Quereinsteiger und Spätberufene

von Redaktion

Neue Mitglieder bei der Feuerwehr: „Mir ist das ‚Wir-Gefühl‘ bewusst geworden“

Neumarkt-St. Veit – „Es war schon ein komisches Gefühl, aufregend und auch mit Respekt verbunden, als zum ersten Mal die Sirene und die SMS-Alarmierung der Feuerwehr Teising-Fraßbach losging“, sagt Thomas Fischbach. Fischbach ist „Quereinsteiger“, hat zusammen mit Michael Lächele, Jan Dalhoff, Andreas Hölzhammer und Michael Eberl nicht etwa die gesamte Laufbahn einer Feuerwehrausbildung genossen.

Das heißt, die fünf Männer haben nicht etwa den klassischen Weg bei der Feuerwehr über die Jugendfeuerwehr bis hin zum aktiven Mitglied bestritten. Alle fünf Kameraden haben vor genau einem Jahr als sogenannte „Quereinsteiger“ die MTA-Prüfung (Modulare Truppmann-Ausbildung) abgelegt. „Seitdem dürfen sie aktiv bei den Einsätzen dabei sein. Sie sind auch regelmäßig und hoch motiviert dabei“, lobt sie der Kommandant der Feuerwehr Teising-Fraßbach, Josef Brunnmeier, der sich zusammen mit Helmut Heizinger den Neulingen angenommen hat.

Lob für
die Neulinge

Der Vorteil: Durch den Zuwachs hat sich die sogenannte Tagesalarmstärke unter der Woche deutlich und spürbar erhöht, das sind die Feuerwehrleute, die auch am Tag zum Einsatz fahren können. Doch bis es so weit war, mussten sich die fünf Kameraden der umfangreichen Grundausbildung des Basismoduls stellen, die im Herbst 2022 begonnen hatte. An 13 Ausbildungsabenden und -tagen waren die fünf bei den verschiedenen Wehren im Landkreis zu Gast und leisteten zusätzliche freiwillige Abende im Gerätehaus in Teising ab.

Neben Fahrzeugkunde, dem Verhalten bei Gefahr, der Gerätekunde für die verschiedensten Notsituationen standen auch Hilfeleistungen, Brandbekämpfung und die richtige Handhabung beim Sprechfunk auf der Tagesordnung. Die Zusammenstellung der persönlichen Schutzausrüstung, aber auch die Einsatzhygiene vor und nach dem Ausrücken standen auf der Agenda.

Geschult wurden die Anwärter aber auch dahingehend, wie mit physischen und psychischen Belastungen umzugehen ist. Lernen und Üben – bis die Prüfung anstand. „Man hilft und passt auf sich gegenseitig auf. Bei den Einsätzen selbst fühlen wir uns sicher. Denn die Kameraden wissen ja, dass wir noch nicht lange dabei sind. Sie passen auf uns auf“, stellen die „Quereinsteiger“ übereinstimmend fest.

Im vergangenen Jahr hatten sie einige Einsätze, waren auch bei einigen Brandeinsätzen gefordert, die für alle sehr prägend gewesen seien. Besonders in Erinnerung geblieben ist der letzte große Einsatz im Winter bei einem örtlichen Energiebetreiber, bei dem es hieß: „Schneeräumen/Gefahr von Einsturz“. Daran habe man gesehen, wie wichtig es ist, umgehend so viele Leute wie möglich zu mobilisieren.

Beide Kommandanten bestätigen, dass sich die Neulinge gut eingefügt hätten. „Sie sind sehr gut ausgebildet und für viele Notfallsituationen auch gut gerüstet. Es wird auch immer wieder regelmäßig geübt“, erklärt Zweiter Kommandant Helmut Heizinger. Erster Kommandant Josef Brunnmeier erwähnt, dass die Kameraden schon ziemlich früh nach der Prüfung ihre ersten Leistungsabzeichen „Technische Hilfeleistung“ abgelegt haben, „und in diesem Jahr gibt es auch schon einen Termin für das Leistungsabzeichen „Wasser“.

Darüber hinaus stehen einige spezielle Lehrgänge an, zu denen sich die fünf neuen Kameraden angemeldet hätten, um damit die Einsatzfähigkeit weiter zu erhöhen. Dass die Floriansjünger den Schritt zum Ehrenamt in der Feuerwehr nicht bereuen, zeigt das Lächeln und Grinsen der beiden Familienväter Thomas Fischbach und Michael Eberl. „Unsere Kinder wissen schon ganz genau, wann Probealarm ist und wann der Papa zum Einsatz aufbrechen muss“, sagt Fischbach. „Und wehe, der Probealarm bleibt aus, dann spielen unsere Kinder Probealarm“, ergänzt Eberl.

Nicht nur die beiden betonen, dass sich für sie durch die Mitgliedschaft zur Feuerwehr etwas verändert habe. „Mir ist das besondere ,Wir-Gefühl‘ bewusst geworden. Und das schöne Gefühl, etwas erreicht und Gutes getan zu haben“, so Andreas Hölzhammer, der im vergangenen Jahr Vater geworden ist. „Man ist sensibler geworden und fühlt sich schon in der einen oder anderen Notsituation sicherer, sei es im Betrieb oder im privaten Bereich“, ergänzt Michael Lächele, der einen Betrieb zu Hause führt.

Dabei macht er auch deutlich, dass es nicht immer leicht ist, das alles unter einen Hut zu bekommen, etwa wenn der Alarm losgehe. „Für den Alarm alles griffbereit zu Hause hergerichtet zu haben, das erinnerte mich an die Zeit in der Bundeswehr zurück, in der ich viele Jahre aktiv meinen Dienst verrichtet habe“, so Jan Dalhoff, der dabei auch erwähnt, dass sein Piepser beim Probealarm auch dann losgehen könne, wenn er gerade beim Einkaufen an der Kasse stehe. Alle gemeinsam unterstreichen, dass sie diesen Schritt nicht bereuen und sie geben auch zu, dass bei aller Ernsthaftigkeit auch der Spaß nicht zu kurz komme, zum Beispiel bei den vielen Übungen und Lehrgängen. „Wer Interesse hat, kann sich bei seinen Kommandanten der einzelnen Wehren vor Ort erkundigen und melden, die helfen einem weiter“, informieren Josef Brunnmeier und Helmut Heizinger. „Doch wenn wir wieder so viele Quereinsteiger haben, dann dauert es wohl nicht mehr lange und wir müssen an unserem Gerätehaus anbauen, um alle unter ein Dach zu bekommen“, schmunzelt Brunnmeier.

Stadt würdigt Ehrenamt

Die Stadt Neumarkt-St. Veit sieht das ehrenamtliche Engagement mit Wohlwollen. Und so war es auch eine Selbstverständlichkeit, den freiwillig Diensthabenden entgegenzukommen. Auf Antrag des Kommandanten Tobias Wegner von der Freiwilligen Feuerwehr Neumarkt-St. Veit machte der Finanz- und Verwaltungsausschuss in seiner jüngsten Sitzung den Weg dafür frei, dass die aktiven Mitglieder der Feuerwehr, die eine abgeschlossene Truppmannausbildung (Grundausbildung) vorweisen können oder die im Besitz der Bayerischen Ehrenamtskarte sind, die ermäßigte Jahreskarte für das städtische Freibad in Neumarkt-St. Veit erhalten.

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