Mühldorf – Großer Andrang herrschte im Gemeindesaal der Erlöserkirche in Mühldorf – Franziska Mocker vom Kirchenvorstand und Pfarramtssekretärin Anneliese Miess mussten mehrere zusätzliche Tische und Stühle herbeischleppen, um dem großen Andrang beim Sabbatfest (man spricht das jüdische Wort „Schabbat“ aus) Herr zu werden.
Nach Gedenkfeiern am Bunkerbogen, am Waldlager und am Massengrab im Mühldorfer Hart (unter anderem wurden Bilder der ermordeten Juden, die im Mühldorfer Hart Zwangsarbeit verrichten mussten, auf den Bunkerbogen projiziert, wir berichteten) sowie einer Präsentation der Projektarbeit von Schülern des Ruperti-Gymnasiums zum Thema (wir berichteten ebenfalls) gab es als krönenden Abschluss ein Sabbatfest mit Gebet, Musik und Kiddusch, einem gemeinsamen Essen. Dazu erfreute die Bigband der Schule mit schmissigen Melodien wie dem „Soul Bossanova“ oder „Ich brauche nur Musik, Musik, Musik“. Die Leitung des begeisternden Ensembles, auch „Ruperti-Allstars“ genannt, lag in den bewährten Händen von Musiklehrer Markus Jung.
Terry Swartzberg bedankte sich auch nochmals herzlich bei Korbinian Engelmann vom Geschichtsmuseum, Stadtarchivar Edwin Hamberger und Studiendirektor Stefan Wolf vom Ruperti-Gymnasium für ihre tatkräftige Unterstützung.
Das Sabbatfest startete mit einem Friedensgebet, vorgetragen von Pfarrerin Anita Leonhardt und Korbinian Engelmann, dem Leiter des Geschichtszentrums Mühldorf. Es folgte das jüdische Lied „Oseh Shalom“, was zu Deutsch „Den Frieden wagen“ heißt, wie Terry Swartzberg erklärte.
Er war die Triebfeder dieser Woche, er ist der Initiator von und federführend in J.E.W.S., er ist der Kopf, der hinter „Names to the faces“ steckt, einem Projekt, in dem der namenlosen Opfer der Nationalsozialisten mit Bild und Namen gedacht wird.
Austausch zwischen Christen und Juden
J.E.W.S., Jews Engaged with Society (Juden, die sich in der Gesellschaft engagieren) ist ein Verein, der sich für ein freudiges und waches jüdisches Leben in unserem Europa der Vielfalt einsetzt. Mit innovativen Gedenkformaten, Sabbaten für alle sowie Kulturveranstaltungen mobilisiert J.E.W.S. unsere Zivilgesellschaft für das Gedenken und die Toleranz – und für den Kampf gegen Antisemitismus, Hass und Rassismus. Weiter ging der Sabbat mit vier Segenssprüchen – jeweils ein Segensspruch für das Anzünden der Kerzen, für den Wein, für das Händewaschen und für das Brot. Wein und Brot gab es an jedem Tisch im Saal. Bevor es an die letzte Aufgabe, gemeinsames jüdisches Essen ging, sang man das weltweit bekannte hebräische Lied „Hava Nagila“, was auf Deutsch „Lasst uns glücklich sein“ heißt.
Dann konnten sich alle am leckeren Buffet bedienen. Unter anderem gab es da Dattel- oder Auberginencreme, Hummus, Salz-Zitrone, spicy Dal (ein würziges Currygericht), geröstete Paprika, Sakuska (ein Gemüseaufstrich), vielerlei Käse und Brot. Beim Kiddusch gab es reichlich Gelegenheit, sich zwischen evangelischen und katholischen Christen und Juden auszutauschen.