Haag – Hautnah erlebten die Haager vor knapp 80 Jahren das Kriegsende. Heimatforscher Ludwig Meindl hat in den Archiven Aufzeichnungen aus jener Zeit gefunden.
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde danach auch in Haag geschossen. Gegen die anrückenden Amerikaner verschanzten sich die deutschen Soldaten in der Post, im Kern-Sägewerk gegen Norden, im Schex-Stadel gegen Süden und bei der Ruf-Werkstatt (heute Eisdiele) gegen Osten. Den ganzen Tag wurde geschossen, so eine Chronik. „Gefallen in Haag i.OB“, dieser Satz erinnerte an den 8. Mai.
Gardinen am Besen
aus Fenstern gehängt
Schon vorher hatten Tiefflieger beim Hambeck in Kogl zwei Ochsen und eine Milchkuh erschossen. Ab da bekamen die Kinder schulfrei. Zur Befreiung sollen die Haager nicht gewunken haben, nur ein „evakuierter Herr grüßte mit dem weißen Taschentuch“. Die Bürger hängten zum Zeichen der Kapitulation Gardinen am Besenstil aus den Fenstern, heißt es in Aufzeichnungen aus jenen Jahren.
Schlimm war laut den historischen Quellen Bürgermeister Julius Rößler dran, der bis zum 10. Mai im Amt bleiben musste. Immer wenn neue Truppen kamen, wurde er verhaftet. Stundenlang wurde er in der Stube verhört. Rößler wurde zu den kriegsgefangenen Franzosen abgeführt – kam aber letzten Endes wieder frei.
„Äußerst unfreundlich“ sollen „die Amis“ gewesen sein. Eine Ausnahme schien es beim Marsch nach Blümöd gegeben zu haben. Hausherr Sachseder befand sich gerade beim Rasieren, als sie kamen und einer unmissverständlich zum Fenster herein schrie, er möchte was zum Trinken. „Was soll ich ihm schon geben?“, dachte Sachseder und hielt ihm kurz entschlossen das Rasierwasser hin. Der Amerikaner nahm einen Schluck, noch einen und stellte das Fläschchen zum Erstaunen des Blümöders mit dem Kommentar zurück: „Very good!“
Am 2. Mai rollten die ersten amerikanischen Spähpanzer von Norden über die B15 nach Haag. Beim Bahngleis bezogen sie Stellung und eröffneten das Feuer – in der BayWa hatten sich nämlich 80 Soldaten, 17- und 18-Jährige, verschanzt. Sie „flüchteten nach allen Seite“, so ein Augenzeuge. Den Gottesdienst besuchten an diesem Tag nur fünf Gläubige.
Noch gingen SS-Männer herum und wollten das Hissen von weißen Flaggen verhindern, berichtet die Chronik. In der ersten Maiandacht rief der Haager Geistliche Dr. Gruber sogar noch zum „opferbereiten Durchhalten“ auf. 30 SS-Männer hielten sich nach wie vor in der Post (heute Molkerei Jäger) auf. Vom Molkereibesitzer forderten sie 200 Zentner Käse und 50 Zentner Butter zur Verpflegung. Der lieferte aber nur zwölf Zentner, obwohl die Soldaten mit „Umlegen“ drohten.
Nach der Besetzung Haags durch die Alliierten waren in der Pfarrkirche 1000 deutsche Gefangene einquartiert. Dann marschierten sie ab: Hungernd, frierend, müde, „junge Menschen, welche die letzten Wochen zu alten Männern gezeichnet hatten“, wie es in Aufzeichnungen heißt.
In dieses Durcheinander fiel das Fronleichnamsfest. „Sehr zahlreich und würdig gestalteten es die Haager, hieß es in Aufzeichnungen. Das soll auf die Amerikaner „mächtig Eindruck gemacht“ haben. Sie schienen den Katholiken am Ort „recht gläubig“, weil sie „den Rosenkranz beteten“.