Kraiburg schließt sich Regionalwerk an

von Redaktion

Entscheidung gefallen: Kraiburg hat einen Beitritt zum Regionalwerk fix gemacht. Ausschlaggebend für die Gemeinde war eine Perspektive, die in die Zukunft weist. Welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen könnten.

Kraiburg – Ein erstes Signal, aber zunächst keine finale Zusage: Knapp hatte sich voriges Jahr der Kraiburger Gemeinderat für einen grundsätzlichen Beitritt zum Regionalwerk entschieden. Aber verbindlich festlegen wollte sich die Gemeinde erst, wenn ein Businessplan vorliegt und es konkrete Verträge gibt.

Das ist mittlerweile der Fall, das Regionalwerk deshalb erneut Thema im Gemeinderat. „Das Regionalwerk bietet die Möglichkeit, sich direkt an Anlagen zu beteiligen“, fasste es Bürgermeisterin Petra Jackl (CSU) kurz zusammen. Aber sie blickt auch schon langfristig in die Zukunft. Denn das Regionalwerk könnte noch einen weiteren Mehrwert den beteiligten Gemeinden und deren Bürgern bieten. „Langfristig ist es geplant, dass die Bürger der beteiligten Gemeinden vergünstigte Stromtarife bekommen können.“

Ein Ziel, das die Kraiburger Gemeinderäte überzeugt. „Es ist zwar noch Zukunftsmusik, aber die Vorteile sind fast zu attraktiv“, meinte etwa Andreas Fischer. Auch Ludwig Kamhuber sah große Vorteile darin, den Bürgern über das Regionalwerk eine eigenständige Stromversorgung und damit auch günstigere Tarife anbieten zu können. „So ist eine Unabhängigkeit von großen Konzernen zu schaffen.“

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist für Anton Voglmaier ein wichtiger Punkt. „Der Atomausstieg fordert Alternativen.“ Alternativen, die man nach Ansicht von Adrian Hilge (SPD) noch mit Speichermöglichkeiten ergänzen müsse. Ein Schritt, den auch Kamhuber kommen sieht.

Vom Beitritt zum Regionalwerk erwartet sich Werner Schreiber (SPD) einen Mehrwert für die Gemeinde. „Auf Sicht könnte man damit von großen Stromanbietern unabhängig werden. Das ist nur im Verbund zu schaffen“, war er überzeugt. So sah es auch Claudia Pickart (Grüne): „Für das Gemeinwohl sollten wir mit anderen Gemeinden in das große Ganze investieren.“ Damit die Energie dorthin gebracht wird, wo sie benötigt werde – meinte Franz Kifinger.

Doch es gab auch Kritik: Ernst Kirmeier will sich beispielsweise nicht von hypothetischen Überlegungen beeinflussen lassen. In den großen Energie-Projekten sah Markus Huber eine direkte Konkurrenz zu privaten Photovoltaikanlagen. „Wenn zu viel grüner Strom gleichzeitig produziert wird, werden die Hausanschlüsse abgeschaltet.“

Mit drei Gegenstimmen entschied sich der Kraiburger Gemeinderat final für einen Beitritt zum Regionalwerk.

Aber wann könnte es so weit sein, dass Bürger im Landkreis direkt vom Regionalwerk profitieren? Mit der Gründung des Regionalwerks geht es jetzt erst einmal Schritt für Schritt voran. „Das vorrangige Ziel besteht aktuell in der Errichtung von Erzeugungsanlagen zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien“, erklärt auf Nachfrage Thomas Perzl, Geschäftsbereichsleiter und Wirtschaftsförderer im Landratsamt Mühldorf. Langfristig erhofft er sich aber regionale Tarife, wie es sie beispielsweise in Landkreisen in Nordbayern gibt.

Voraussetzung dafür sei, dass ein wesentlicher Teil des Strombedarfs eines „potenziellen Versorgungsgebiets“ durch eigene Anlagen gedeckt wird. „Die konkrete Umsetzung hängt maßgeblich von den lokalen Gegebenheiten sowie den energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab“, erklärt Perzl.

Wann dies so weit sein könnte, dazu kann er bislang nichts sagen. Denn für regionale Stromtarife braucht es erst einmal eigene Anlagen für erneuerbare Energien – mit entsprechender Leistung. „In diesem Bereich stehen wir mit dem Landkreiswerk in den Startlöchern.“

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