Mühldorf – Mit Erwin Rehling und Pit Holzapfel konnte Marianne Zollner, ihres Zeichens Vorsitzende des Mühldorfer Kulturschupp’n, zwei regionale Künstler präsentieren.
Marianne Zollner gab an diesem Abend auch bekannt, dass die Proben für das von Corona so arg gebeutelte Theaterstück „Der bairische Aff‘ oder wie einer Kaiser wird“ bereits angelaufen sind.
Wegen
Corona abgesetzt
Nachdem dieses sehenswerte Stück vor zwei Jahren nach der umjubelten Premiere im Innenhof des Haberkastens abgesetzt werden musste, weil zahlreiche Darsteller an Corona erkrankt waren, nimmt es nun einen zweiten Anlauf an gleicher Stelle: Am Freitag, 26. Juli, gibt es den Neustart, vier weitere Aufführungen am 27. und 28. Juli und am 2. und 3. August folgen.
Die Vorsitzende empfahl auch, sich den Auftritt von Micha Kern vorzumerken: „Am Freitag, den 19. April, wird der ‚Gitarrenmann aus Übersee‘ sein Programm ‚Songs without words‘ vorstellen“. Es gibt also ‚Lieder ohne Worte‘ und Micha Kern kommt nicht aus Amerika, sondern vom Chiemsee.“
Dann legten die beiden Protagonisten des Abends los: Erwin Rehling kommt aus Soyen bei Wasserburg. Das Markenzeichen des Percussionisten und Literaten sind wahre Geschichten aus seiner Kindheit in den 60er- und 70er-Jahren. Viel Ländliches, heute fast Vergessenes, wird dabei auf die Bühne transportiert. Er schildert Momente zwischen Tragik und Komik, die die ländliche Idylle fast zerbröckeln lasse.
Pit Holzapfel, „ein virtuoser Posaunist aus Mühldorf“, so die Kulturschupp’n-Chefin, beherrscht neben der Posaune viele weitere Musikinstrumente wie Gitarre, Melodica oder Synthesizer. Er umrahmt Rehlings Texte musikalisch, lässt gelegentlich eigene Wortbeiträge oder kurze Lieder einfließen.
Sehr nachdenklich macht die Geschichte von den Behinderten aus Gabersee: „Die wurden mit dem Zug nach Hartheim gefahren, wo sie vergast wurden. Das hat der Franzi erzählt, der war so klein, dass sie ihn übersehen haben.“ Diese Episode bezieht sich auf die Euthanasie der Nationalsozialisten, im Schloss Hartheim bei Linz wurden viele behinderte Menschen getötet.
Dann gibt es zum Beispiel den „Stier“: Erwin, auf einem Bauernhof groß geworden, hatte Angst vor ihm, wenn er sich immer knapp an ihm vorbeizwängen musste. Als der Metzger das Tier vor dem Schlachttermin begutachtete, hatte der Stier dessen blutige Schürze gesehen und nichts mehr gefressen, bis er abgeholt wurde. Oder die Geschichte vom Metzgergesellen: „Der hat zur Sau ‚Hände hoch!‘ gerufen, bevor er sie erschossen hat.“ Auch das häusliche Schlachten, wie es früher auf den Bauernhöfen gang und gäbe war, schildert Erwin Rehling: „Es kam der Brandmetzger. Die Sau hing dann in zwei Hälften an der Tür des Holzschuppens. Der Fleischbeschauer kam und untersuchte die Sau nach Trichinen. Es gab Blut- und Leberwürste.“
War ein Tier gestorben, „dann kam der Erasmus“, so sagte man früher. Damit war die Tierverwertung in St. Erasmus gemeint, die es damals auch schon gab. Der Erwin liebte als Kind Butterbrot mit Maggi drauf – bis man ihm sagte, dass in St. Erasmus aus den toten Tieren Maggi hergestelt wird.
Im „Fensterbrettl“ erzählt Rehling vom alten Hanslmeier: „Der hat immer sein Mittagessen am Fensterbrettl zu sich genommen, weil er sich geweigert hat, mit seinem Schwiegersohn an einem Tisch zu sitzen.“ Auch den „Kinderfasching gab es damals schon: „Viele Cowboys mit ihren Pistolen, es roch nach Kapselrauch, einige Indianer mit brauner Schuhcreme im Gesicht und einem Kälberstrick als Lasso.“
Auch Lustiges wurde auf die Bühne gebracht: „Der kleine Hansi ließ die älteren Kinder im Dorf raten, was es bei ihnen daheim heute zum Mittagessen gegeben hat. Es gehe mit ‚F‘ an. Die Größeren raten: ‚Fisch‘ – ‚Nein‘. ‚Fleischpflanzerl‘ – ‚Nein‘, ,Fannkuchensuppe‘ gab es.“
Erwin ging früher gerne zum Schuhe kaufen: „Da gab es die Lurchi-Hefte. Lurchi war ein gelb-schwarzer Salamander. Mein Lieblingstier war der Unkerich, das war ein Protz.“ So bezeichnet man im bayerischen Dialekt einen Frosch.
Zugaben auf
den Tonträgern
Nach knapp zwei Stunden endete der Abend mit einer Zugabe. Mehr gab es an Zugaben nicht, denn, so Erwin Rehling: „Die Zugaben sind auf den Tonträgern drauf, die wir jetzt verkaufen.“
Das Publikum nahm dies – so wie den ganzen Abend – mit Humor und ging gut gelaunt nach Hause.