Wie ein historischer Dorfkrimi

von Redaktion

Diakon Manfred Scharnagl entführt auf eine spannende Mettenheimer Zeitreise

Mettenheim – Als Diakon Manfred Scharnagl sich vor einigen Jahren des Themas ,,Mettenheim an der Schwelle des 19. Jahrhunderts“ annahm, war ihm noch nicht bewusst, dass er auf eine Vielzahl bedeutsamer Briefe des Pfarrers Joseph Vitus Hueber stoßen würde. Diese Briefe, ein reicher Fundus an Informationen, eröffneten nicht nur einen einzigartigen Einblick in das Leben dieser Zeit, sondern auch in die Machtstrukturen des Dorfes Mettenheim.

Freimaurer
und Illuminaten

Die Briefe stehen laut Scharnagl für den am besten dokumentierten Abschnitt der Mettenheimer Geschichte um 1800. Auf Einladung des Mettenheimer Geschichtskreises hielt Manfred Scharnagl zu diesem Thema unlängst einen fesselnden Vortrag beim Kreuzer-Wirt, an dem etwa 100 geschichtsinteressierte Zuhörer, darunter Vereinsvertreter und Lokalpolitiker, teilnahmen.

Bereits zu Beginn dieser spannenden Zeitreise wurde klar, dass die romantische Vorstellung von ,,der guadn oidn Zeit“ keiner historischen Realität entspricht. Im frühen 19. Jahrhundert unterstand Mettenheim politisch dem bayerischen Kurfürsten Karl Theodor, kirchlich dem Erzstift Salzburg. Es gab noch keine gewählte Führungsperson in der Gemeinde.

Der Pfarrer genoss zwar Respekt – Religion dominierte das Weltbild der Leute –, musste aber sein Einkommen größtenteils selbst erwirtschaften. Sein Handeln war stets im Blickfeld des kurfürstlichen Geistlichen Rates.

Bei seinem Amtsantritt im Jahr 1792 befand sich Pfarrer Hueber in einem geistlichen Konflikt zwischen den Geheimbünden der Freimaurer und Illuminaten im Geistlichen Rat und den aufkommenden Ideen der Aufklärung. Jedoch hatte Hueber auch die Verantwortung für das Schulwesen inne. In Mettenheim herrschten bildungstechnisch schlimme Zustände. Daher war es dringend erforderlich, einen Lehrer zu finden, der sich darum kümmerte, gleichzeitig aber auch die Stelle des Mesners und Organisten übernahm. Mit Zeno Weyerer wurde jemand für diese Aufgaben eingesetzt, seine Dienstauffassung ließ indes zu wünschen übrig: ,,Er unterrichte ohne Geduld, rau und bellend“, beschwerte sich Hueber beim Archidiakonat Gars. Im Kirchendienst sei er schlampig und unzuverlässig und schüre den Zwist mit Koadjutor Jacob Sametsamer.

Zwischen Hueber und Weyerer kam es zum Bruch, doch die Situation erreichte ihren Höhepunkt mit Alois Streitberger, Gerichtsdiener und späteren Bürgermeister, dessen aggressive Art und Machthunger für weitere Unruhe sorgten. Streitberger trat sein Amt an, als Mettenheim während des zweiten Koalitionskrieges stark unter den militärischen Invasionen und vor Ort errichteten Lagern litt. Nach zahlreichen Querelen mit Hueber eskalierte die Situation einige Tage nach der Schlacht bei Hohenlinden, als die Franzosen neun Tage lang Mettenheim plünderten. Da Hueber während der Plünderungen abwesend war, nutzten Streitberger und Weyerer die Gelegenheit, die Bauern im Dorf, einige bis heute hier angesiedelt, gegen ihn aufzubringen und reichten eine Klage beim Geistlichen Rat in München ein.

Moralische Grenzüberschreitung

Nach intensiven Debatten in höherer Instanz, in die auch namhafte Persönlichkeiten wie die Grafen Montgelas und Morawitzky involviert waren, endete dieser Dorfkrimi mit der Versetzung Huebers nach Buchbach. Fürsprecher hatten keine Chance – Huebers Karriere war beendet.

In seinem Schlusswort charakterisierte Scharnagl diesen Vorfall als eine moralische Grenzüberschreitung, die aufzeige, dass nicht immer Autoritäten, sondern soziale Umstände über das Schicksal Einzelner entscheiden. Worte seien oft zerstörerischer als Taten.

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