Ein jazziger Ritt durch die Musikgenres

von Redaktion

Trio bietet bei Atelierkonzert von Silke von Clarmann im InnCarrée abwechslungsreichen Abend – Kleine Ausstellung

Mühldorf – Da das zehnte Atelierkonzert im InnCarrée Mühldorf von drei Musikern bestritten werde, müsse sie doch etwas Weibliches dagegensetzen, meinte Hausherrin Silke von Clarmann. Und dies geschah eindrucksvoll durch vier Frauenbilder in kräftigem Magenta-Rot als Umrahmung der Musikbühne. Er aber habe durch Reimo Oberth 2017 erste Jazz- Erfahrungen erlebt, ergänzte Dr. Stephan von Clarmann bei der Begrüßung.

Mit Rose Room, bekannt geworden durch Duke Elington, verstanden es Paul Leutmayr am Kontrabass, Frank Riepl mit seiner Rhythmus- Gitarre und Sologitarrist Reimo Oberth, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Im warmen Rumba- Sound ging es weiter mit Cole Porters Begin the Beguine, dem der dumpf einsetzende Limehouse Blues folgte.

Ihn hatte der Namensgeber des Abends Django Reinhardt bekannt gemacht. Dass die Musiker sich auch sehr gut auf Eigenkompositionen verstehen, bewiesen sie mit ihrem Swing No.1 – und viele unter den Zuhörern wippten bereits im Rhythmus mit, was sich auch bei Poco Paco, dem knatternden Landfahrzeug‘ fortsetzte. Faszinierend dabei der Blickkontakt von Kontrabass und Rythm Guitar mit Leader Reimo Oberth – und der teilweise lautstarke Beifall bewies: Das ist ein Abend so richtig nach dem Geschmack des Publikums! Beim Dream of you war wohl so mancher in Gedanken bei seinem Traumpartner, als Oberth ganz bewusst manche Passagen verlängerte bis zum sanften Ausklang.

Mit dem Swing 48 folgte eine weitere Eigenkomposition, mit ansteckender Spielfreude vorgetragen. Über Indifference von einem, der keinen Erfolg hat, ging es weiter zum entspannenden Chanson C‘est Si Bon, bekannt geworden durch Yves Montand: „Es ist gut so – ich weiß nicht, ob es eine Schönere gibt.“

Beinahe unheimliche Fingerfertigkeit, ja vollen körperlichen Einsatz bewies das Trio beim Troublant Bolero von Django Reinhardt. La Gitane, die Zigeunerin, begann ruhig, allmählich kristallisierte sich die Melodie heraus und das Tempo nahm rasant zu. The Phrygian brachte eine besondere Oktavgattung zu Gehör, deren Rhythmus man sich nicht versperren konnte. Sehr persönlich wurde es beim Stück For Luka, das den Vollblutmusiker Oberth zum Komponieren verleitet hatte: Sein Hund, dem der Titel gewidmet ist, ist erst vor einem Monat gestorben.

Als klassisches Soulstück danach Never to much: Ich kann nicht genug von dir bekommen, das als erste Zugabe des Trios zu hören war. Mit Poinciana, einem umgearbeiteten Volkslied von einem blühenden Baum, sollte endgültig Schluss sein.

Doch das Trio hatte die Rechnung ohne die Zuhörer im Atelier ‚Augenblicke‘ gemacht: Erst nach Michael Jacksons Jahrhundertsong Thriller, lautstarken Bravorufen und langem Beifall wollte man sich von den drei Musikern trennen.fis

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