Waldkraiburg – Man beging nicht nur am 27. Februar feierlich seinen 125. Ge- burtstag: Das Haus der Kultur präsentiert nun in der Studiogalerie über Waldkraiburgs ersten Bürgermeister Hubert Rösler zusammen mit der tschechischen Grafic Novel über vertriebene Kinder aus dem Sudetenland in der städtischen Galerie seine wohl größte Ausstellung. Zusammengestellt wurde sie von Stadtarchivar Konrad Kern unter Mithilfe des Stadtmuseums sowie weiteren Helfern und Sponsoren.
Kulturreferentin Lydia Partsch meinte bei der Eröffnung der Ausstellung: „Besonders beeindruckend sind die Illustrationen von fünf tschechischen Künstlern über fünf vertriebene deutsche Kinder und ihr Schicksal“, so Partsch. Dazu war Heike Birke vom Landsberger Verlag zur Vernissage gekommen, der die Bilder in Buchform herausgebracht hat. Museumsleiterin Elke Keiper verwies anschließend auf den Rundgang, den der Stadtarchivar durch die Rösler-Ausstellung in der Studiogalerie bot. Dabei kamen Kern seine guten Kontakte mit Tschechien zugute, die es möglich gemacht hatten, die Ausstellung mit rund 200 Fotos zu bebildern. Außerdem war die Großfamilie Rösler mit ihren Leihgaben aus dem Nachlass sehr hilfreich. So erfuhr man, dass Hubert Rösler nach dem Besuch der TH Prag 1929 das väterliche Baugeschäft im böhmischen Hirschberg bis 1945 leitete, dort auch seine Gertrud kennengelernt und geheiratet hatte. Fünf Töchter und ein Sohn wurden geboren, doch geriet Rösler in Internierungshaft und seine Frau und die Kinder wurden in die sowjetisch besetzte Zone abgeschoben, wo Gertrud Rösler von einem sowjetischen Soldaten erschossen wurde. Ihr Mann gelangte schließlich 1946 nach Waldkraiburg, wo er schon 1947 einen Siedlungs- und Wirtschaftsplan für das ehemalige DSC-Gelände entwarf. „Mit ganzer Kraft setzte er sich für die Gründung einer Gemeinde Waldkraiburg ein“, so Kern, „und er bewältigte diese Herkulesaufgabe grandios.“ 1950 standen erste Wahlen mit zwei Parteien an, der SPD und der Unabhängigen Wählergemeinschaft und Männern wie Emil Lode, Wilhelm Dickow und eben Hubert Rösler. Sie erhielten 63,8 Prozent der Stimmen und so wurde Rösler der erste Bürgermeister de Gemeinde Waldkraiburg, ein Amt, das er bis 1966 innehatte. „Wir wollen hier eine Heimat finden und zwar in einer bayerischen Gemeinde“, betonte er ausdrücklich, „und dafür muss Wohnraum geschaffen werden“, was ihm auch gelang.
1950 hatte Waldkraiburg 3656 Einwohner, 1965 waren es bereits 13400 und 2815 Wohneinheiten waren geschaffen worden. Die Hälfte dieser Bauten wie auch die beiden Bunkerkirchen, die erste Volksschule ‚Josef von Eichendorff‘ und die Diesel-Mittelschule stammten von seinen Mitarbeitern im Ingenieurbüro. Doch auch das erste Waldbad aus einem Löschteich des DSC-Werks entstand wie auch das Haus Sudetenland und eine Kläranlage auf dem Glatzberg und die Versorgung mit Erdgas begann. „So könnte man noch vieles aufzählen, was dieser Pionier und Stadtgründer geschaffen hat“, beendete Konrad Kern unter dem Beifall der Zuhörer seinen detailreichen Vortrag.
Ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung wird geboten, das in der Stadtinfo zu finden ist.fis