Mühldorf – Voll bis auf den letzten Platz war der Saal des Kreuzer-Wirts in Mettenheim, als sich die Mitglieder der Waldbauernvereinigung Mühldorf zu ihrer Jahreshauptversammlung trafen. Ihr Vorsitzender Lorenz Waldinger musste die Veranstaltung – es war seine 16. Jahreshauptversammlung – mit einer schlechten Nachricht beginnen: „Geschäftsführer Michael Erber und Hans Haslbeck verlassen die Waldbauernvereinigung und machen sich selbstständig. Für uns ein schwerer Schritt – aber beide haben Familie und kleine Kinder, sodass ich die Entscheidung der beiden verstehen kann.“
Matthias Huber
folgt nach
Waldinger konnte mit Matthias Huber, Forstwirtschaftsmeister aus Bodenkirchen, aber bereits einen Nachfolger für einen der beiden vakanten Plätze bekanntgeben. Auch die zweite Position wird selbstverständlich neu besetzt werden, man ist auf der Suche.
Landtagsabgeordneter Sascha Schnürer hatte sogar seinen Urlaub unterbrochen, um an der Versammlung teilzunehmen. Er äußerte sich folgendermaßen: „Ich danke euch für die im Winter geleistete Arbeit – nicht nur die Arbeit für euer Holz, sondern auch für das, was ihr für die Region getan habt.“ Es gelte weiterhin, Druck auf dem Kessel zu haben und gegen den Borkenkäfer vorzugehen. Auch die Trockenheit der Böden sei ein Problem. „Was wir brauchen, das ist eine Wertschöpfungskette: Wir müssen unser heimisches Holz vermarkten. Ich bin im Landtag im landwirtschaftlichen Ausschuss. Wenn ihr schnelle und unbürokratische Hilfe braucht – ich setze mich mit all meiner Kraft für euch ein.“
Thomas Einwang aus Buchbach ist der Sprecher der Bürgermeister im Landkreis: „Ich bin wie euer Vorsitzender ebenfalls 16 Jahre im Amt und habe die Waldbauernvereinigung immer als verlässlichen Partner der Kommunen erlebt. Die WBV ist eine Selbsthilfeeinrichtung, das ist toll, wenn man seine Probleme selbst lösen kann und sich nicht irgendwo hinwenden muss. Wenn man weiß, wie die Prozesse im Wald ablaufen, dann kann man eingreifen und eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes gewährleisten.“
Georg Huber, Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Niederbayern, war aus Mainburg angereist und äußerte seine Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik in Berlin und Brüssel: Es sein unglaublich, was Politiker vorschrieben, die null Ahnung von unserer Arbeit hätten. „Unser Wald ist unser Eigentum, und Eigentum und Bewirtschaftung sind nicht verhandelbar. Das Bundeswaldgesetz enthält Sätze, die nicht nachzuvollziehen sind und uns die Arbeit erschweren“, so Huber. Die EU wolle, dass Bäume jetzt in lateinischer Sprache benannt würden und die Flurstücke mit GPS-Daten angegeben würden. „Noch eine Bitte zum Abschluss: Kontrollieren Sie Ihre Wälder in Hinsicht auf den Borkenkäfer.“
Lorenz Waldinger blickte auf das Jahr 2023 zurück: „Wir haben zahlreiche Waldbegehungen sowie Schulungen für unsere Mitglieder durchgeführt. Die WBV Mühldorf ist jetzt Teilhaber der Inn-Salzach-Hackschnitzelheizung GmbH, deren Sitz Töging ist.“
Im Sommer sei man vom ersten Entwurf des neuen Heizungsgesetzes schockiert, Holz sollte nicht mehr als nachhaltiger Rohstoff gelten. Daraufhin habe man die Politik eingeschaltet: Stephan Maier von der CSU, Sandra Bubendorfer-Licht von der FDP und Karl Bär von den bayerischen Grünen hätten geholfen. Nur die SPD habe keine Zeit für die Waldbauern. „Der Holzeinschlag im Sommer war überschaubar, mit dem Borkenkäfer hatten wir wenig Probleme“, so Waldinger weiter. „Der Schneebruch im Dezember verursachte verheerende Schäden in unseren Wäldern und bedeutete eine Nullrunde für die Waldbauern. Es war auch wenig Nutzholz, wenig sägefähiges Holz aus dem Wald zu holen. Die Reste des Schneebruchs werden uns im Sommer Probleme machen, umfangreiche Pflanzaktionen werden notwendig sein.“
Im Anschluss gab Ilse Preisinger-Sontag einen detaillierten Bericht über die finanzielle Situation der Mühldorfer Waldbauern, die finanziell auf einer soliden Basis stehen.
Michael Erber, scheidender Geschäftsführer der WBV Mühldorf, lieferte einen Bericht über den Holzmarkt und die Geschäfte der Waldbauern ab: „92 Prozent unseres Holzes machen Fichten und Tannen aus. Der Durchschnittspreis bei unserer gesamten vermarkteten Holzmenge betrug 427 Euro pro Festmeter. Insgesamt waren es 34058 Festmeter an Holz, die wie erwirtschafteten. Derzeit verzeichnen wir einen Mitgliederstand von 1614 Waldbauern.“
Georg Baumgartner vom Pollinger Sägewerk stellte anschließend den Verein „Wir bauen auf heimisches Holz“ vor, eine Institution, die die Wertschöpfungskette Forst und Holz in Südostbayern stärken will. Ihm zufolge ist der entscheidende Faktor, um die Regionalität und damit die Nachhaltigkeit zu fördern, eine Zusammenarbeit von Forstleuten, Sägern, Zimmerern, Planern und Architekten. Auch die Kommunen müssten hier ins Boot geholt werden, ebenso wie der Bauherr.
Holzbau
muss sich wandeln
Inhaltlich ins selbe Horn stieß auch Zimmerermeister Thomas Tröstl aus Obertaufkirchen in seinem Vortrag „Holzbau muss sich wandeln“.
Er forderte: „Wir müssen unser Holz regional verwerten, es ist viel zu viele Tausend Kilometer unterwegs, wenn es aus dem Ausland gekauft wird. Die Kommunen und die Häuslebauer müssen davon überzeugt werden. Und auch ein wichtiger Punkt: Die Bürokratie muss vereinfacht werden!“
Während der Vorträge wurden die Waldbauern auch gut verköstigt, es gab Rehragout vom heimischen Reh.