Rosenheim/Mühldorf/Altötting/Traunstein/Berchtesgaden – Riesenjubel in der Küche der Residenz Heinz Winkler in Aschau. Dort verfolgten die Mitarbeiter des Hauses gespannt die Verleihung der Michelin-Sterne. Und dann kam die ersehnte Nachricht: Das Haus hat wieder einen Stern. „Wir sind super euphorisch“, verrät Geschäftsführer Alexander Winkler. Seine Eltern hätten von Anfang an ein Statement gesetzt, was Qualität betrifft. Und das mit Erfolg. „Mein Vater war im Chiemgau immer die Nummer 1, deswegen wollten wir den Stern zurück. Unser Haus steht für Gourmetküche und deswegen sind wir über die Auszeichnung besonders glücklich.“ Der Stern sei eine tolle Anerkennung der Anstrengungen des ganzen Teams, in der Küche geleitet von Daniel Pape.
Auch in Kirchdorf (Landkreis Mühldorf) ist die Freude groß: zum 26. Mal in Folge sind Christian und Christiane Grainer von „Christians Restaurant – Gasthaus Grainer“ mit dem Michelin-Stern ausgezeichnet worden. „Wir sind jedes Jahr wieder aufgeregt, man weiß gar nichts“, erzählt Wirtin Christiane Grainer. Wenn man den Stern verteidigt, „erfährt man erst in der Pressekonferenz, ob man wieder gewonnen hat“, sagt die 44-jährige Kirchdorferin.
Für das Ehepaar ist es eine „Bestätigung der täglichen Arbeit. Wir sind froh und dankbar.“ Auch wenn sie schon zum 26. Mal gewonnen haben, müssen sie die gute Nachricht „erst einmal sacken lassen“, so Christiane Grainer. „Wir freuen uns aber auch sehr für unsere Kollegen, die ebenfalls mit dem Michelin-Stern ausgezeichnet wurden – eine echte Ehre für uns alle“, sagt Christiane Grainer.
Bereits zum elften Mal hat Alexander Huber vom Huberwirt in Pleiskirchen die Michelin-Testesser überzeugen können. Der Lohn ist der erneute, begehrte Michelin-Stern. „Das ist eine wahnsinnige Ehre und eine große Auszeichnung für mich, aber vor allem für mein Team, denn ohne sie wäre das nicht zu schaffen“, freut sich Alexander Huber. Er sei zwar gelassener geworden, doch am Tag der Vergabe sei die Anspannung dann doch spürbar, verrät der Sternekoch: „Das ist jedes Jahr wie bei der Zeugnisvergabe.“
Als er die Nachricht bekam, dass sein Michelin-Stern bestätigt worden ist, sei ihm „schon ein Stein vom Herzen gefallen, denn schließlich strengen wir uns immer sehr an.“ Im Umkehrschluss, wenn er den Michelin-Stern nicht bekommen würde, wäre das „wie eine deutliche Kritik an meiner Arbeit.“ Schließlich lautet sein oberstes Credo: Das Wichtigste ist, dass die Gäste zufrieden sind; der Rest ergibt sich dann von alleine.
„Wir kochen einfach, wie wir kochen“
Dominik Lobentanzer vom „Restaurant 271“ in Burghausen ist von dem Stern schlicht „überwältigt“ und „unheimlich stolz“ zu der Riege der Sterne-Köche in der Region zu gehören: „Das ist eine große Ehre.“ Er habe nicht damit gerechnet, auch wenn seine Gäste ihn im vergangenen Jahr schon immer „dahin gesprochen“ hätten. Er habe auch nicht darauf hingearbeitet: „Wir kochen einfach, wie wir kochen. Der Stern ist das Resultat und macht das Team stolz.“ Er ist eine Auszeichnung für das Herzblut, die Zeit und die Gedanken, die sich er und sein Team jeden Tag machen. Dabei hatte Lobentanzer einen schwierigen Start in Burghausen: „Wir haben drei Tage vor dem zweiten Lockdown eröffnet.“ Doch er und sein Team haben durchgehalten und sich seit dieser Zeit einen festen Platz in der Burghauser Restaurant-Welt erobert – und jetzt in ihrem dritten Jahr auch die Welt der Michelin-Sterne. Das Gourmet-Restaurant PUR im Kempinski Hotel Berchtesgaden hat seinen Stern nicht nur verteidigt, sondern sogar einen zweiten errungen – zum ersten Mal nach 17 Jahren harter Arbeit. „Ich bin überwältigt von dieser Auszeichnung. Es ist ein großer Traum, der für mich in Erfüllung geht. Die Sterne spiegeln nicht nur meine Leistung, sondern die großartige Arbeit meines gesamten Teams wider, mit dem ich täglich zusammenarbeite“, äußerte sich Heimann stolz über den Erfolg.
General-Manager Werner Müller zeigte sich ebenfalls begeistert: „Wir freuen uns sehr über Ulis doppelte Sterne-Auszeichnung. Seine außergewöhnliche Kreativität und unermüdliche Hingabe sind nicht nur eine Bereicherung für unsere Gäste, sondern prägen auch das gesamte Team. Die Anerkennung des Guide Michelin bestätigt einmal mehr die Exzellenz, die wir im PUR erleben dürfen.“
Senkrechtstarter
am Chiemsee
Im Herbst 2022 eröffnete Dominik Wachter seine „Wachter Foodbar“ in Prien und schaffte es schon ein paar Monate später, den ersten Michelin-Stern zu bekommen. Dieser Stern wurde nun bestätigt. Für Dominik Wachter das Signal, dass er sich weiterhin auf dem richtigen Weg befindet. „Es war ein aufregendes Jahr und es ist wahnsinnig schnell vergangen“, sagt er gut gelaunt. „Der Laden wird gut angenommen und wir haben viel Freude dabei.“ Der Stern hat ihm auch zahlreiche neue Gäste gebracht. Besonders nach der Verleihung des Sterns im vergangenen Jahr herrscht in seinem Restaurrant ein „bisschen Ausnahmezustand.“ Viele seiner Gäste seien Stammgäste, die auch aus der Region kommen. Der Kundenstamm werde aber weitläufiger. Mit seinen kulinarischen Kollegen aus der Region, die ebenfalls Sterne erkocht haben, herrsche keine Konkurrenz. „Es belebt mehr, als es Konkurrenz ist. Wir alle stehen auch regelmäßig im Austausch. Wenn man sagt, man ist voll, dann schickt man auch mal Gäste zu jemand anders.“
Ein Dorf mit zwei Gourmet-Tempeln
Die Gäste von einem Sterne-Restaurant zum anderen zu schicken ist in Frasdorf gar kein Problem. Der 3200-Einwohner-Ort hat zur Freude seines Bürgermeisters Daniel Mair gleich zwei ausgezeichnete Gourmet-Tempel zu bieten. „Wir sind überglücklich, dass wir die Bestätigung des Sterns erhalten haben“, freut sich Georg Gartner, der Geschäftsführer des Landgasthofs Karner. Das Gourmetrestaurant im Karner leitet Küchenchef Manuel Wimmer. Wimmer zeigte sich „unglaublich glücklich und unglaublich erleichtert“ über die erneute Auszeichnung. „Wir haben immer Vollgas gegeben und ständig versucht besser zu werden, aber ich habe dann doch die Anspannung gemerkt.“ Nun hat er Zeit, diese zu verarbeiten, denn die Küche im Karner wird derzeit runderneuert und vergrößert, sodass ab Mitte April die beiden Restaurants im Haus besser aus einer Küche beschickt werden können. Auf den Lorbeeren ausruhen? Nein, sagt Wimmer, „wir wollen uns immer verbessern – und es ist ja auch noch Luft nach oben.“
Das sieht sein Kollege Michael Schlaipfer, der für sein „Michaels Leitenberg“ erneut einen Stern bekam, ganz ähnlich. Er habe keine Angst gehabt, den Stern zu verlieren, sagt er. Und die Anspannung sei letztes Jahr schlimmer gewesen, heuer habe er ja schon Erfahrungen gehabt. Über die Anerkennung seiner Leistung sei er aber glücklich, „ich reiße mir das ganze Jahr den A… dafür auf.“ Außerdem sei er selbst sein größter Kritiker, da tue die Bestätigung schon gut. Und das Ende der Fahnenstange will er nicht schon erreicht haben. „Ich bin 32 Jahre alt. Klar habe ich noch Ambitionen und Ansprüche!“ Er arbeite gerne daran, besser zu werden – weitere Sterne dürfen gerne die Folge sein.
ES:SENZ – Das Beste kommt zum Schluss
Viele neue Sterne wurden bundesweit vergeben. Aber nur ein Restaurant in Deutschland hat neu den absoluten Koch-Olymp erklommen und drei Sterne verliehen bekommen. Das Restaurant ES:SENZ unter Küchenchef Edip Sigl im Hotel „Das Achental“ in Grassau ist nun eines von lediglich zehn Restaurants im gesamten Bundesgebiet mit drei Michelin-Sternen. Nur vier Wochen nach der Eröffnung Ende Juli 2021 erhielt das Restaurant bereits zwei Sterne, nun folgte der dritte.
Sigl freute sich bei der Verleihung sehr über die Auszeichnung. „Unglaublich. Ich dachte, mehr geht gar nicht innerhalb von drei Jahren. Ich freue mich ungemein“, sagte der Sternekoch nach der Verleihung laut Münchner Merkur. Seine Kinder hätten schon blaue Finger, weil sie seit Wochen die Daumen drückten. Es half. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen.“