Mühldorf – Vor 44 Jahren, am 6. April 1980, wurde in Deutschland die Sommer- und Winterzeit eingeführt. Seit 1996 gilt sie in allen Ländern der EU. Wie sich diese Zeitumstellung in verschiedensten Bereichen auswirkt, erzählen Menschen aus der Region.
Pater Walter Kirchmann, Leiter des Pfarrverbandes Waldkraiburg: „Wir feiern am Ostersonntag um 5 Uhr früh die Osternacht in der Christkönigkirche. Wir würden uns sehr freuen, wenn viele Menschen gemeinsam mit uns diese Osternacht feiern, auch wenn sie dafür heuer eine Stunde früher aufstehen müssen. Die Vorschrift der Kirche besagt, dass man im Dunkeln mit der Messe beginnen soll. In der Auferstehung heißt es ja ‚vom Dunkeln ins Helle, vom Tod ins Leben‘. Wenn die Leute nach diesem Gottesdienst aus der Kirche gehen, ist es hell und es folgt das Osterfrühstück. Natürlich macht die Zeitumstellung vielen Menschen zu schaffen. Ich selbst komme jedoch gut damit klar. Trotzdem bräuchte ich keine Zeitumstellung.“
Der Melkroboter richtet es im Kuhstall
Landwirt Georg Hanslmeier aus Rechtmehring: „Auf unserem Hof leben 65 Milchkühe und 65 Kälbchen. Seit wir einen Melkroboter haben, interessiert unsere Kühe die Zeitumstellung überhaupt nicht mehr. Früher ging man morgens um 6 Uhr und abends um 17 Uhr zum Melken. Wenn da Zeitumstellung war und man kam nur eine Viertelstunde später, da standen alle schon vor der Tür und wollten gemolken werden.
Für die Kälbchen ist die Zeitumstellung ein bisschen stressig. Wir gewöhnen sie langsam an die neue Sommer- oder Winterzeit. Wenn Zeitumstellung ist, gehen wir jeden Tag ein paar Minuten früher oder später in den Stall. Ich persönlich finde die Zeitumstellung nicht schlecht und würde das so lassen. Die Menschen und Tiere müssen sich langsam daran gewöhnen. Dann funktioniert das auch.“
Georg Lehner (82), Rentner aus Schwindegg: „In meiner Kindheit und Jugend gab es so etwas wie Zeitumstellung gar nicht. Ich denke, eigentlich brauchen wir das nicht, aber es ist wie es ist. Abschaffen muss man es nicht, denn man gewöhnt sich ja daran.
Ich bin Rentner und merke von der Zeitumstellung nicht viel. Es sind die ersten zwei bis drei Tage, wo man merkt, dass sich etwas geändert hat, aber das macht mir nichts aus. Stressig ist es, wenn man noch im Berufsleben ist. Als ich früher noch zur Arbeit musste, merkte ich das schon. Da bin ich um 6 Uhr zur Arbeit gefahren. Ich denke, als Rentner ist es einiges entspannter.“
Ferdinand Hanisch (66), Rentner aus Engelsberg: „Ich finde die Zeitumstellung absolut unnötig. Das haben einst Menschen erfunden, die von Physik und Technik überhaupt keine Ahnung haben. Eine der Begründungen war, dass man im Sommer länger draußen sitzen kann. Meine Frau und ich stehen lieber morgens um 6 Uhr auf als erst um 8. Dieses abends länger hell interessiert uns gar nicht. Früher, als wir noch jung waren, machten wir, wenn es dunkel war, ein Lagerfeuer. Diese Romantik ist futsch, denn im Hellen ein Lagerfeuer zu machen, macht ja keinen Sinn.
Man spart ja auch keine Kosten. Ich bin eigentlich gesund und habe eine stabile innere Uhr, aber durch die Zeitumstellung ändert sich der Schlafrhythmus. Ich brauche etwa vier Wochen, bis sich mein Körper an die neue Zeit gewöhnt hat. Die Zeitumstellung gehört sofort abgeschafft.“
Matthias Gottschaller (19), Sozialpflegeschüler aus Reischach: „Es sollte durchgehend die Sommerzeit bleiben, die Zeitumstellung sollte abgeschafft werden. Bei mir dauert es etwa eine Woche, bis ich mich daran gewöhnt habe. Vor allem in Berufen, wo man Schicht arbeitet, ist das extrem anstrengend. So zum Beispiel in Pflegeberufen. Da muss man dann 13 Stunden im Winter arbeiten, statt 12. Wenn man in der Früh zur Arbeit geht, ist es dunkel und wenn man von der Spätschicht heimkommt ist es auch schon wieder finster. Im Winter hat man überhaupt nichts vom Tag. Man bekommt nicht viel Sonne ab und das schlägt auch aufs Gemüt und die Gesundheit. Bei der Umstellung auf Sommerzeit fehlt uns eine Stunde, da muss man eine Stunde früher zur Arbeit oder in die Schule.“