Aus dem Knast ins E-Automobil

von Redaktion

Das Interessanteste am Betrieb eines Elektroautos sind die wegweisenden Wortbeiträge der Fahrer von Benzinern. Die wissen nämlich immer sehr genau, wie das so ist, mit dem Elektroauto. Dass E-Autofahrer zum Beispiel im Winter stets mit Mütze, Schal und Handschuhen unterwegs sind, weil sie zum Stromsparen die Heizung ausschalten müssen. Oder dass die Suche nach einer Ladesäule aufwendiger ist als die nach der berühmten Stecknadel in manchem Haufen. Oder dass das Stromtanken so irrsinnig teuer ist.

Da schmunzelt man als E-Automobilist wissend in sich hinein und hofft, dass keiner auf die wahre Crux der Stromer kommt: Wenn das Kabel erst angesteckt ist, ist Warten angesagt, bis die Batterie abfahrbereit ist. Da kommt manchmal eher noch Godot vorbei.

So viele stromern schon.

In der Stadt Mühldorf ist das – bis auf das Warten – alles ganz anders. Da fährt nicht nur der Bürgermeister elektrisch vorne weg, auch der ehemalige ODU-Chef und der aktuelle TSV-Boss, der Kino-Betreiber oder einer der alteingesessenen Anwälte, die Nachbarin, der Kollege und auch der Autor dieser Zeilen stromern. Und die Stadt will ausdrücklich die E-Mobilität fördern.

Früher, in der e-mobilen Urzeit, stand mitten auf dem Stadtplatz sogar eine Ladesäule der Stadtwerke, an der es kostenlos Energie gab. Das ist inzwischen vorbei, weil sich nicht nur die oben genannten Damen und Herren das eine oder andere Kilowatt durchaus leisten und dafür bezahlen können. Dafür gibt es inzwischen im ganzen Stadtgebiet an fast jeder Ecke Ladegelegenheit. Supermärkte bieten schnelle und langsame Stromsäulen an, im Osten, im Westen finden sich große Tankstellen, selbst hinter dem Haberkasten stehen Hochleistungslader.

Besonders beliebt unter den Stromern: die kostenlose und langfristige Möglichkeit, im Altstadtbereich zu parken, wenn das Auto mit Elektrizität fährt. Wie herrlich, wenn jeder Diesel-Enthusiast im eiskalten Winterwind mühsam und ohne Handschuhe sein Scheinchen aus dem Automaten friemeln muss, während der E-Fahrer bequem auf dem Sitz mit der Heizung fletzt und nur kurz an der Parkscheibe dreht.

Der schönste Platz der Stromzukunft aber findet sich in Mühldorf-Süd. Dort, direkt im Hof vor dem Gefängnis, stehen neuerdings zwei Ladesäulen. Ein wahrlich durchdachter Ort und Anlass, die E-Mobilität in Mühldorf auf einen besseren Weg zu bringen. Denn sollte einmal ein E-Auto-Fahrer dort eine Haftstrafe verbüßen müssen, kann er anschließend mit stets voller Batterie in die Resozialisierung schnurren. Zeit genug fürs Laden hat sein Auto dort jedenfalls.

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