 verstarb er als amtierender Bürgermeister.
Doch wie war Dr. Josef Kriegisch als Mensch neben seiner politischen Rolle? Seine Tochter Brigitte Seidel erinnert sich. Die Familie wohnte damals in Ottobrunn, als die Waldkraiburger SPD bei ihm mehrmals anfragte, sich als Bürgermeister aufstellen zu lassen. „Wochenlang hatten die Leute der SPD versucht, meinen Vater zu überreden. Ich fand das damals als Kind sehr lustig, dass bei uns daheim so viel los war“, sagt Brigitte Seidel.
Mit 59 Prozent
der Stimmen gewählt
Ihr Vater war damals Landtagsabgeordneter, die Region fiel in seinen Wahlkreis. Damit gab es erste Berührungspunkte mit der Stadt Waldkraiburg.
Dr. Josef Kriegisch ließ sich überzeugen und erhielt am 13. März 1966 beachtliche 59 Prozent der Stimmen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1984 blieb er Bürgermeister und prägte maßgeblich das Bild der Stadt bis heute. Die Aussegnungshalle, die Eingemeindung des Industriegebiets sowie von Pürten und St. Erasmus, der Bau von Rathaus, Franz-Liszt-Mittelschule, Förderschule, Eishalle, Rot-Kreuz-Haus oder die Eröffnung vom Haus der Jugend – all das passierte während seiner drei Legislaturperioden. Zwischen 1966 und 1984 wuchs Waldkraiburgs Bevölkerung um mehr als 10000 Einwohner an, dementsprechend wuchsen auch der Wohnungsbau und die kommunale Infrastruktur.
Als Kriegisch von seinem Vorgänger Hubert Rösler das Amt übernommen hat, gab es Waldkraiburg erst seit 16 Jahren, sechs Jahre zuvor war die Gemeinde zur Stadt erhoben worden. Waldkraiburg befand sich mitten in der Aufbau-Phase: „Es war ihm immer sehr wichtig zu hinterfragen, was es für eine schöne Stadt braucht“, sagt Brigitte Seidel. Sie war damals zwölf Jahre alt, als ihr Vater Bürgermeister wird. An die Wahlnacht kann sie sich noch erinnern. „Wir wohnten damals in Ottobrunn und als in der Nacht klar war, dass mein Vater gewählt worden ist, sind wir zu ihm gefahren und haben in Waldkraiburg übernachtet.“
Die Familie zieht nach Waldkraiburg um und Kriegisch macht damit weiter, der jungen Stadt ein Gesicht zu geben. „Eines der ersten Dinge, die er angepackt hat, war der Stadtpark mit dem Grünen Ring“, sagt Brigitte Seidel. Oft sei er dort während der Bauarbeiten marschiert, hat sich über die Fortschritte selbst ein Bild gemacht. Doch sobald der Stadtpark eröffnet war, wurden seine Besuche im Stadtpark rar. „Danach war er dort eigentlich kaum noch, weil die Leute ihn immer angesprochen haben.“
Als „väterliche Figur für die Stadt“ beschreibt Brigitte Seidel ihren Vater. Einer, der sich um die Leute gekümmert hätte, die zu ihm gekommen seien wegen ihrer Eheprobleme oder finanziellen Sorgen. „Er war wie ein Vater für die Stadt.“ Zu Waldkraiburgs Bürgern und Bauwerken hatte er eine innige Verbindung. Seine Besucher hätte Kriegisch stets mitgenommen auf eine Tour durch die Stadt.
„Waldkraiburg war für ihn sein Ein und Alles“, sagt die frühere Lehrerin. Das zeigte sich auch im Privatleben. „Er ist mit der Stadt verheiratet, hatte meine Mutter oft zu ihm gesagt“, erinnert sie sich. „Ewig viel Urlaub“ hat der damalige Bürgermeister verfallen lassen. Aus einem Urlaub am Gardasee ist er früher nach Hause, weil „Tag der guten Nachbarschaft“ am Volksfest war. „Mein Vater war oft auf Veranstaltungen. Zeit für Ausflüge mit der Familie blieb kaum.“
1954 war Dr. Josef Kriegisch als Nachrücker für die SPD in den bayerischen Landtag eingezogen, sein Mandat behielt er bis November 1966. Seine Beziehungen nach München waren von Vorteil. „Er war gut vernetzt in München und hat durch seine Verbindungen viel herausgeholt, sich immer früh um Fördergelder bemüht.“ Bei seinem Tod sei die Stadt schuldenfrei gewesen und hätte rund 40 Millionen Mark Rücklagen gehabt.
Waldkraiburg war „sein Ein und Alles“
„Die Stadt war Aufgabe und Hobby für ihn.“ Eine Aufgabe, die ihn bis zu seinem Tod nicht losgelassen hat. Dr. Josef Kriegisch erkrankte an Krebs, am 24. März 1984 erlag er seinem schweren Krebsleiden. Am 28. März nahm die Stadt mit einer großen Trauerfeier Abschied. „Die Christkönig-Kirche war voll, es wurden Platzkarten vergeben“, erinnert sich seine Tochter.
Auf den Sartrouville-Platz wurde der Gottesdienst übertragen, in einem langen Trauerzug der Sarg zum Friedhof gebracht. Dr. Josef Kriegisch verstarb mit 61 Jahren. Nur drei Tage vor seinem Tod hatte der Stadtrat noch einstimmig beschlossen, ihm das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.
1986 verfasste Werner Tusche ein Buch über sein Lebenswerk mit dem Titel „Politik als Dienst am Menschen“. So hatte Dr. Josef Kriegisch seine Arbeit als Bürgermeister auch verstanden.