Gars – Die beiden Sommerkonzerte sind immer ein untrügliches Signal, dass die Sommerferien vor der Tür stehen. Dementsprechend ist die Stimmung: mit einem fröhlichen Schlussakkord das Schuljahr beenden, das lange und oft Geprobte zu Gehör bringen und sich dabei schon auf die ganz große Pause freuen. Letzteres gilt natürlich auch für viele der Eltern in der an beiden Abenden voll besetzten Halle. Und es ist immer wieder erstaunlich, welche enorme Menge an Schülern, unterstützt durch eine ganze Reihe von mitmusizierenden Lehrkräften, an diesem Abend auf der Bühne stehen, und das, obwohl das Gymnasium Gars ja kein musisches Gymnasium ist, aber eben ein sehr musikalisches.
Alle Ensembles sind an allen Instrumenten durchgängig gut besetzt, die Chöre breit aufgestellt mit vielen erfahrenen Sängern. Es ist etwas dran, wenn Schulleiter Julian Zwirglmaier bei der Abmoderation stolz feststellt: „Man hat den Eindruck, dass an einem solchen Abend die ganze Schule auf der Bühne steht.“ Welche Bereicherung durch die Musik für die jungen Menschen über den Unterrichtsalltag hinaus – und welche Freude für die Gäste im Saal.
Ob das Experiment, die Programmpunkte von der Unterstufentheatergruppe, unterlegt mit Pantomime, vortragen zu lassen, schon rundum gelungen war, kann man vielleicht noch diskutieren, auch wenn die jungen Schüler durchaus charmant und nett „rüberkamen“. Nicht immer leicht verständliche und zum Teil komplexere Ansagen – es werden ja nicht nur Abba und Beatles gespielt – weckten bei manchen dann doch den Wunsch, zu wissen, welches Stück wann und von wem intoniert wird, auch im Sinne einer Wertschätzung der Mitwirkenden.
Aber zurück an den Anfang, an dem traditionell die Bläser unter der Leitung von Stefan Christofori mit sattem Sound gleich einmal ein musikalisches Ausrufezeichen setzen. Von den Beatles bis zur Polka reicht an diesem Abend das Repertoire. Etwas gedämpfter, aber dafür heiter und leicht dann die von Korbinian Kebinger betreute Volksmusik, die ihre drei Stücke ebenfalls mit großer Besetzung intoniert. Besonders originell „Unser oide Kath“ mit wechselseitigen Gesangseinlagen.
Dass der Auswahlchor unter Simone Volkmann-Ziche auch immer für Experimente und Anspruchsvolles steht, bestätigt er gleich mit seinem ersten sehr ungewöhnlichen Stück, das mit viel Rhythmik und rapartigen Einlagen üblichen Chorgesang eher „gegen den Strich bürstet“. Mit „I’m still standing“ von Elton John folgt aber ein moderner Ohrwurm, um dann mit einem deutlich kontrastierenden subtil-nuancenreichen „Run to you“ von den „Pentatonix“ zu schließen, leise beginnend über ein Crescendo bis zum erneut leisen Ausklang.
Ein Höhepunkt des Abends dann das Orchester, das mit über 20 Musizierenden nicht nur die Bühne füllt, sondern ein mitreißendes Programm bietet, bei dem nicht unisono vor sich hin gefiedelt wird, sondern Streicher und Bläser immer wieder in vom Orchesterleiter Markus Schalk perfekt einstudierten Stücken dynamisch hervortreten, ob es nun beim sinfonisch vorgetragenen bombastischen „Final Countdown“ der Rockgruppe „Europe“ ist oder bei einem nuanciert intonierten anspruchsvollen Bizet. Und mit „Rawhide“, vielen bekannt aus dem Film „Blues Brothers“, setzt das Orchester an diesem Abend endgültig den „Rhythmus, wo man mitmuss“. An den knüpft die von Stefan Christofori geleitete Big Band nahtlos an, die wahrlich ihren Namen verdient und das Publikum gleich bei vier Stücken mitswingen lässt. Schon beim ersten Titel überzeugt sie mit sattem Big-Band-Sound, beim zweiten wird eine Reihe von knackigen Soli eingebaut und beim dritten mit einer Sängerin aufgewartet, die aufhorchen lässt: Leicht, sicher und mühelos meistert Christina Weikl alle Höhen und Tiefen des bekannten Songs „Can’t take my eyes off you“ – ohne Zweifel ein akustisches Glanzlicht dieses Abends.
Das Finale des Konzerts bestreitet mit einer enormen Zahl an Mitwirkenden der Chor unter Simone Volkmann-Ziche, unter deren organisatorischer Leitung auch der gesamte Abend stand. Mit einem Medley aus gleich fünf Abba-Hits kann man nur richtig liegen, wobei saubere Einsätze und klare Intonation und Aussprache durchgängig überzeugten. Und nach den raffinierten Echos in „Halo“ von Beyonce folgt ein ganz besonderer Abschluss des Konzertabends: ein zackig-rhythmisches indisches Lied, zu dem die anwesenden Gäste vom Schüleraustausch mit einer Schule aus der Hauptstadt Neu-Delhi einen folkloristischen Tanz zeigen.fug