Mühldorf – Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Gotische Kasten bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Mühldorf. Im Rahmen der Veranstaltung wurde Bilanz gezogen für das Jahr 2023, ein Jahr, „das es in sich hatte“, in dieser Beurteilung waren sich der Vorsitzende der Feuerwehr Mühldorf, Josef Birnkammer, und Kommandant Martin Strasser in ihren Statements zur 153. Jahreshauptversammlung einig.
Ganz am Anfang des Treffens stand ein Totengedenken, drei Mitglieder der Feuerwehr waren seit der letzten Hauptversammlung gestorben.
Gefordert
wie nie zuvor
In seinem Bericht unterstrich Vorsitzender Birnkammer die vielen Aktivitäten der Feuerwehr Mühldorf im vergangenen Jahr. „Wir haben nicht nur Traditionen bewahrt, sondern auch neue Wege beschritten“, stellte er fest. „Vom Karfreitags-Steckerlfischgrillen bis hin zum Innschifferl-Rennen des Rotary Clubs haben wir unsere Präsenz gestärkt und unser Engagement für die Gemeinschaft unter Beweis gestellt.“ Nicht zuletzt habe man aus der Kasse des Vereins wichtige Anschaffungen für die Wehr tätigen können. Kommandant Martin Strasser setzte ein Statement an den Beginn seiner Bilanz: Im Jahr 2023 sei die Feuerwehr in der Kreisstadt gefordert gewesen „wie nie zuvor“. Insgesamt seien bei 233 Einsätzen 4737 Einsatzstunden geleistet worden.
Der größte Einsatz der Feuerwehr war das Unwetter während des Mühldorfer Volksfestes. „So einen überfluteten Volksfestplatz habe ich noch nie gesehen“, schilderte der Kommandant seine ersten Eindrücke, als er zum Einsatzort gekommen war. Alle notwendigen Entscheidungen mussten schnell und kompetent getroffen werden, dies sei, so der Kommandant, in enger Absprache zwischen der Wehr, der Veranstaltungsleitung, der Polizei und den Vertretern der Stadt gelungen.
„Das ganze Ereignis konnte so ohne größere Personenschäden oder technische Schäden beispielsweise an Fahrgeschäften bewältigt werden“, hielt er fest. Die Festzelte hätten schnell wieder geöffnet, die Musik habe gespielt, auch die Fahrgeschäfte hätten den Betrieb wieder aufgenommen: „Man konnte meinen, das war ein kleiner Regenschauer und jetzt ist alles wieder gut“, merkte Strasser an, stellte aber auch klar: „Genau so war es aber nicht.“
Der Busparkplatz und ein Teil des Festplatzes standen seinem Bericht zufolge noch unter Wasser, es gab Besucher, die aus Spaß ein Bad dort nahmen. „Mir wurde wieder einmal klar, dass die Hilfsorganisationen alleine übrigbleiben, um die ganz Situation fertig abzuarbeiten“, sagte er mit durchaus bitterem Unterton in der Stimme. Man dürfe nicht vergessen: Es war ja nicht nur Volksfest, sondern das gesamte Stadtgebiet war betroffen, vollgelaufene Keller und Überführungen mussten abgepumpt werden und vieles mehr. „Genau da begannen die Beschwerden von Passanten, weil sie jetzt nicht mit dem Auto direkt zum Ziel fahren konnten, dass sie nasse Füße bekommen auf dem Weg zum Bierzelt. Und wir mussten uns sogar anmeckern lassen von jemandem, der in eine vollgelaufene Unterführung mit dem Auto eingefahren war und der von den Feuerwehrkameraden vor dem Ertrinken gerettet werden musste“, berichtete der Kommandant. „Spätestens zu diesem Zeitpunkt haben wir bemerkt, dass sich unsere ich-bezogene Gesellschaft wieder einmal von ihrer besten Seite gezeigt hat“, brachte der Kommandant die Meinung vieler Kameraden auf den Punkt. Bedauerlicherweise habe man diese Haltung dann auch bei den starken Schneefällen im Dezember erlebt. Die großen Schneemengen hatten zu einem Ausnahmezustand in der Region geführt, nicht nur für die Feuerwehren, auch für die Mitarbeiter des Bauhofs, die mit Fahrzeugen und Fußtrupps alles taten, um einen Zusammenbruch des Verkehrs zu verhindern. „Aber auch diese Kräfte und natürlich auch unsere Aktiven mussten ja erst einmal mit ihren eigenen Fahrzeugen zum Feuerwehrgebäude und zum Bauhof kommen.“ Leicht sei das nicht gewesen, aber wenn man sich dann im Einsatz im aggressiven Ton angehen lassen müsse, wo denn die Feuerwehr so lange geblieben sei und ob das nicht schneller gehe, dann fehle ihm jedes Verständnis.
Abseits der Einsätze wurden 170 Übungen abgehalten. Bei den Beschaffungen für die Wehr hob er das neue Mehrzweckboot hervor. Ebenfalls für die Wasserrettung wurden neue Anzüge angeschafft. Erhalten hat die Feuerwehr auch neue Mehrgas-Messgeräte, man habe, so der Kommandant, 30 Atemschutzträger in den eigenen Reihen.
Mit dem Personalstand ist man bei der Feuerwehr derzeit zufrieden. Derzeit leisten 88 Aktive ihren Dienst.
Ein Themenbereich war dem Kommandanten noch sehr wichtig: Das Gerätehaus der Wehr sei in die Jahre gekommen, hier müsse man sich überlegen, wie man mit Um- oder Anbau die neuen gesetzlichen Auflagen erfüllen könne. In Absprache mit der Stadt beschäftige sich bereits ein fachkundiger Planer mit den Möglichkeiten. Der erste Schritt sei also gemacht, aber: „Die Finanzierung ist eine Sache, über die auch noch zu reden sein wird“, so der Kommandant.
Nach den Grußworten wurden Ehrungen und Beförderungen durchgeführt. Neu aufgenommen in die Wehr wurden Madlen Kapser, Mia Oeller, Jakob Fürfanger und Leo Hausner. Zum Hauptfeuerwehrmann ernannt wurden Philip Cziciek und Tobias Wapler, zum Löschmeister Richard Haberger, zum Oberlöschmeister Florian Loibl und zum Hauptlöschmeister Konrad Fritz. Den Titel „Hauptbrandmeister“ kann jetzt Paul Frei tragen.
Ehrungen für
lange Dienstzeiten
Für zehnjährige Dienstzeit geehrt wurden Kenny Schwartz und Florian Schupfner, für 20-jährige Dienstzeit Tobias Wapler, für 25 Dienstjahre Christian Haberger. Für eine 50-jährige Mitgliedschaft gab es Würdigung und Applaus für Klaus Penzenstadler und Erwin Jäkel, der dann auch noch einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt wurde.