500 Jobs sind in der Schwebe

von Redaktion

Zwei Wochen nach Insolvenzantrag: So sollen bei SGF Perspektiven geschaffen werden

Waldkraiburg – Wie geht es für die 500 Mitarbeiter beim Waldkraiburger Autozulieferer Süddeutsche Gelenkscheibenfabrik (SGF) weiter? Vor zwei Wochen hatte die SGF beim Amtsgericht Mühldorf einen Insolvenzantrag auf Eigenverwaltung gestellt. Inzwischen konnten sich der vom Gericht bestellte vorläufige Sachwalter Michael Verken und Gewerkschafter Günter Zellner von der zuständigen IG BCE ein erstes Bild machen und erste Aussagen zur Zukunft der Arbeitsplätze treffen.

Die SGF steckt schon länger in der Krise. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen weltweit noch einen Umsatz von 110 Millionen Euro; für 2025 gehen die SGF-Chefs Arne Festerling und Josef Wimmer von einem weiteren Umsatzrückgang aus.

Auf Nachfrage teilen sie mit, dass die Umsätze in den vergangenen fünf Jahren „innerhalb einer Größenordnung von rund 20 Prozent geschwankt“ hätten. Genaue Zahlen sind weder auf der Webseite des Unternehmens noch im Unternehmensregister des Bundesanzeigers zu finden; dort sind für die GmbH & Co. KG – Stand 9. September 2025 – gar keine Jahresabschlüsse hinterlegt.

Bisherige Maßnahmen haben nicht geholfen

Seit Anfang 2023 versuchten die SGF-Chefs, das Unternehmen wieder auf gesunde Beine zu stellen, sie schlossen das Werk in Waltershausen, passten interne Entscheidungen ab. Ohne Erfolg: Die Verschuldung wurde jetzt so hoch, dass Festerling und Wimmer zum Amtsgericht gehen und einen Insolvenzantrag auf Eigenverwaltung stellen mussten. Nachfragen zur konkreten Schuldenhöhe und dem Grund für die Schulden wurden bislang nicht beantwortet. Insolvenz unter Eigenverwaltung heißt, dass das Unternehmen weiterhin selber verantwortlich ist. Als „Aufpasser“ benennt das Gericht aber einen Sachwalter; er prüft eine ordnungsgemäße Geschäftsführung im Einklang mit den Insolvenzregeln. Das ist bei der SGF Michael Verken, der auch bei der Sanierung der Kathrein-Gruppe in Rosenheim beteiligt ist.

„Wenn das Gericht sagt Eigenverwaltung, dann scheint schon noch so viel da zu sein, dass man es nicht ganz baden gehen lässt“, schätzt Gewerkschafter Zellner die Lage ein. Als Automobilzulieferer ist SGF auch Opfer der allgemeinen Marktschwäche. „Die Elektromobilität hat in den vergangenen Jahren zwar an Bedeutung gewonnen, blieb jedoch hinter den ursprünglichen Markterwartungen zurück“, teilen die SGF-Chefs auf Nachfrage mit. Der Markt für E-Fahrzeuge habe sich schlechter entwickelt als angenommen.

„Mit unserem Competence Center Metal sind wir dennoch frühzeitig strategisch aufgestellt“, schreiben die SGF-Chefs. „In Kraiburg wurde eine hochmoderne Fertigungslinie für ein präzises Edelstahlbauteil etabliert, das in Hochleistungs-E-Maschinen zum Einsatz kommt. Diese Investition unterstreicht unsere technologische Kompetenz in der Kaltumformtechnik und unsere Innovationskraft – gerade in einem herausfordernden Marktumfeld.“ Ein Markt der zunehmend schwerer werde, wie der Mühldorfer Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Florian Loserth bestätigt: „Der Wind wird rauer. Die weltwirtschaftliche Lage ist auch im Landkreis Mühldorf zu spüren.“

Auch in Bayern würden die Insolvenzanmeldungen zunehmen. „Unsere Region kann sich von der bayernweiten Entwicklung nicht abkoppeln.“ Um das Aus abzuwenden, setzt die SGF auf einen Investor. Der werde weltweit gesucht, erklärt Sachwalter Verken den OVB-Heimatzeitungen. „Es gibt schon erste lose Interessensbekundungen. Es ist nicht so, dass die Branche komplett am Boden ist. Es gibt immer noch Unternehmen, die gekauft werden.“ Aber es werde schwieriger, „definitiv“.

Das bestätigt Gewerkschafter Zellner. Die IG BCE habe bundesweit Erfahrungen mit Insolvenzen im Automobilbereich, kenne auch die Investorenszene. Zellner: „Da gibt es immer noch welche, die investieren wollen.“

Mitarbeiterabbau für Investor zu teuer

„Es geht um die bestmögliche Verwertung“, erklärt Verken. Das schließe auch den Erhalt der Arbeitsplätze mit ein. Ein Kauf mit anschließender Werkschließung wäre ein „Riesen-Thema“. Das wären zusätzliche Kosten, dann wäre ein Kaufpreis „utopisch hoch“.

Auch Verken möchte jetzt erst einmal alle an Bord halten, ebenso die Lieferketten und versuchen auch in dieser Phase an neue Aufträge zu kommen, „vorwärts zu kommen“, die Lieferkette zu erhalten und zu schauen, neue Aufträge zu bekommen, „um eine Perspektive zu schaffen“.

Alle ziehen
an einem Strang

„Wir als Geschäftsführung sind von verschiedenen Menschen und Unternehmen kontaktiert worden mit der klaren Aussage, dass man unseren nun eingeschlagenen Weg unterstützt“, teilen die SGF-Chefs mit.

Hier ziehen die Chefs und der „Anwalt der Mitarbeiter“, Gewerkschafter Zellner, an einem Strang. Zellner: „Die Zielsetzung von uns und der Arbeitgeberseite ist es, die Firma und die Arbeitsplätze zu erhalten.“

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