Kirchdorf/Landkreis Mühldorf am Inn – Der Ökofeldtag auf dem Naturland-Betrieb von Josef Heindl in Kirchdorf bei Haag in Oberbayern war auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg. Rund 200 Landwirte nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen im Öko-Ackerbau zu informieren und auszutauschen. Fachvorträge der Saatgutzüchter und Naturland-Fachberater lieferten Einblicke in neue Sorten, Anbaustrategien und aktuelle Forschungsergebnisse.
Bodenfruchtbarkeit
und aktuelle Probleme
In zwei Führungsrunden – am Nachmittag und am Abend – wurden die Gäste in Gruppen über die Flächen des Betriebs geführt. Dabei ging es neben der Sortenschau auch um Fruchtfolgegestaltung, Bodenfruchtbarkeit und aktuelle Herausforderungen im ökologischen Landbau. Organisiert wurde der Ökofeldtag von der RWG Erdinger Land in Zusammenarbeit mit dem Naturland-Verband. Vor Ort standen Ansprechpartner der Saatgutfirmen DSV, Semo Bio, KWS sowie der Naturland Marktgesellschaft für fachlichen Austausch zur Verfügung. Auch Unternehmen aus dem Bereich Düngung und Bodenverbesserung wie S-power, BvG, DüKa, K+S und deNatura präsentierten ihr Portfolio. Ergänzt wurde die Veranstaltung durch Infostände der Öko-Partner IG-Gesunder Boden, Agri Park Oberbayern und Gruber Landtechnik.
In diesem Jahr wurden drei Öko-Dinkelsorten besonders unter die Lupe genommen: Zollernspelz, Pokura und Oberkulmer Rotkorn. Auch der Weizen war Thema beim Feldtag. Die gesunden Weizenbestände dieses Jahres wurden durch die Hitzetage im Juni stark ausgebremst. Aufgrund der verkürzten Einlagerungsphase sind vielerorts geringere Erträge zu erwarten.
„Zur Aussaat am 18. Oktober waren die Wetterverhältnisse genau umgekehrt“ erklärt Josef Heindl, Betriebsleiter und Spartenleiter für Öko-Landbau bei der RWG in St. Wolfgang. „Der ausgesprochen nasse Herbst 2024 machte es nahezu unmöglich, die Bestände noch zu striegeln oder zu hacken.“ Als besonderes Highlight hatte Josef Heindl einen Teil seines Wicken-Roggen-Gemenges auf dem Acker stehen lassen, der Großteil war bereits siliert. Dieses eiweiß- und rohfaserreiche Gemenge eignet sich als Futtermittel für Milchvieh. Eine zu lange Standzeit auf dem Feld birgt jedoch Risiken: Wenn die Wicke abreift und aussamt, lautet eine alte Bauernregel ganz klar: Einmal Wicke – immer Wicke. Dabei spielen Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Vermarktungsmöglichkeiten und der geplante Verwendungszweck eine entscheidende Rolle. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Gefragt ist das Gespür und die Erfahrung jedes einzelnen Landwirts.
Beim Rundgang über die Felder führte der Weg auch zum Maisfeld. Dort stand weniger die Sortenvielfalt im Vordergrund, vielmehr beherrschte ein unerwarteter Schädling das Gespräch. Die Erdraupe tritt in diesem Jahr verstärkt auf, nicht nur in Südbayern, sondern auch in Baden-Württemberg, Österreich und in Teilen der Schweiz. Um welche Art es sich genau handelt, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Fest steht jedoch: Ganz neu ist der Befall nicht. In den vergangenen Jahren kam es vereinzelt bereits zu kleineren Schäden. Doch heuer sind die Symptome deutlich massiver. Die Raupe meidet UV-Strahlung und hält sich tagsüber im Boden auf. Dort frisst sie sich von unten in die Pflanzenstängel. Die Folge: Die gesamte Pflanze knickt ab und stirbt. „Es ist keineswegs gesagt, dass sie im nächsten Jahr erneut in dieser Stärke auftaucht“, erklärt Ewald Pieringer, Berater bei Naturland. Für die betroffenen Landwirte bedeutet das: Flächen gut beobachten, Schäden dokumentieren und den Austausch mit Fachberatern suchen.
Bernhard Heindl bewirtschaftet in Kirchdorf rund 30 Hektar, mit Fokus auf Humuserhalt. Dafür setzt er auf einen Kleegrasanteil von 40 Prozent in seiner Fruchtfolge. „Wenn der Tierbesatz zu Beginn hoch ist, fressen die Tiere sogar den jungen Ampfer“, erklärt er. So erfolgt eine natürliche Reduktion des Ampfers ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand. Neben der Beweidung nutzt Heindl das Kleegras auch zur Heuproduktion. re