Mühldorf – Sie ist das sympathischste Nahverkehrsmittel der Stadt: Die Innfähre Josef III verbindet die Stadt mit dem Naherholungsgebiet Starkheim. Solange der Wasserspiegel des Inns unter 3,75 Metern liegt und es nicht in Strömen regnet, fährt sie an Wochenende zuverlässig hin und her. Gesteuert von einem Fährmann der Stadtwerke.
Bevor die Fähre in öffentliche Hand kam, wurde sie privat betrieben. Vor 50 Jahren ging diese Ära der Fährgeschichte zu Ende. Letzter Mann am Ruder war Franz Eder. 30 Pfennig mussten Fahrgäste damals bezahlen, um den Fluss zu überqueren. Das berichtet Sepp Stangl, der noch Fotos aus dieser Zeit hat. Sie zeigen eine überdachte Plätte, mit der Franz Eder bei jedem Wetter übersetzen konnte.
Stangl und seine Spezln waren damals häufig mit ihren Booten auf dem Inn unterwegs und begegneten dabei dem Fährmann. „Habts vielleicht a Zigredn fia mi?“, wollte der Franz von den Buben wissen. „Aber für Rauchwaren hatten wir kein Geld“, erzählt Stangl. Geraucht wurde trotzdem, als Zigarettenersatz dienten dürre, lianenartige Gewächse, die von Bäumen am Inn herabhingen. „Die schnitten wir uns mit einem feststehendem Messer ab, das wir stolz am Hosengürtel trugen. Die rauchten wir dann genüsslich, wenn sie auch hantig schmeckten.“ Setzte mal ein junger Bursch mit seinen Gspusi über, konnte es vorkommen, dass Franz mit einem besonderen Spruch kam, erinnert sich Stangl: „De wosd heid dabei host, de is scho schena wia de kasige vor vierzehn Dog.“ Der letzte private Fährmann konnte aber nicht nur austeilen, berichtet Stangl. So riefen Buben aus Annabrunn den Fährmann schon mal per Klingel, wenn der sich mitten auf der Überfahrt befand. Kam er dann zurück ans Starkheimer Ufer, gaben sie Fersengeld. „Das brachte in jedoch nicht aus der Ruhe, er war immer gut gelaunt, er war halt ein echtes Mühldorfer Original“, erzählt Stangl. Die Innfähre der Stadtwerke fährt ab Karfreitag, 29. März, an jedem Samstag, Sonn- und Feiertag von 10 bis 19 Uhr. Markus Honervogt