„Duft der Freiheit atmen“

von Redaktion

Nach 44 Jahren sagt Agathe Renner der Orgel Ade

Waldkraiburg – Vor ihrem geistigen Auge sieht sich Agathe Renner schon nach Italien reisen. Die Kirchenmusikerin will mit ihrem Kleinbus in den Pfingstferien Bella Italia unsicher machen. „Meine ersten richtigen Ferien nach vielen Jahren und ohne schlechtes Gewissen“, verkündet die 63-Jährige fröhlich. 44 Jahre lang ließ sie die Orgel in der Pfarrei Maria Schutz und später auch in Pürten und St. Erasmus erklingen. Ihr Amt als Kirchenchorleiterin legt die Waldkraiburgerin ebenfalls nieder. Sie will nun Freiheit atmen.

„Gerade an den Festtagen wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten sind Organisten und Chöre besonders gefordert“, erzählt Agathe Renner. „Wenn ich mir an Pfingsten tatsächlich mal freigenommen habe, plagte mich das schlechte Gewissen.“ Damit ist jetzt Schluss. Die 63-Jährige setzt sich am Ostermontag in der Kirche Maria Schutz zum letzten Mal an die Orgel.

Mit fünf Jahren Klavierspielen gelernt

Dort begann auch im Jahre 1980 ihre hiesige Karriere als Organistin. Die Musikerin wurde in Rumänien geboren. Weil sie aus einer musikalischen Familie stammt, erhielt sie bereits mit fünf Jahren Klavierunterricht. Später besuchte sie ein musisches Gymnasium. „Mit 18 Jahren spielte ich die Kirchenorgel in Josefstadt“, erinnert sich die Musikerin. Vor 44 Jahren kam sie nach Waldkraiburg.

Mehr oder weniger im Handumdrehen saß sie in ihrer neuen Heimat wieder an einer Orgel und zwar in der Pfarrei Maria Schutz. „Daran ist mein Großvater nicht ganz unschuldig“, erläutert Agathe Renner lächelnd: „Mein Opa kannte den einstigen Waldkraiburger Pfarrer Eduard von Wysocki ziemlich gut und so kamen die Herren überein, dass ich die neue Organistin werden könnte.“

Die junge Frau nahm in Regensburg ein vierjähriges Studium für Kirchenmusik auf. Als Studentin pendelte sie jedes Wochenende zurück nach Waldkraiburg, um beim Sonntagsgottesdienst die Orgel zu spielen. 1985 wurde ihr nicht nur die Leitung des Kirchenchores übertragen. „Irgendwie gehöre ich in der Pfarrei sowie in der Musikschule längst zum Inventar.“ Der Musikschule wird Agathe Renner noch treu bleiben. Einen Nachmittag pro Woche unterrichtet sie weiterhin junge Leute am Klavier.

Was den Kirchenchor anbelangt, der bekam anno 1995 durch Pürten Zuwachs. Die Organistin spricht dabei gar von einer zweiten Familie, die sich durch den größer gewordenen Chor für sie aufgetan hätte. Was sie natürlich besonders freut: Ihr Sohn Niklas singt bereits seit 21 Jahren im Chor mit. Als Organistin und Chorleiterin sei man im Vorfeld der wichtigsten Feiertage des Jahres mehr in der Kirche als daheim. Proben stünden an, damit an den Festtagen alles rund läuft.

Renner blickt zurück: „Als Mutter von drei kleinen Kindern war das nicht immer leicht.“ Trotz aller Anstrengungen seien die letzten Jahrzehnte für sie erfüllend und bereichernd gewesen. Weil sich vor rund zwei Jahren bei der 63-Jährigen gesundheitliche Probleme einstellten, will sie nun ihre musikalischen Tätigkeiten in den Kirchen früher als gedacht an den Nagel hängen. „Außerdem ist es mir lieber, wenn die Menschen meinen Abgang noch bedauern und ihn nicht irgendwann herbeisehnen, weil sie mich nicht mehr spielen hören wollen.“

Das Osterwochenende kommt für die Musikerin noch mit zwei wunderbaren Ereignissen daher. Daniel Schmidhuber, ehemaliger Orgelschüler von Agathe Renner, komponierte für seine Lehrerin eine eigene Messe, die am Ostersonntag, 31. März, um 10 Uhr in Pürten in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt aufgeführt wird. „Missa Agatha“ heißt das Werk. Es wird mit Chor, Bläsern, E-Piano und Pauken präsentiert. Am Dirigentenpult steht die Geehrte höchst persönlich.

Am Ostermontag, 1. April, begleitet Renner den Gottesdienst um 10.15 Uhr zum letzten Mal an der Orgel.

Den kalten
Monaten entfliehen

Jedenfalls blickt die Kirchenmusikerin der Zukunft hoffnungsfroh und mit Elan entgegen. „Meine Tochter lebt auf Gran Canaria. Ich habe vor, künftig den kalten Monaten in Deutschland zu entfliehen und schlage daher meine Zelte in Spanien auf.“

Weil die Waldkraiburgerin aber auch auf der Insel nicht ohne Kultur leben kann, hat sie sich schon mal schlau gemacht. „In Las Palmas schließe ich mich einem Chor an, denn es ist schon lange mein Wunsch, einmal nur Chormitglied und nicht Leiterin eines Chores zu sein.“

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