Mühldorf – Die Initiative „Mühldorf ist bunt“ wurde ihrem Namen beim ersten Christopher Street Day (CSD) in der Kreisstadt nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch gerecht: Sticker und Drucke in allen Farben des Regenbogens auf Plakaten und Bannern, T-Shirts, Jacken und Mänteln, Regenbogenfahnen überall, allerdings mit einer Ausnahme: am Rathaus, was für Unverständnis und Buhrufe sorgte. Die Initiatoren der Veranstaltung hatten extra eine Fahne im Rathaus vorbeibringen lassen.
Doch die Laune ließen sich die rund 600 Teilnehmer auch von der Entscheidung des Bürgermeisters, auf die Regenbogenfahne zu verzichten, nicht verderben: Mit viel Musik und einem bunten Umzug ging es durch die Altstadt. Man wollte zeigen, dass Mühldorf bunt ist.
Organisatoren
überwältigt
Daniel Mareyen als Sprecher der Veranstalter war sehr zufrieden mit der Resonanz: „Wir hatten natürlich gehofft, dass viele Besucher kommen, aber jetzt sind wir schon ein bisschen überwältigt, wie schön es ist und wie gut alles abläuft“, hatte er schon geäußert, bevor er von der Bühne am Stadtplatz die Gäste begrüßte.
Durch das umfangreiche Programm des CSD führten zwei „Stars“ der Szene: Lazy Roid aus dem Bayerischen Wald und Ann Holy aus Altötting brachten Farbe auf die Bühne und Schwung ins Publikum mit lockeren Sprüchen. Beide lobten den ersten CSD Mühldorf als „wichtiges Zeichen für die Sichtbarkeit der queeren Community“, dies sei gerade in kleineren Städten und im ländlichen Raum von großer Bedeutung.
Einen großen Auftritt hatte Silvia Franceska, „Schlagersängerin aus Verzweiflung“, wie sie sich selbst ironisch bezeichnete. Ihre Musik brachte die Menge zum Tanzen, aber auch zum Nachdenken wegen ihrer eigenen Geschichte als „die kleine Lesbe aus Mühldorf“. Es habe durchaus seine Zeit gedauert, bis die Unsicherheit einem gesunden Selbstbewusstsein gewichen war.
Für weiteren Hörgenuss sorgten die Band „Frida“ und die Garser Schulband „Black Glasses“, die, obwohl im zarten Teenageralter, mit Heavy Metal aufspielten wie Profis.
Zu hören gab es auch Reden: Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Victoria Brossart, übte heftige Kritik am Vorgehen der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die das Aushängen einer CSD-Fahne vor dem Bundestag verboten hatte. Brossart appellierte an das Publikum, sich weiterhin nicht zu verstecken, sondern sich einzubringen und die Stimme laut zu erheben für die Rechte der queeren Community.
Der Landtagsabgeordnete Sascha Schnürer von der CSU, die mit ihm, Landrat Max Haimerl und dessen Stellvertreterin Ilse Preisinger-Sontag sowie Bezirksrätin Claudia Hausberger und Stadtratsfraktionsvorsitzendem Stefan Lasner prominent vertreten war, stellte klar, dass Demokratie vor allem bedeute, dass man seine Meinung frei und ohne Angst äußern könne, auch auf dem Stadtplatz und gerade bei einer so wichtigen Veranstaltung wie dem CSD. Er stellte fest, dass angesichts des fröhlichen und friedlichen Ablaufs einer Wiederholung wohl nichts im Wege stehen werde.
Sandra Marie Baumgartner als Vertreterin der Jusos appellierte in ihrer eindringlichen Rede dafür, dass „queere Menschen endlich anerkannt werden, auch wenn es ein langer Weg ist – aber wir sind viele, wir sind stark und wir werden das schaffen!“.