von Redaktion

So ist die Situation im Landkreis Mühldorf an Grund- und Mittelschulen

Mühldorf – Obwohl die Zahl der Schüler im Landkreis Mühldorf weiter steigt, kann das Staatliche Schulamt die vorgegebenen Anforderungen an den Unterricht, die sogenannte Stundentafel erfüllen. Das geht aus einer Anfrage der OVB-Heimatzeitungen hervor.

129 Schüler mehr
als im Jahr 2024

Demnach gehen in diesem Schuljahr 129 mehr Mädchen und Buben in die Grund- und Mittelschulen im Landkreis. Insgesamt sind es 7207 Schüler, die sich auf 346 Klassen verteilen. Das ist die gleiche Klassenanzahl wie im vergangenen Jahr, durch die leicht gestiegene Schülerzahl erhöht sich damit die Klassenstärke ebenfalls leicht.

In den Grundschulen besuchen durchschnittlich 21,75 Kinder eine Klasse, im Vorjahr waren es nur 21,31. Im Bereich der Mittelschulen gehen durchschnittlich 19,27 Jugendliche in eine Klasse, 2024 waren es nur 18,97. Sie werden von 546 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet, einige von ihnen arbeiten in Teilzeit. „Die vorgegebene Stundentafel konnte erfüllt werden“, erklärt dazu Landratsamtssprecher Wolfgang Haserer.

Besonderer Bedarf
bei Mittelschulen

Laut dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung ist die Stundentafel ein offizielles Dokument, das für die unterschiedlichen Schultypen festlegt, welche Fächer in welchen Jahrgangsstufen mit welchen Mindest- und Höchstwochenstundenzahlen unterrichtet werden müssen. Sie ist die Grundlage für die Unterrichtsplanung.

„Aktuell hat jede Klasse im Landkreis eine Klassenlehrkraft“, erklärt Schulamtsdirektor Rüdiger Braun. „Besonderer Bedarf bestand im Bereich der Mittelschulen“.

Durch die Gewinnung von Frauen und Männern ohne Lehrerausbildung, sogenannten Substitutions- oder Unterstützungskräften, hätten alle Schulen ausreichend versorgt werden können. Diese Substitutionskräfte bringen laut Braun bestimmte Voraussetzungen für die Tätigkeit mit, wie ein Studium oder sind entsprechend fortgebildet worden.

Dabei hat das Schulamt ungewöhnliche Wege beschritten, sagt Braun: „Wir haben im Juni über die Social-Media-Kanäle des Landkreises gezielt nach schulischen Unterstützungskräften gesucht und erfreulicherweise zahlreiche Rückmeldungen bekommen.“ Aus diesem Pool seien mehrere Unterstützungskräfte gewonnen und die eine oder andere Lücke geschlossen worden.

37 Prozent der Lehrkräfte arbeiten laut Schulamt in Teilzeit – davon wiederum ein Drittel mit weniger als der Hälfte der maximalen Stundenzahl. In der aktuellen Diskussion um die Arbeitszeit von Lehrern, zuletzt befeuert von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, gibt sich Braun zurückhaltend. „Es gibt mit Sicherheit Konstellationen, in denen ein Vollzeitlehrer einfacher einzuplanen wäre“, sagt er. „Das betrifft vor allem das Thema Klassenleitung.“ Wenn sich Teilzeitlehrer eine Stelle teilten, müsste dies koordiniert werden. Es gibt aber auch Konstellationen, in denen ein Teilzeitlehrer passgenau die noch offenen Stunden an einer Schule auffüllen kann.

Zahl der mobilen
Reserven erfüllt

Ebenfalls erfüllt ist laut Schulamt die geforderte Zahl von mobilen Reserven. Dabei handelt es sich um Lehrerinnen und Lehrer, die einer Schule zugewiesen sind, und bei Krankheit, Mutterschutz oder sonstigen Ausfällen von Lehrern an die betroffenen Schulen entsandt werden, um dort die Fortsetzung des Unterrichts zu garantieren.

Im Landkreis sind das 25 Vollzeitstellen, die dieser mobilen Reserve zugerechnet werden. „Die geforderte Zahl von mobilen Reserven konnte gebildet werden“, heißt es dazu aus dem Schulamt.

Ein großer Teil der 7207 Schüler im Landkreis hat laut Schulamt ausländische Wurzeln: „Der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis beträgt circa 34 Prozent“, erklärt Landratsamtssprecher Haserer auf Anfrage.

Schulamtsdirektor Braun will keine Gleichsetzung von einer hohen Zahl von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund und besonderen schulischen Herausforderungen. Denn schon wenn ein Elternteil im Ausland geboren worden sei oder zu Hause eine andere Sprache gesprochen werde, gelte ein Kind statistisch gesehen als Schüler mit Migrationshintergrund. „Das relativiert zum einen den Anteil von 34 Prozent an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis Mühldorf. Zum anderen bedeutet es eben nicht, dass hier automatisch schulische Probleme entstehen.“ Viele dieser Kinder sprächen Deutsch und seien in den Klassen gut integriert.

Eingespielte
Unterstützung

Wo Förderbedarf bestehe, verfüge das Schulamt über eingespielte Unterstützungsangebote – etwa die schulartunabhängigen Deutschklassen, die Deutsch-Plus-Kurse, die Vorkurse oder auch die ESF-geförderten Maßnahmen. ESF steht für den Europäischen Sozialfonds zur Förderung von Praxis- oder Deutschklassen. „Diese Instrumente greifen und helfen den Kindern, ihre sprachlichen Kompetenzen schnell zu verbessern“, sagt Braun.

„Die zentralen Herausforderungen für unsere Schulen ergeben sich daher nicht allein durch den Migrationshintergrund der Kinder. Ebenso treten Probleme auf, wenn Schülerinnen und Schüler aus belasteten sozialen Verhältnissen kommen oder wenn psychische Auffälligkeiten vorliegen.“ Dann erfordere die individuelle Förderung oft besonders viel Aufmerksamkeit und zusätzliche Ressourcen.

„Unser Auftrag ist es deshalb, jedes Kind mit seinen individuellen Voraussetzungen in den Blick zu nehmen – unabhängig davon, ob es einen Migrationshintergrund hat oder nicht“, sagt Schulamtsdirektor Braun.

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